Kritik auch von Politikern
United-Chef entschuldigt sich doch noch

Das skandalöse Verhalten von United Airlines kann für die Luftfahrtbranche ein böses Nachspiel haben. Erste Politiker wollen Überbuchungen schlichtweg verbieten. Und die Airline muss peinliche Fragen beantworten.
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San FranciscoZuerst gab sich Oscar Munoz noch überlegen und siegesgewiss: Nachdem die verstörenden Bilder eines Passagiers um die Welt gingen, der mit roher Gewalt aus einem Flugzeug von United Airlines geschleift und verletzt wurde, bedauerte der Vorstandschef der Fluggesellschaft in einer knappen Mitteilung lapidar, dass man den Passagier „umsetzen“ musste.

Später schrieb er eine E-Mail an seine Mitarbeiter, in der er versicherte, dass alles richtig gelaufen sei und er zu ihnen stehe: „Auch wenn ich die Entwicklung der Situation bedauere, stehe ich ausdrücklich hinter Ihnen und möchte Ihnen empfehlen, weiterhin über sich hinaus zu gehen und sicherzustellen, dass wir korrekt fliegen“, ermutigte er seine Truppe. Dabei merkte er an, dass der Passagier streitlustig und laut gewesen sei. Dabei habe man ihn nur „höflich aufgefordert“ das Flugzeug zu verlasen.

Einlenken könnte zu spät kommen

Erst am Dienstag, als das Unternehmen am Ende des Börsenhandels in New York 250 Millionen Dollar an Börsenwert verloren hatte, erkannte Munoz offenbar, wie falsch er die Situation und die Machtposition von United eingeschätzt hatte.

In einer neuen Mitteilung bezeichnete er den Vorfall jetzt als „grauenhaft“. Niemand dürfte auf solche Weise behandelt werden. Er „entschuldige sich in aller Form“ bei dem verletzten Passagier, der nach Medienangaben noch immer im Krankenhaus liegt, und bei „allen anderen Kunden an Bord“, die die Geschehnisse mitansehen mussten. Niemand dürfe „auf diese Weise misshandelt werden“.

Doch es könnte zu spät und zu wenig sein, was Munoz da anbietet. Der Gouverneur des Bundesstaates New Jersey, Chris Christie, hat bereits einen Brief an das US-Transportministerium geschrieben und die Behörde aufgefordert, eine Sondergenehmigung aufzuheben, die es den Luftfahrtgesellschaften ermöglicht ,mehr Tickets für einen Flug zu verkaufen als Sitzplätze zur Verfügung stehen. Da immer ein paar Reisende nicht zum Abflug erscheinen, versuchen die Gesellschaften so ihren Gewinn zu optimieren.

Mit Computermodellen und Big Data-Analysen wurde diese Technik mittlerweile so verfeinert, dass sie praktisch bei jedem Flug angewandt wird. Im vergangenen Jahr mussten trotzdem rund 500.000 Fluggäste am Flughafen zurückbleiben, weil sie keinen Platz mehr bekommen haben.

Der Vorfall, so der Republikaner Christie, werfe ein Schlaglicht auf die von Präsident Donald Trump geforderte Überprüfung aller schädlichen oder unnötigen Regulierungen. Die Überbuchungspraxis werde erst durch den Erlass 14 C.F.R Part 250 ermöglicht. Den will Christie unverzüglich widerrufen sehen, bis der Vorfall untersucht und eine neue Regelung ausgearbeitet wurde. Christie, der zu den ersten Unterstützern Trumps gehört, weist darauf hin, dass United 70 Prozent seiner Flüge über den Flughafen Newark in New Jersey abwickle. Entsprechend besorgt sei er um seine Bürger.

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First-Class-Passagier mit Handschellen gedroht

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