Kritik an Subventionswettlauf der Länder und Kommunen
Experten fordern weniger Staat im Messewesen

Die Messebranche in Deutschland leidet unter wachsendem Preis- und Ertragsdruck. Dies sei die Folge europaweiter Überkapazitäten bei den Hallen und eines Überangebots an Messen, sagt Michael von Zitzewitz, Chef der Messe Frankfurt. Daten aus der Branche stützen diese Einschätzung: Danach ist die Nachfrage nach Ausstellungsflächen in den vergangenen Jahren europaweit tendenziell gesunken.

HB/wb FRANKFURT. Einen Anhaltspunkt dafür liefert der Durchschnitts-Umsatz der 15 größten europäischen Messeunternehmen. Er sank von 2001 bis 2003 – neuere Zahlen liegen noch nicht vor – um 28 Prozent auf 167 Mill. Euro. Die Hallenkapazitäten aber nahmen um fast ein Fünftel auf 9,3 Mill. Quadratmeter zu.

Mit knapp drei Mill. Quadratmetern befindet sich laut Messe-Statistik nahezu ein Drittel dieser Kapazität in Deutschland. Damit hat Deutschland je Einwohner doppelt so viel Hallenfläche wie Frankreich und fast ein Drittel mehr als das bereits gut bestückte Italien. Den europäischen Durchschnitt übertrifft das deutsche Messewesen um knapp vier Fünftel – Indizien für einen starken Überbesatz.

Der Branchenverband Auma – der Ausstellungs- und Messe-Ausschuss der Deutschen Wirtschaft – zählt nur Messeplätze, die jährlich wenigstens eine internationale oder überregionale Ausstellung vorweisen können. Dazu gehören schon Messeorte wie Freiburg mit 13 500 oder Offenburg mit gut 17 000 Quadratmetern Hallenfläche – Zwerge im Vergleich zum Spitzenreiter Hannover mit fast einer halben Million Quadratmetern.

Die 24 deutschen Messegelände dieser Kategorie kommen zusammen auf 2,65 Mill. Quadratmeter Hallenfläche, knapp sieben Prozent mehr als Ende 2000. Dieser Steigerung steht ein Rückgang der vermieteten Flächen von 2000 bis 2004 um acht Prozent gegenüber. Die Ursache des „immer noch signifikanten Auseinanderlaufens von Flächenangebot und -nachfrage“ sieht Messechef von Zitzewitz im starken Engagement der Länder und Kommunen, die ihre Messen als Instrument der Regionalförderung betrachten.

Immer häufiger wird Kritik laut, dass einige der Öffentlichen Hände dabei des Guten zu viel tun. In Berlin tobt seit langem ein politischer Dauer-Streit um die Messesubventionen. Der Frankfurter Handelskammer-Präsident Joachim von Harbou fordert die Stadt auf, die Messe wie auch den Flughafen zu privatisieren. Und der baden-württembergische Rechnungshof monierte jüngst die Messe-Förderpolitik des Landes, die bereits zum Verdrängungswettbewerb unter den Geförderten geführt haben soll.

Für den Münchener TU-Professor Robert K. von Weizsäcker sind die hohen Messekapazitäten in Deutschland marktwirtschaftlich nicht nachvollziehbar. Sie seien auf einen politökonomischen Konkurrenzprozess zwischen den Bundesländern zurückzuführen, der zu einem Subventionswettlauf geführt hat, analysiert von Weizsäcker das Problem in einer Studie. Den Argumenten der Länder und Kommunen, die gleichzeitig Eigentümer und Finanziers ihrer Messen sind, mag von Weizsäcker nicht folgen. Der oft zitierte regionale Imagegewinn habe „nichts mit volkswirtschaftlicher Effizienz zu tun“. Und an den Rechnungen zur so genannten Umweg-Rentabilität, also den Sekundär-Effekten der Messen im Umfeld von Hotels, Gastronomie oder Handwerk, meldet er deutliche Zweifel an.

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