Kritik von Verbraucherschützern
Butterfahrt über den Wolken

Der Billigflieger HLX geht neue Wege, um sich im aggressiv umkämpften Markt zusätzliche Einnahmen zu sichern: Er will künftig mit einem Partner während der Flüge über Hausbau und -finanzierung informieren. Selbst der persönliche Berater fliegt mit.

HB HANNOVER. Bei der Suche nach den letzten Rendite-Reserven kommen die Billigflieger auf immer neue Ideen. Branchenpionier Ryanair verkauft an Bord Telefonkarten und informiert über Versicherungen. Bei Hapag-Lloyd Express (HLX) können die Fluggäste künftig in 11 000 Meter über Normal Null das „preiswerte Eigenheim“ - so die Werbung - planen und auch die dazugehörige Finanzierung kalkulieren lassen. Kommt später ein Geschäft zu Stande, wird das Haus der Firma Okal 1000 € billiger, und HLX legt gleich noch Tickets für den nächsten Billigflug obendrauf.

Die Idee klingt abstrus, die Umsetzung ist aber einfach - auch wenn HLX am Dienstag in Hannover den Vergleich mit Butterfahrten oder Rheuma-Decken-Seniorennachmittagen nicht hören wollte. Zunächst bekommen die Fluggäste während des meist zweistündigen Fluges ein Info-Blättchen von Okal in die Hand. Sie sollen sich „entspannt zurücklehnen und werden umfassend und unkompliziert über das neue Programm preiswerter Okal-Qualitätshäuser informiert“, so heißt es in einer HLX-Mitteilung. In Kürze solle auch ein Okal-Fachberater mitfliegen, der für die „individuelle Bauplanung zur Verfügung“ steht und Finanzierungsmodelle vorstellt, „die den Traum vom Eigenheim wirklich werden lassen“. HLX betonte, man sei für weitere Marketing-Kooperationen offen.

Mit den beiden Unternehmen haben sich zwei große in ihren so weit auseinander liegenden Branchen zusammen getan. HLX, seit einem Jahr im Billigflugsegment am Markt, wächst rasant und hat lange die Marke von einer Million Fluggästen durchbrochen. Die Okal Hausvertriebs GmbH in Salzhemmendorf gehört mit rund 80 000 gebauten Eigenheimen und Standorten in 50 Städten Deutschlands zu den großen Anbietern im Bausektor.

Doch schon hagelt es massive Kritik von Verbraucherschützern, die ohnehin ein waches Auge auf die Billigflieger wegen ihrer aggressiven Werbung geworfen haben. „Davon halte ich gar nichts“, sagte Jürgen Rosner, Reiseexperte bei der Verbraucherzentrale Niedersachsen. „Es ist sehr problematisch, aus einem Billigflug eine Werbeveranstaltung für derartige Güter zu machen. Da geht es schließlich um riesige Summen.“ Selbst wenn es sich bei der Werbung in der Luft nur um „erste Anbahnungsgespräche handelt“, sei dies abzulehnen. Und wenn Okal über ihre Produkte informieren möchte, „sollten die selbst die potenziellen Kunden in ihre Büroräume einladen. Dann wissen die wenigstens, was dabei herauskommt."

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