Kunden sind laut Umfrage kaum bereit, für Beratung tiefer in die Tasche zu greifen – Branche erwartet Konsolidierung
Billigkonkurrenz macht Apotheken Druck

Die „Geiz-ist-Geil“- Welle erreicht Deutschlands Apotheken. Während für viele Patienten die fachkundige Beratung an Bedeutung verliert, spielt der Verkaufspreis eine immer wichtigere Rolle. Das belegen jetzt gleich mehrere Verbraucherstudien.

DÜSSELDORF. Bei einer Umfrage der Münchener Kommunikationsagentur Serviceplan Vital gaben 44 Prozent aller Befragten an, der Preis der Medikamente sei „ein ganz wichtiges Kriterium“. Noch im Jahr zuvor hatten lediglich 39 Prozent dieser Aussage zugestimmt. Erklärten im vergangenen Jahr nur 28 Prozent, häufig zu preisgünstigen Präparate zu greifen, waren es 2004 bereits mehr als 46 Prozent. „Der Kunde verfällt in der Apotheke in den Habitus des normalen Shoppers“, sagt Serviceplan-Experte Florian Bernsdorf.

Trends wie diese alarmieren längst nicht mehr nur Pharmahersteller, die sich an den Preisen des Wettbewerbs orientieren. Nachdem der Europäische Gerichtshof vor knapp einem Jahr den Internethandel mit Arzneimitteln für rechtmäßig erklärte, geraten auch die Apotheken in den bislang ungewohnten Konflikt mit Billigkonkurrenten. Die Aufhebung der Preisbindung für verschreibungsfreie Arzneimittel im Januar 2004 tat ihr übriges. Seitdem herrscht bei den Discountapotheken im Netz Goldgräberstimmung.

Galt lange Zeit die vor vier Jahren im niederländischen Landgraaf gegründete Versandfirma Doc Morris als einer der wenigen Preisbrecher, wachsen die Internetanbieter seit Jahresbeginn wie Pilze nach dem Regen. Seit Januar beispielsweise tritt die Schweizer Apo AG vom niederländischen Venlo aus gegen Doc Morris an. Karstadt-Quelle tat mit der Wittenberger Robert-Koch- Apotheke zusammen, um Medizin online zu verkaufen. Seit Mai vertreibt das Dresdener Versandhaus für Gesundheit (VfG) Medikamente über die Centrum-Apotheke kurz hinter der tschechischen Grenze – und nutzt dabei die günstigeren Einkaufspreise des neuen EU-Mitgliedslandes. Selbst die Internet-Auktionsbörse Ebay bietet deutschen Verbrauchen inzwischen ein Sortiment verschreibungsfreier Arzneimittel.

Bei Deutschlands Kunden, das zeigt eine Befragung der Aachener Marktforschungsfirma Dialego im Auftrag des Handelsblatts, kommen solche Angebote an. Schon jetzt berichten fast 25 Prozent aller deutschen Internetnutzer, das Web für Medikamentenkäufe zu nutzen. Eine beachtliche Zahl von Kunden: Immerhin besitzen laut Statistischem Bundesamt derzeit 54 Prozent aller Deutschen über 16 Jahre einen Zugang zum Netz.

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