Kritik an Quersubventionen für Billigflieger wird lauter
Easyjet und Ryanair bringen die Welt der Flughäfen ins Wanken

Der beinharte Wettbewerb der boomenden Billigflieger hat zusehends Auswirkungen auf die deutschen Flughafenbetreiber. Sie bekommen den Kostendruck, den Europas Marktführer Ryanair und Easyjet entfacht haben, nun mit voller Wucht zu spüren.

DÜSSELDORF. Ryanair kommt seit Jahren nur mit Flughäfen ins Geschäft, die dem irischen Billigflieger mit Sonderkonditionen und üppigen Zuschüssen entgegenkommen. Auch Easyjet, deren weitere Expansion vor allem Deutschland zum Ziel hat, beginnt die Flughäfen gegeneinander auszuspielen. Die Briten haben in den vergangenen Wochen angekündigt, Verbindungen etwa nach Zürich, Amsterdam und Kopenhagen einzustellen: „Der Grund war immer, dass uns dort die Gebühren zu hoch waren“, betonte ein Easyjet-Sprecher gegenüber dem Handelsblatt.

Zu den Protesten deutscher Airlines, die eine Ungleichbehandlung auf den Flughäfen Berlin und Dortmund beklagen, sagte der Sprecher: „Wir haben keinen Sonderpreis in Dortmund bekommen und zahlen die öffentlich bekannte Gebühr.“ Wenn andere Airlines in Dortmund mehr zahlen müssten, „dann ist das deren Problem“. Das Problem ist aber inzwischen beim Flughafen Dortmund notgelandet. Nach Air Berlin hat sich jetzt auch die deutsche Ferien-Airline Hapag- Lloyd entschlossen, mit sofortiger Wirkung weit geringere Gebühren auf dem Niveau von Easyjet zu entrichten. Das bestätigte gestern eine Hapag-Lloyd-Sprecherin dem Handelsblatt.

Lufthansa will dem Beispiel folgen, sieht aber noch Spielräume für den Fall, dass es „ganz rasch Bewegung gibt“, wie ein Sprecher betonte. Der Flughafen Dortmund zeigte sich zuversichtlich, den Gebührenstreit zu einem guten Ende zu bringen: „Wir führen Gespräche und werden eine Einigung erreichen“, sagte Geschäftsführer Manfred Kossack der „WAZ“.

Air Berlin will sich eine Gleichbehandlung mit Easyjet auch gerichtlich erkämpfen. Ende Oktober soll das Landgericht Potsdam entscheiden, ob die bisherige Gebührenordnung am Flughafen Berlin-Tegel hinfällig ist. Air Berlin fordert von der Berliner Betreibergesellschaft ähnliche Konditionen, wie sie Easyjet am Standort Schönefeld erhält. Die deutschen Fluglinien begründen ihren Vorstoß mit den Sonderkonditionen, die Easyjet eingeräumt werden. Air Berlin zufolge liegen die Flughafenentgelte, die Easyjet in Dortmund entrichten muss, rund 80 Prozent unter den bisher gängigen Tarifen. „Diese krasse Ungleichbehandlung können wir uns nicht bieten lassen“, sagte ein Air-Berlin-Sprecher. Er kündigte an, „bei der nächsten Rechnung“ nur noch zwei Euro statt bisher 15 Euro pro Passagier nach Dortmund zu überweisen.

Nach Ansicht von Branchenexperten liegt die Kalkulation weit unter den tatsächlichen Kosten des Flughafenbetreibers: „Mit dieser Entgeltstruktur wird Dortmund auf Dauer kein Geld verdienen können“, sagte der Düsseldorfer Airport-Chef Rainer Schwarz. Für die Verluste des Flughafens, im Vorjahr 18 Mill. Euro, kommen in erster Linie die Stadtwerke Dortmund auf, die mit 75 Prozent Mehrheitseigner der Flughafengesellschaft sind.

Der Flughafen Weeze, 75 Kilometer nördlich von Düsseldorf gelegen, lebt ebenfalls von der öffentlichen Hand: Obwohl der Betreiber bereits Beihilfen von 3,5 Mill. Euro erhielt, half der Landkreis Kleve knapp ein Jahr nach Eröffnung des Airports mit einem weiteren Zehn-Millionen-Euro-Kredit aus. Ab Weeze fliegen die beiden Low-Cost-Gesellschaften Ryanair und V-Bird. „Ich erwarte, dass die Subventionen nicht dazu missbraucht werden, Dumpingpreise zu generieren“, sagte Schwarz.

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