Künftige Strategie der Börse ist nicht absehbar
Eigner umklammern Schweizer SWX

Der Brief, der die Kunden der Züricher Börse (SWX) vergangene Woche erreichte, klang nicht gerrade optimistisch: Ein prominenter langjähriger Mitarbeiter dankte für die vertrauensvolle Zusammenarbeit und kündigte seinen Abgang an. Er ist einer von bis zu 70 Mitarbeitern, dem die SWX kündigt.

ZÜRICH. Kein Zweifel: Reto Francioni hinterlässt in Zürich alles andere als ein aufgeräumtes Haus. Zwar konnte er 2004 noch einen Jahresgewinn von 35,5 Mill. Euro ausweisen, doch die Börse leidet unter Makeln, die mehr sind als pure Schönheitsfehler.

So ist es Francioni nicht gelungen, die Abhängigkeit der Börse von den fünf großen Handelswerten zu verringern: Ohne die Großbanken UBS und Credit Suisse, ohne die Pharmawerte Novartis und Roche und ohne den Lebensmittelriesen Nestlé würde sich für die Börse in Zürich die Existenzfrage stellen.

Das Projekt, das die Abhängigkeit mildern sollte, hieß Virt–x, also der Handel mit europäischen Werten auf einer Schweizer Plattform in London. Das Vorhaben kam nie richtig auf die Beine. Ausgerechnet Projektmanagerin Antoinette Hunziker-Ebneter soll voraussichtlich Francionis Nachfolgerin in Zürich werden.

Der zweite Makel ist ein Geburtsfehler: Die Börse gehört überwiegend den Schweizer Banken, die sich zum Verein SWX zusammengeschlossen haben. Unter ihnen herrscht alles andere als Einmütigkeit über den künftigen Kurs der Börse.

Die einen, unter ihnen vor allen die Privatbankiers aus Genf, wickeln schon jetzt viele Börsengeschäfte über London ab. Die anderen, die alles entscheidenden Großbanken, könnten sich eigentlich mit einem Verkauf der Börse abfinden, weil sie sowieso einen Großteil des Handels intern abwickeln. Sie fürchten aber den Niedergang des Schweizer Finanzplatzes.

Die dritte Gruppe, zu denen die Ostschweizer Bankiers zählen, denkt praktisch und verlangt niedrige Kosten und die Wahrung des Bankgeheimnisses – egal an welchem Handelsplatz. „Der SWX ist es bisher nicht gelungen, sich aus der Umklammerung durch die Eigner zu lösen“, sagt ein Branchenkenner.

Vor diesem Hintergrund soll jetzt das Gespann Francioni in Frankfurt und Hunziker in Zürich antreten. Zumindest der Schweizer Verwaltungsratspräsidentin dürfte die Macht fehlen, um einen Schritt vorwärts in Richtung einer Partnerschaft mit den Deutschen zu gelangen. Dabei sind beide Konzerne bereits durch die gemeinsam betriebene Derivatebörse Eurex eng miteinander verbunden.

Hunziker muss sich zunächst um das eigene Haus kümmern. Mehr als das, was der Genfer Privatbankier und SWX-Interimspräsident Jacques de Saussure auf verbindliche Art ankündigt, wird dabei nicht herauskommen: „Wir freuen uns“, sagt er, „auf die Zusammenarbeit mit Francioni in seiner neuen Funktion.“

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