Kündigungen
Brussels Airlines laufen die Piloten weg

Ausgerechnet während des lukrativen Sommergeschäfts gehen der belgischen Fluggesellschaft Brussels Airlines die Piloten aus. In den vergangenen Monaten haben über 50 von insgesamt 400 Piloten gekündigt. Weitere werden folgen. Immer mehr Mitarbeiter klagen über die niedrige Bezahlung und die schlechten Arbeitsbedingungen.

BRÜSSEL. Brussels Airlines musste bereits Flüge kurzfristig stornieren. „Die belgischen Piloten haben die Nase voll. Sie wollen bessere Arbeitsbedingungen und mehr Geld“, sagt Pierre Ghyoot vom belgischen Berufsverband der Piloten.

Nach Berechnungen des Berufsverbandes verdient ein Co-Pilot bei Brussels Airlines rund 3 500 Euro, für den kommandierenden Piloten sind es noch einmal 2 000 Euro mehr. „Im Ausland liegen die Gehälter zehn bis 15 Prozent höher“, sagt Ghyoot. Die meisten Piloten wandern deshalb zu Air France, dem Frachtflieger Cargolux, aber auch zu den Billiglinien Ryanair und Easyjet ab.

Die Unternehmensführung von Brussels Airlines gibt zu, dass mehr Piloten als üblich zur Konkurrenz wechseln: „Normalerweise sind es fünf Prozent im Jahr. Bei uns liegt die Quote zurzeit leider bei zehn Prozent“, sagt ein Unternehmenssprecher. Allerdings sieht er als Grund nicht die schlechte Bezahlung. „Schuld daran sind die hohen Steuern in Belgien. Deshalb ist es für unsere Piloten so interessant, ins Ausland zu gehen.“ In Irland etwa habe ein Pilot mit dem gleichen Gehalt wie bei Brussels Airlines 25 Prozent mehr im Geldbeutel. Aber für die Piloten ist nicht nur das Geld entscheidet.

Sie klagen über die schlechten Arbeitsbedingungen und fehlenden Teamgeist seit der Fusion von Virgin und Brussels Airlines im März 2007. „Bei Brussels Airlines muss ich zehn Tage am Stück fliegen und habe nur vier Tage frei. Bei der Konkurrenz ist es ein Rhythmus von sechs Tagen fliegen und fünf Tagen Zuhause“, sagte ein Pilot der belgischen Tageszeitung „Le Soir“. Auch die Aufstiegsmöglichkeiten seien bei anderen Fluglinien wesentlich besser als in Belgien.

Darüber hinaus leidet Brussels Airlines unter der allgemeinen Knappheit von qualifizierten Piloten in Europa. „Immer mehr vor allem britische Kollegen gehen an den persischen Golf oder nach Indien, weil sie dort mehr verdienen können. Die fehlen dann auf dem europäischen Arbeitsmarkt“, sagt Ghyoot. Seit 2006 wirbt Brussels Airlines deshalb junge Piloten sowie ehemalige Militärflieger an. Die werden nun im Eiltempo aus- und weitergebildet, um möglichst schnell einsatzbereit zu sein. Für die kommenden Monate hat das Unternehmen zusätzlich einen Notfallplan aufgestellt: „Wir arbeiten mit zehn selbstständigen Piloten, die für einige Wochen einspringen werden. Außerdem haben wir ein Flugzeug mit Pilot von einer anderen Fluggesellschaft angemietet“, sagt ein Sprecher. So will das Unternehmen zumindest weitere Ausfälle vermeiden.

Ruth Reichstein
Ruth Reichstein
Handelsblatt / Korrespondentin
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