Ladenschluss
Einkauf jetzt auch um halb drei

Die ersten Kaufhäuser in Berlin haben das Ende der verbindlichen Laden-Öffnungszeiten genutzt und die ganze Nacht geöffnet. Party-Stimmung war zum Beispiel im Kulturkaufhaus Dussmann angesagt.

HB BERLIN. Die Sektgläser klirren, die Band jazzt vor sich hin und es ist rappelvoll: Das ist Party in Berlin und dazu die erste „Ladenschluss-Killer-Party“ Deutschlands. Als erstes Bundesland hat Berlin nach der Föderalismusreform die Öffnungszeiten liberalisiert. Das Kulturkaufhaus an der Friedrichstraße kostet die neue Freiheit direkt am ersten Abend voll aus: Das Bücher- und CD-Geschäft hat seine vier Etagen die ganze Nacht geöffnet. Das soll künftig immer so sein, von Freitag auf Samstag. Bleibt nur noch die Frage: Wer kauft Bücher nachts um halb vier?

Das Kulturkaufhaus ist noch ein einsamer Vorreiter in der neuen Einkaufsfreiheit. Die großen Warenhäuser der Hauptstadt wollen erst Anfang Dezember mit neuen Öffnungszeiten nachziehen, vielleicht bis Mitternacht, wenn das Wochenende naht. Noch laufen die Verhandlungen mit den Betriebsräten. Doch das Adventsgeschäft lockt. Nach Berlin will auch Nordrhein-Westfalen am kommenden Dienstag mit gelockerten Öffnungszeiten ins Rennen gehen.

Peter Dussmann genießt den Erfolg. Seit Jahren kämpft der Geschäftsmann für eine Liberalisierung der Ladenöffnungszeiten. Seit 1998 konnten Kunden in seinem Kaufhaus bis 22 Uhr Bücher und CDs kaufen. Jetzt hatte das Kaufhaus in der Friedrichstraße in der Nacht zum Samstag rund um die Uhr geöffnet. Künftig soll Shopping bei Dussmann von Montag bis Samstag bis 24 Uhr möglich sein.

„Wir machen bereits 25 bis 30 Prozent unseres Tagesumsatzes in den Stunden nach 19 Uhr“, sagt Dussmann. Er ist sich sicher, dass seine Kunden die Öffnungszeiten bis Mitternacht annehmen werden. „Abends haben die Menschen Zeit, um in Ruhe ein Buch zu kaufen“, erklärt er seinen Wunsch nach langen Öffnungszeiten. Ursprünglich sollte der Ladenschluss in Berlin erst zum 1. Dezember fallen, doch Dussmann kündigte an, sein Kulturkaufhaus schon vorher länger geöffnet zu halten. Senat und Abgeordnetenhaus kamen ihm entgegen: Das neue Gesetz trat bereits am vergangenen Donnerstag in Kraft, also eine Woche früher als geplant.

Wenn es nach Dussmann ginge, würde er seinen Laden auch an allen Sonntagen öffnen. Doch das ist auch in der Hauptstadt künftig nur an zehn Sonntagen im Jahr erlaubt. „Der Kampf geht weiter“, sagt Dussmann entschlossen. „Jetzt geht es um die Sonntage. Die müssen auch noch weg.“ Von der evangelischen Kirche, der Gewerkschaft ver.di und der Linkspartei kam indes Kritik an der neuen Einkaufsfreiheit. Ver.di will wegen zusätzlicher Belastungen für die Beschäftigten eine Verfassungsklage prüfen. Die Kirche fürchtet um den Schutz der Sonn- und Feiertage.

Seite 1:

Einkauf jetzt auch um halb drei

Seite 2:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%