Kromi Logistik AG
Jörg Schubert: Der nimmermüde Überzeugungstäter

Kromi-Chef Jörg Schubert hat mit einer scheinbar simplen Idee eine ganze Branche revolutioniert. Doch der Weg zu diesem Erfolg war steinig. Heute ist sein Unternehmen börsennotiert und versorgt europaweit über 60 Kunden mit Zerspanungswerkzeugen aus 350 Automaten.
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BREMEN Die Nächte, in denen ihn das Telefon immer wieder aus dem Schlaf klingelte, hat Jörg Schubert noch gut in Erinnerung. "Damals sagte ich mir: Du ziehst das jetzt zwei Jahre durch. Dann ist dein Geschäftsmodell perfekt." Rund um die Uhr war Schubert ansprechbar für seinen ersten und einzigen Kunden, die Car Top Systems GmbH, ein Hersteller von Cabrio-Verdecken in Bietigheim-Bissingen. Und er machte sich augenblicklich auf den Weg, wenn es in der Fertigungshalle Probleme gab. Das Geschäftsmodell, von dem Schubert so überzeugt war, ist ein Automat, der Zerspanungswerkzeuge per Knopfdruck ausspuckt - Bohrer, Fräser und Sägen, je nach Bedarf, 24 Stunden am Tag. "Oft war ich nachts zum Kunden unterwegs", erinnert sich Schubert. "Aber ich wusste, dass es sich für diese Idee lohnt."

Die Idee hat die Kromi Logistik AG groß gemacht. Heute ist das Unternehmen börsennotiert und versorgt europaweit über 60 Kunden mit Zerspanungswerkzeugen aus 350 Automaten. Und der Vorstandsvorsitzende Schubert setzt weiter auf Expansion. "Die Marktlage ist günstig", glaubt er. Da Werkzeuge in der Zerspanung nur einmal benutzt werden und nach durchschnittlich 25 Minuten erneuert werden müssen, ist eine Rundum-Versorgung mit Fräsern, Bohrern und Sägen für die Zerspanungsindustrie unabdingbar. Die Werkzeugbeschaffung an einen "Tool Manager" wie Kromi abzugeben, bringt Unternehmen Einsparungen von über 25 Prozent, wirbt Schubert.

"Im Moment rennen uns Neukunden die Bude ein", berichtet der Kromi-Chef zufrieden. Das ist auch Folge der Krise. "Immer mehr Unternehmen erkennen, dass es günstiger ist, ihren Werkzeugbestand und ihre Lager aufzugeben und die komplette interne Organisation der Werkzeuglogistik an uns abzugeben."

Über zehn Jahre ist es jetzt her, dass Schubert seinen ersten Werkzeug-Automaten testete und bis zur Marktreife optimierte. Zum Unternehmer war er erst spät geworden, vorher hatte er lange als Angestellter gearbeitet. "Ich bin in Essen groß geworden. Da landet man automatisch bei Krupp", erzählt der 63-jährige lachend. Nach seiner Ausbildung zum Industriekaufmann bei dem Essener Schwerindustrie-Unternehmen und einer zweijährigen Station bei der Bundeswehr nahm Schubert 1966 die erste Stufe der Karriereleiter im Vertrieb der Krupp-Tochter Widia, einem Werkzeughersteller und-händler. Später wurde er Vertriebsleiter Deutschland, dann weltweiter Geschäftsbereichsleiter.

"In all den Jahren hat es mich immer wieder geärgert, dass der schwarze Peter an uns Lieferanten ging, wenn etwas in der Organisation schief lief und die benötigten Werkzeuge nicht rechtzeitig beim Kunden ankamen", erinnert sich Schubert. "Ich suchte nach einem neuen Vertriebsmodell, um dieses Problem aus der Welt zu schaffen."

Die zündende Idee kam Schubert beim Besuch des Daimler-Benz-Werks in Stuttgart: Dort fiel ihm Mitte der neunziger Jahre ein Automat für die mannlose Werkzeugausgabe ins Auge. "Würde man ein ganzes Versorgungssystem anbauen und den Kunden vorrechnen, dass die Beschaffung eines Werkzeugs zehn Mal teurer ist als das Werkzeug selbst, hätte man ein unschlagbares Outsorcing-Argument", fasst Schubert seine Gedanken von damals zusammen. Mit dieser Idee vom Werkzeugautomaten stieg Schubert 1994 als geschäftsführender Gesellschafter beim Hamburger Handelsunternehmen Krollmann & Mittelstädt ein, aus dessen Anfangsbuchstaben der heutige Firmenname Kromi entstand. Drei Jahre später gab es den ersten Prototypen, im Jahr 2000 ging der erste Werkzeugausgabeautomat "Kromi Tool-Center KTC" an den Markt. Seit 2006 ist Jörg Schubert Vorstandsvorsitzender der Kromi Logistik AG und mit knapp 25 Prozent größter Aktionär.

Im März 2007 startete die Kromi-Aktie im Segment "Prime Standard" der Frankfurter Börse. Zwölf Mio. Euro flossen dadurch ins Unternehmen. Im Juni des laufenden Jahres folgte der nächste Coup: US-Milliardär Warren Buffett will bei Kromi einsteigen. "Für uns ist das wie ein Sechser im Lotto", freut sich Schubert. Die frischen 3,75 Mio. Euro will er in die Expansion stecken. "Demnächst werden wir in Italien, in der Türkei und in Rumänien starten."

Obwohl der Logistik-Branche für das laufende Jahr ein schmerzlicher Umsatzschwund vorausgesagt wird, blickt Schubert der Zukunft hoffnungsvoll entgegen. "Ich bin sicher, dass wir weiter ordentlich an Umsatz zulegen werden, weil die Krise den Outsorcing-Trend anfacht." Dennoch weiß Schubert, dass immer neue Ideen gefragt sind. "Wenn man seinen Kunden nicht regelmäßig neue Bausteine für ein Logistiksystem anbietet, glauben sie irgendwann, dass sie die Werkzeugbeschaffung auch alleine hinkriegen." Schuberts neuste Idee: Eine Datenbank, die bereits Minuten nach der Entnahme anzeigt, wozu ein Werkzeug verwendet wurde - und so eine umfassende Kostenanalyse ermöglicht.

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