Kunststoffbranche
Das lukrative Geschäft mit Plastik

Die Produzenten von Kunststoff gehen aus den Krisenjahren gestärkt hervor. Die Branche präsentiert sich auf der Düsseldorfer "K" – es geht ihr blendend. Kunststoffproduzenten verzeichnen im ersten Halbjahr Umsatzsteigerungen zwischen 40 und 50 Prozent.
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FRANKFURT. Alle drei Jahre treffen sich Hersteller und Verarbeiter von Kunststoffen auf der K, der größten und wichtigsten Messe für die Branche. Die Veranstalter, so scheint es, haben beim Terminplan ein feines Gespür für die Konjunktur: Im Herbst 2007, bei der letzten K, ging es der Branche blendend. Und wenn in wenigen Tagen die K 2010 startet, wird man in den Düsseldorfer Messehallen fast ebenso zufriedene Mienen antreffen.

Dazwischen aber erlebte die Kunststoffbranche die heftigste Rezession seit mehr als vier Jahrzehnten: Die Konjunkturkrise ab Herbst 2008 bescherte ihr einen beispiellosen Einbruch, gefolgt von einem fast ebenso steilen Aufschwung. Erstmals seit Anfang der 50-er Jahre musste die Branche 2009 einen spürbaren Produktions- und Absatzrückgang verkraften. Die Kunststoffproduktion schrumpfte nach Daten des Branchenverbands Plastics Europe weltweit um sieben Prozent auf 230 Millionen Tonnen.

Führende Kunststoffhersteller wiesen für 2009 Umsatzrückgänge zwischen 20 und zum Teil über 40 Prozent aus. Vor allem im Schlussquartal 2008 und im ersten Quartal 2009 schrieb die Branche auf breiter Front rote Zahlen. Im Schnitt dürften die Gewinne 2009 um zwei Drittel eingebrochen sein. Nur ein Jahr später sieht die Welt bei weitem freundlicher aus. Denn fast ebenso heftig wie das Geschäft vor zwei Jahren eingebrochen ist, hat es sich wieder erholt. Mehrfach mussten Branchenverbände und Unternehmen Prognosen für 2010 nach oben korrigieren.

Wichtige europäische Kunststoffproduzenten wie BASF, Bayer, Solvay oder der Kautschukhersteller Lanxess berichteten für ihre Kunststoff-Sparten im ersten Halbjahr Umsatzsteigerungen zwischen 40 und 50 Prozent. Auch für den Rest des Jahres sieht es gut aus. Der saudische Chemieriese Sabic etwa, einer der führenden Produzenten von Standardkunststoffen, meldete für das dritte Quartal ein operatives Ertragsplus von 41 Prozent und für die ersten neun Monate eine Steigerung um rund 150 Prozent. Ähnliche Fortschritte dürften in den nächsten Wochen eine Reihe anderer Unternehmen berichten.

Die Konjunkturkrise hat den Langfristtrend im Kunststoffgeschäft also nicht außer Kraft gesetzt. Bereits seit den 50-er Jahren wächst die Branche schneller als die Weltwirtschaft. Die globale Produktion ist laut Europe Plastics in den fünf Jahrzehnten um durchschnittlich neun Prozent pro Jahr expandiert. Zum Weltumsatz der Chemieindustrie von etwa zwei Billionen Dollar tragen Kunststoffe heute mehr als ein Drittel bei.

Auch für die nächsten Jahre zeichnet sich ab, dass die globale Kunststoffproduktion stärker zulegt als das Weltsozialprodukt. Plastics Europe rechnet mit etwa vier Prozent Wachstum, manche Industrie-Manager sogar eher mit fünf Prozent. Ein wesentlicher Faktor hinter den Prognosen ist der Nachholbedarf in den Schwellenmärkten, wo der Kunststoff-Verbrauch pro Kopf heute noch weit unter den Werten der hoch entwickelten Industriestaaten liegt. Zum anderen dürfte auf den westlichen Märkten der Druck in Richtung höhere Energieeffizienz die Nachfrage nach Kunststoffen antreiben, etwa im Bereich der Dämmstoffe für Gebäude.

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