Kurseinbruch nach Chef-Rücktritt
Steinhoff warnt vor Handel mit eigenen Aktien

Neue Schwierigkeiten für den Möbelriesen Steinhoff: Konzernchef Marcus Jooste muss seinen Posten nach erneuten Unregelmäßigkeiten räumen. Die Präsentation der Bilanz wird verschoben – die Aktie geht in den freien Fall.
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DüsseldorfDer deutsch-südafrikanische Einzelhandelsriese und Poco-Mutterkonzern Steinhoff gerät immer tiefer in den Strudel mutmaßlicher Bilanzfälschungen. Der seit zwei Jahrzehnten amtierende Konzernchef Markus Jooste und Finanzvorstand Ben La Grange traten zurück. Auch der Chef der Afrika-Tochter Star nimmt seinen Hut. Die Vorlage der Bilanz werde verschoben, und sie werde erst veröffentlicht, wenn dies möglich sei. Die Börsenaufsicht in Südafrika prüft mögliche Fälle von Insiderhandel mit Steinhoff-Papieren.

Aufsichtsratschef Christo Wiese soll den Konzern nun übergangsweise führen. Als Grund nannte die Gesellschaft neue Informationen über finanzielle Unregelmäßigkeiten. Möglicherweise müssten auch die Zahlen von früheren Jahren geändert werden. Die Prüfgesellschaft PwC soll nun zusätzlich zu den regulären Wirtschaftsprüfern eine unabhängige Untersuchung durchführen.

Die geprüften Zahlen für das Ende September abgelaufene Geschäftsjahr will das Unternehmen nun erst veröffentlichen, sobald es dazu in der Lage ist, wie es hieß. Eigentlich war die Zahlenvorlage für Mittwochmorgen vorgesehen.

Die neuen Negativ-Schlagzeilen sorgten bei den im MDax notierten Steinhoff-Aktien für den größten Kursrutsch in der Firmengeschichte: Die Titel brachen um mehr als 70 Prozent auf ein Rekordtief bei 0,85 Euro ein. Dabei wechselten bis zum Mittag bereits fast zehn Mal so viele Steinhoff-Papiere den Besitzer wie an einem gesamten Durchschnittstag. Sie war erneut die meistgehandelte Aktie in Deutschland. „Aktionären und andere Steinhoff-Investoren sei geraten, vorsichtig beim Handel mit Steinhoff-Aktien zu sein“, heißt es in einer Presseerklärung.

Markus Jooste, der an der Universität im südafrikanischen Stellenbosch Rechnungslegung studiert hat, galt als Chefdenker in dem rasch gewachsenen Konzern. „Wir sind Investoren, keine Firmenlenker“, hatte er dem Handelsblatt im November gesagt. „Wir pflanzen jetzt Bäume und ernten in 30 Jahren.“ Damit meinte er die immer neuen Zukäufe, die Steinhoff in den vergangenen zehn Jahren tätigte.

In Johannesburg sackten die Papiere mit 17,56 Rand um 60 Prozent auf den niedrigsten Stand seit sieben Jahren. „Was für ein Chaos“, titelten die Analysten von Kepler Cheuvreux in einem Kurzkommentar. „Das Vertrauen zwischen Christo Wiese und Jooste ist hin“, kommentierte ein südafrikanischer Analyst gegenüber Bloomberg.

Der 76-jährige Christo Wiese hatte seine südafrikanische Textilkette Pepkor an Steinhoff verkauft und war 2014 zum größten Aktionär des Konzerns geworden. Er ist mit einem Privatvermögen von 4,3 Milliarden Dollar einer der reichsten Männer Südafrikas.

Steinhoff ist ein Konzern mit Rechtssitz in Amsterdam und einem operativen Hauptquartier in Südafrika. Mit einem Umsatz von rund 20 Milliarden Euro zählt das Unternehmen weltweit als Nummer zwei hinter dem Möbelkonzern Ikea. Große Möbelketten wie Poco, die österreichischen Ketten Kika/Leiner und vor allem der französische Möbelkonzern Conforama zählen zum Steinhoff-Reich. Die Zahl der Mitarbeiter wurde zuletzt mit rund 106.000 beziffert.

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Undurchsichtiges Firmengeflecht

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  • „Wir sind Investoren, keine Firmenlenker“, hatte er (Ex-Konzernchef Markus Jooste) dem Handelsblatt im November gesagt. „Wir pflanzen jetzt Bäume und ernten in 30 Jahren.““

    Da hat der wohl was ganz falsch verstanden. Ein Unternehmen ist kein Baum, der einfach von alleine wächst. Ohne gute Führung, sprich: motivierte Mitarbeiter, geht gar nichts.

    „Als Grund nannte die Gesellschaft neue Informationen über finanzielle Unregelmäßigkeiten. Möglicherweise müssten auch die Zahlen von früheren Jahren geändert werden. Die Prüfgesellschaft PwC soll nun zusätzlich zu den regulären Wirtschaftsprüfern eine unabhängige Untersuchung durchführen.“

    Sind Wirtschaftsprüfer nicht exakt dazu da, solche Bilanzfälschungen rechtzeitig (dies zu „Nun haben seine Wirtschaftsprüfer offenbar doch Bedenken“) aufzudecken - oder am besten ganz zu verhindern? Ich hab‘ zwar wenig Ahnung von der Arbeitsmethodik in der Branche, aber werden da keine Plausibilitätskontrollen durchgeführt?

    „Das undurchsichtige Firmengeflecht des Steinhoff-Konzerns mit Dutzenden Investmentfirmen und Zwischengesellschaften und dem Briefkastensitz Amsterdam (…)“

    Na ja, da kann man schon mal den Überblick verlieren, nicht wahr?

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