Kritik der Kartellbehörde
Continental bangt um Zutritt zu Star Alliance

Der Wettbewerb ist in Gefahr, meinen US-Kartellbehörden und kritisieren den Beitritt der Fluggesellschaft Continental Airlines in das Lufthansa-Bündnis Star Alliance. Mit Preisabsprachen zwischen den Partnern schalte das Bündnis die Konkurrenz aus. Die Fluggesellschaft ist dennoch optimistisch, dass die Kooperation genehmigt wird.

NEW YORK/FRANKFURT. Die US-Kartellbehörden haben in einem 58-seitigen Schreiben den geplanten Wechsel der Fluggesellschaft Continental Airlines in das Lufthansa-Bündnis Star Alliance infrage gestellt. Die Zusammenarbeit bei Tarifen und Flugstrecken hebe den Wettbewerb zwischen Continental und United Airlines auf zahlreichen Strecken nach Europa und Lateinamerika vollständig auf und schränke zudem die Konkurrenz auf Flügen nach Peking ein, heißt es in einer Stellungnahme des Justizministeriums.

Auf Strecken, bei denen der Wettbewerb eliminiert sei, würden die Preise um 15 Prozent steigen, betont die Behörde. In US-Medien wird die Nachricht als Beleg angeführt, dass die Obama-Administration in Wettbewerbsfragen deutlich restriktiver vorgeht als die Regierung Bush. Zudem lässt der harsche Wortlaut des Papiers auf Spannungen zwischen den US-Behörden schließen. Das Transportministerium hatte dem Geschäft, das die Marktführerschaft der Star Alliance im Flugverkehr untermauern würde, im April vorläufig zugestimmt.

Continental und die United-Mutterfirma UAL Corp. äußerten sich überzeugt, die Genehmigung zu erhalten. Auch Lufthansa, Gründungsmitglied und Anführer der Star Alliance, blieb ungeachtet der kritischen Töne aus den USA optimistisch. Die Entscheidung liege beim Transportministerium, sagte ein Konzernsprecher: „Es gibt bereits eine vorläufige Genehmigung dieser Behörde, und wir warten auf die finale Genehmigung. Wir sind zuversichtlich, dass das auch gelingt.“ Branchenexperten erwarten allerdings, dass Continental und United nun Zugeständnisse anbieten und Auflagen schlucken müssen.

Die Suche nach mehr Preismacht und weniger Konkurrenz hat Tradition in der Luftfahrt, die noch immer national geprägt ist und seit Jahrzehnten mehr Flugsitze anbietet, als der Markt vertragen kann. Der Branchenverband IATA erwartet, dass die Airlines 2009 weltweit mindestens neun Mrd. Dollar Verlust einfliegen werden. Die längst überfällige Konsolidierung kommt nur mühsam voran, insbesondere in den USA: Weil Übernahmen oder Fusionen mit Fluglinien aus Amerika oder Asien aufgrund starker Reglementierungen noch immer ausgeschlossen sind, sehen Lufthansa & Co in Allianzen bisher die einzige Chance, global mit einem finanziell erträglichen Aufwand präsent zu sein.

Dabei werfen nicht nur US-Behörden ein zunehmend kritisches Auge auf die Bündnisse. Seit kurzem haben auch die EU-Kartellwächter die Lufthansa sowie sechs weitere Anbieter wegen angeblicher Preisabsprachen auf Nordatlantikstrecken ins Visier genommen. Nach Angaben eines EU-Sprechers handelt es sich bei der Untersuchung „nicht um eine Routineangelegenheit“. Die Unternehmen sollten sie sehr ernst nehmen.

Der Verdacht der EU-Kartellhüter: Die Absprachen und Kooperationen gerade in der geplanten Allianz „Atlantic plus plus“ sei weitgehender als bei solchen Partnerschaften üblich. Allerdings betrifft die Untersuchung auch die vom Lufthansa-Rivalen British Airways dominierte Partnerschaft „Oneworld“, und hier besonders die Anbieter American Airlines und Iberia.

Matthias Eberle
Matthias Eberle
Handelsblatt / Ressortleiter Ausland
Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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