Kühlwasser heizt Flüsse zu sehr auf
Hitze beeinträchtigt Stromversorgung

Die seit Wochen andauernde Hitze beeinträchtigt zunehmend auch die Stromversorgung in Europa. „Es ist eine ganz schwierige Situation, aber unter dem Strich gibt es noch einige beruhigende Faktoren“, sagte die Sprecherin des Verbandes der Elektrizitätswirtschaft (VDEW), Patricia Nicolai, in einer dpa- Umfrage am Montag.

HB/dpa HAMBURG. Es gebe Engpässe in Italien und Portugal. Die Regierung in Paris forderte die Franzosen zum Stromsparen auf. In den Niederlanden konnten am Montag Hitze bedingte Störungen der Stromversorgung gerade noch verhindert werden.

In Deutschland verringerten einige Stromkonzerne die Leistung ihrer Atomkraftwerke um bis zu 50 %, da deren Kühlwasser angrenzende Flüsse zu sehr aufheizen würde oder aus den Flüssen entnommenes Wasser zu warm ist. Stromausfälle seien nicht ausgeschlossen, Engpässe gebe es hier zu Lande bislang nicht. Ein Sprecher der EU-Kommission in Brüssel teilte mit, es gebe bei Strom keine Reserven auf Gemeinschaftsebene wie etwa bei Erdöl. Unterdessen stiegen die Preise an der Strombörse EEX in Leipzig auf 50,35 € je Megawattstunde. Der Jahresdurchschnittspreises an der European Energy Exchange AG (EEX) beträgt 26 €.

Trotz teils gedrosselter Produktion befürchten Energieversorger wie Eon oder RWE keinen Strommangel in Deutschland. „Aus heutiger Sicht ist die Sicherheit der Stromversorgung gewährleistet“, sagte ein RWE-Sprecher. Eine Sprecherin des Stromerzeugers RWE Power bekräftigte: „Am Montagmorgen waren alle unsere großen Kraftwerke mit Volllast am Netz.“

Ein Sprecher des Energiekonzerns Vattenfall Europe schloss dagegen nicht aus, dass wegen der Hitze in Deutschland vorübergehend der Strom ausfällt. „Im Moment gibt es keine akute Gefahr, aber es kann schon mal unplanmäßige Ausfälle geben.“ Südlich der Rhein-Main-Linie sei die Lage angespannter als im Norden und Osten der Republik.

Das Atomkraftwerk Krümmel bei Hamburg war Mitte vergangener Woche auf 60 % seiner Leistung herunter gefahren worden, der Meiler im schleswig-holsteinischen Brunsbüttel auf 86 %. In Niedersachsen läuft das Atomkraftwerk Unterweser nach Angaben des Landesumweltministeriums seit dem Wochenende nur noch mit 30 bis 56 % Leistung. Das Atomkraftwerk in Stade hat seine Leistung wegen der hohen Temperaturen auf maximal 85 % gedrosselt, der Meiler Isar 1 bei Landshut reduzierte um rund 50 %. Auch die Kraftwerke der Energie Baden-Württemberg (EnBW) produzieren seit vergangener Woche nur noch 80 % der üblichen Strommenge. Eine solche Verringerung ist laut Eon im Sommer nicht ungewöhnlich, nur die Dauer in diesem Jahr. Nach Angaben einer Sprecherin hat Eon deswegen wirtschaftliche Einbußen. Einzelheiten nannte sie nicht.

In Belgien und Frankreich laufen Atomkraftwerke zum Teil schon seit Ende Juli mit gedrosselter Leistung. Die Regierung in Paris beschloss nach einer Krisensitzung am Montag „vorübergehende und begrenzte Ausnahme-Regelungen“ mit höheren Temperatur-Grenzwerten für Kühlwasser, das Kernkraftwerke in Flüsse oder das Meer einleiten. Die Lage sei ernst, auch wenn noch keine Energie-Knappheit drohe, sagte Frankreichs Industrie-Ministerin Nicole Fontaine.

In den Niederlanden hatten Elektrizitätsbetriebe am Montag erstmals seit neun Jahren die höchste Alarmstufe aktiviert, weil das aus Rhein und Maas entnommene Kühlwasser zu warm sei. Zunächst waren Unterbrechungen bei den Stromlieferungen befürchtet worden, doch die Reservekapazitäten reichten nach Betreiberangaben gerade noch aus.

„Es gibt Anzeichen, dass die Kapazitäten in ganz Europa extrem ausgelastet sind“, sagte VDEW-Sprecherin Nicolai. Sogar der größte europäische Stromexporteur Frankreich habe beispielsweise seine Lieferungen nach Italien eingeschränkt. 2002 hatte Frankreich nach Zahlen des europäischen Stromverbandes Eurelectric seinen Stromexport von 72,6 auf 80,6 Terawattstunden (TWh) gesteigert. Die größten Stromimporteure der 15 EU-Staaten waren demnach Italien (per Saldo 50,4 TWh), die Niederlande (16,4), Finnland (12,0) und Großbritannien (8,4). Über den europäischen Verbund gleichen die Staaten Energieüberfluss und -mangel untereinander aus.

Angesichts geringerer Produktion wertete es der VDEW als Lichtblick, dass die Menschen in Deutschland im Sommer weniger Strom verbrauchen als im Winter. Die Spitzenlast sei rund 10 000 Megawatt Kraftwerksleistung niedriger. Zudem hätten die 900 Stromunternehmen in Deutschland Reserven entsprechend ihres Kundenstamms und ihrer Marktposition angelegt.

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