Kunden laufen ihrem Geld nach: Europas größter Ebay-Powerseller ist zahlungsunfähig

Kunden laufen ihrem Geld nach
Europas größter Ebay-Powerseller ist zahlungsunfähig

Mit den Profiverkäufen der Qentis Holding GmbH bei Ebay ist Schluss. Seit Donnerstag ist ein Insolvenzverfahren anhängig, wie das Handelsgericht Wien gegenüber Handelsblatt.com bestätigte.

WIEN. Die österreichische Qentis Holding GmbH wurde 2002 gegründet und hat seitdem eine klare Erfolgsgeschichte verbucht. Das Unternehmen entwickelte sich bereits nach einem Jahr zum größten Ebay-Händler innerhalb Europas mit einem Umsatz von 3,6 Millionen Euro. Für Ebay Grund genug, mit Qentis als Vorzeigehändler zu werben und seinen Geschäftsführer Michael Marcovici zum Referenten an der Ebay University zu ernennen, wie das Nachrichtenportal Heise Online berichtet.

Doch Qentis engagierte sich nicht nur im Handel, sondern auch in der Produktion. Unter verschiedenen Eigenmarken ließ das Unternehmen in Fernost produzieren und deckte den hohen Kapitalbedarf für die Vorfinanzierung noch im Mai mit 500 000 Euro durch die Wiener Mezzanin Finanzierungs-GmbH. Damals hatte der bei Ebay vor allem unter dem Namen „tichnak“ bekannte Händler noch angegeben, über die gesamte Aufbauphase hinweg Gewinne geschrieben zu haben. Auch für 2005 hatte Qentis laut dem Bericht noch 200 000 Ebay-Transaktionen mit einem Gesamtumsatz von 21 Millionen Euro anvisiert. Die Internetseite www.tichnak.de gibt indessen Auskunft darüber, dass eine „geplatzte Finanzierung“ Ende des vergangenen Jahres für die jetzige Pleite verantwortlich sein soll. Die beiden Geschäftsführer und Mehrheitseigentümer der Qentis Holding GmbH, Michael Marcovici und Davies Guttmann, hatten überdies versucht, über eine Zweitfirma mit dem Namen Qentis Trading Services GmbH ab einer Summe von 50 000 Euro Kapital bei privaten Investoren aufzunehmen. Doch die Renditeversprechungen von 15 bis 20 Prozent sind offensichtlich bei den Investoren nicht gut genug angekommen.

Geschäftsführer Marcovici erklärte gegenüber Handelsblatt.com, Hauptgrund für die Insolvenz sei "eine geplatzte Übernahme bzw. Kapitalerhöhung durch einen neuen Gesellschafter und den damit verbundenen Finanzierungen durch die Mezzaninbank und weitere österreichische Banken". In diesem Zusammenhang seien am Dienstag auch Waren durch einen der Hauptlieferanten eingezogen worden, was den Unternehmensbetrieb unmöglich gemacht habe.

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