Kritik vom Gesamtbetriebsrat
Thomas Cook verkauft Flugzeuge

Europas zweitgrößter Urlaubskonzern Thomas Cook will ein Drittel seiner deutschen Ferienflieger-Flotte für Kurz- und Mittelstrecken verkaufen. Dazu liefen Gespräche mit den Herstellern Boeing und Airbus sowie mit Fluggesellschaften, sagte Thomas-Cook-Chef Stefan Pichler der „Süddeutschen Zeitung“. Er sei zuversichtlich, dass der Verkauf in den nächsten Monaten erfolge.

HB/dpa OBERURSEL. Ein Thomas-Cook-Sprecher bestätigte am Sonntag den Bericht, allerdings sei neben dem Verkauf weiterhin auch noch eine andere Verwendung der Maschinen außerhalb des Ferienflieger-Geschäfts denkbar. Zudem werden laut Pichler 40 der 187 eigenen Reisebüros in Deutschland überprüft. Bestehe keine Aussicht auf Gewinn, würden die Büros geschlossen.

Nach dem Verkauf der Teilflotte aus 13 Maschinen besäße Thomas Cook in Deutschland noch 25 Maschinen für Kurz- und Mittelstrecken sowie neun weitere für Fernstrecken, schreibt die Zeitung. Ein Teil der Flotte ist bereits jetzt in der Wüste von Arizona vorübergehend stillgelegt oder an andere Gesellschaften verpachtet, wie der Konzern zuvor bereits mitgeteilt hatte. Außerdem sollen bis zu 1200 Stellen in Deutschland gestrichen werden.

Nach dem Bericht der „Süddeutschen Zeitung“ hat unterdessen der Gesamtbetriebsrat von Thomas Cook das Management kritisiert. In einem Schreiben an die Belegschaft heiße es: „Jahrelang wurde nur auf Wachstum gesetzt; Krisen waren nicht eingeplant.“ Betriebsrat und Wirtschaftsausschuss hätten seit Jahren auf die Kostenentwicklung und Strukturmängel hingewiesen. „Wenn man sich vorher zu wenig um die Kosten gekümmert hat, so spart man jetzt, koste es, was es wolle“, zitiert die Zeitung aus dem Schreiben. Dazu erklärte der Thomas-Cook- Sprecher, interne Schreiben des Betriebsrates wolle das Unternehmen nicht kommentieren.

Pichler sagte weiter, der Pauschalreisemarkt sei von 2001 bis 2003 um 25 % eingebrochen. In der selben Zeit sei das Flugangebot, unter anderem durch Billig-Fluggesellschaften, aber um 40 % gewachsen. In der Lufthansa-Mitarbeiterzeitung „Lufthanseat“ hatte Pichler vergangene Woche erklärt: „Die Zeiten der reinen Sonnenscheinbranche mit dauerhaft hohen Wachstumsraten sind seit dem 11. September 2001 erst einmal vorbei.“

Der „Süddeutschen Zeitung“ sagte Pichler weiter, er rechne in Deutschland für das laufende Jahr mit 2,5 bis 3 % weniger Reisenden. Die Umsatzeinbußen würden dagegen größer ausfallen, weil die Reisepreise deutlich gefallen seien. Daher werde Thomas Cook ebenso wie Marktführer TUI das Last-Minute-Angebot reduzieren.

Thomas Cook mit Sitz in Oberursel bei Frankfurt gehört je zur Hälfte Lufthansa und Karstadt-Quelle. Der integrierte Tourismus- Konzern war durch die Zusammenlegung des Ferienfliegers Condor mit der NUR Touristik (Neckermann) entstanden. Nach dem Kauf des britischen Unternehmens Thomas Cook übernahm er dessen Namen. Zur Hälfte des Geschäftsjahres (November 2002 bis April 2003) war der Verlust vor Steuern auf 434,2 Mill. € gestiegen. Im Vorjahreszeitraum lag der im Winter übliche Fehlbetrag noch bei 388,9 Mill. €.

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