„Kunden kauften auch“
Per Amazon-Algorithmus zum Bombenbauer

Amazon schlägt Kunden, die chemische Lebensmittelzusätze bestellen, weitere Zutaten vor, mit denen sie Schwarzpulver herstellen können. Einige Empfehlungen könnten zum Bombenbau verleiten, so ein britischer TV-Sender.
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London„Wird oft zusammen gekauft“ – vier Worte, die Amazon-Kunden bekannt sein dürften: Wann immer sich Nutzer für ein Produkt interessieren, werden ihnen durch den Algorithmus des Online-Versandhändlers Vorschläge gemacht, was sie noch kaufen könnten. Praktisch, falls sie noch nicht sicher sind, welches Produkt sie kaufen möchten oder gerne ähnliche Produkte kennenlernen möchten. Praktisch für Amazon, um zu mehr Bestellungen zu animieren. Und: Riskant, wenn es um Produkte geht, die in der Zusammenstellung hochgefährlich sein können, wie der britische Fernsehsender Channel 4 jetzt berichtet.

Durch Empfehlungen führt Amazons Algorithmus Nutzer zu einer Zusammenstellung von Chemikalien, die einzeln zwar nicht gefährlich sind, mit denen sich in Kombination aber unter anderem Brandsätze herstellen lassen. Wer chemische Zusätze für die Produktion von Lebensmitteln in den Warenkorb legt, bekommt weitere Zutaten vorgeschlagen, um explosives Schwarzpulver herzustellen. Wer Zutaten für Schwarzpulver ansieht, bekommt Stahlkugeln angezeigt. „Kunden, die diesen Artikel gekauft haben, kauften auch“ Fernzünder, Druckschalter, Batterie-Anschlüsse oder Zündschnur, mit der sich explosive Gegenstände und Pyrotechnik entzünden lassen, heißt es in dem Beitrag.

Bei den Recherchen war es den Journalisten von Channel 4 so möglich, einen Warenkorb mit bis zu 45 Kilogramm Zutaten für Schwarzpulver zu füllen. In Großbritannien sei es nicht verboten, diese Produkte einzeln zu kaufen oder verkaufen. Jedoch seien schon Menschen verklagt worden, die mehrere Chemikalien und elektronische Komponenten gekauft hätten, mit denen sich explosive Gegenstände produzieren lassen. Amazon sagt, dass alle angebotenen Produkte britische Gesetze erfüllten und auch die eigenen Verkaufsregeln.

Jon Stone, Korrespondent der britischen Zeitung Independent, twitterte die Pressemitteilung von Channel 4 zu dem Beitrag. Sein Tweet wurde über 1.400 Mal geteilt und sorgte für große Aufmerksamkeit.

Die Reaktionen in sozialen Netzwerken fallen durchaus gemischt aus: Auf der einen Seite wird die im Bericht zum Ausdruck gebrachte Sorge zwar verstanden, gerade nach dem Bombenanschlag in London vom vergangenen Freitag. Amazon sagte auf Anfrage von Channel 4, Polizei und Justiz bei möglichen Ermittlungen immer zu unterstützen.

Doch zum anderen dürften Bombenbauer sich nicht wirklich von Amazon inspirieren lassen, so der Tenor einiger Kommentare zu dem TV-Beitrag.

Nora Sonnabend
Nora Sonnabend
Handelsblatt / Social-Media-Redakteurin

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