Kundenschwund
Luftfahrtbranche droht Absturz

Eigentlich dachte die Luftfahrtbranche, die größten Schwierigkeiten hinter sich zu haben, da kommt schon die nächsten Probleme auf sie zu. Nach den Geschäftsreisenden bleiben aus Furcht vor Arbeitslosigkeit nun auch die Urlauber aus. Und auch die Reiseveranstalter senden alarmierende Signale.

FRANKFURT/DÜSSELDORF. Die Luftfahrtbranche richtet sich auf einen neuerlichen Rückschlag ein. Sie befürchtet, dass die bislang noch recht ausgabefreudigen privaten Konsumenten künftig seltener in die Flieger steigen als bisher. Die gesamte Reisebranche beobachtet mit Schrecken, dass die in der Bevölkerung wachsende Furcht vor einem Arbeitsplatzverlust zu erheblichen Rückgängen bei den Buchungen von privaten Flug- und Urlaubsreisen führt.

„Nach dem Einbruch bei den Geschäftsreisenden zunächst der großen Konzerne und später dann der mittelständischen Unternehmen könnte eine dritte Welle auf uns zukommen: die Zurückhaltung der Privatreisenden“, sagte Thierry Antinori, der Marketing- und Vertriebsvorstand von Lufthansa Passage, dem Handelsblatt.

Die Sorgen der Airliner werden von den jüngsten Äußerungen der Reisebranche untermauert. So heißt es etwa im Umfeld der Tui-Zentrale, dass die Buchungssituation für den Winter „katastrophal“ sei. Der Ausblick auf das kommende Sommergeschäft sei völlig offen. „Die Reise-Zurückhaltung ist längst da“, bestätigt der Düsseldorfer Reisebüro-Inhaber Klaus Laepple, Doppel-Präsident des Deutschen Reiseverbands und des Bundesverbands der Tourismuswirtschaft: „Wir haben uns schon im letzten Sommer von Monat zu Monat mit Last-Minute-Angeboten durchgehangelt.“ Im jetzt endenden Touristikjahr 2008/09 seien nach einem Buchungsplus im Winter von noch knapp fünf Prozent in der Gesamtschau sechs Prozent weniger Reisen verkauft worden.

Der aufziehende Pessimismus der Privatreisenden kommt zu einer Zeit, in der die weltweite Luftfahrtindustrie wieder leichte Hoffnung auf ein Ende der Rückgänge verspürt. Zwar ist das Passagieraufkommen rund um den Globus nach Angaben des Weltluftfahrtverbands IATA im August noch einmal um 1,1 Prozent gesunken, das der Fracht sogar um 9,6 Prozent. Doch sind das deutlich geringere Rückgänge als noch im Monat zuvor. Buchen nun die Privathaushalte weniger Flüge, dürfte das Minus in den kommenden Monaten wieder größer werden.

In den Augen der Reise-Manager ist vor allem die Furcht vor Arbeitslosigkeit der wichtigste Grund für die Zurückhaltung. „Wir erwarten, dass die Arbeitslosigkeit in den meisten unserer Märkte weiter wächst“, warnte Manny Fontenia-Novoa, der Vorstandschef von Thomas Cook, vor wenigen Tagen. Ähnlich beurteilt Tui die Situation.

Noch hoffen beide auf Spätbucher, ein Trend, der sich in der Reisebranche über die letzten Monate massiv verstärkt hat. Dennoch stellen sich sowohl Tui als auch Cook mit Angebotskürzungen von zehn Prozent auf künftig magerere Zeiten ein.

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