Länder entscheiden
Für Schlecker beginnen die Tage der Wahrheit

Heute fällt die Vorentscheidung: Bürgen die Länder für eine Transfergesellschaft für gekündigte Schlecker-Mitarbeiter? Bisher halten die FDP-Minister dagegen.
  • 6

EhingenDer Ausgang der Zitterpartie über eine Schlecker-Transfergesellschaft ist weiter offen. Mehrere Bundesländer wollen heute entscheiden, ob sie sich an einer Bürgschaft zur Absicherung einer Auffanglösung für die 11.000 vor der Entlassung stehenden Schlecker-Beschäftigten beteiligen. Ihnen liegt ein Gutachten der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PriceWaterhouseCoopers (PwC) vor, das die Aussichten für die insolvente Drogeriekette skeptisch sieht.
Niedersachsens Wirtschaftsminister Jörg Bode (FDP) hatte am Montag angesichts der Gutachter-Ergebnisse gefordert, alle bisherigen Überlegungen zur Zukunft Schleckers erneut auf den Prüfstand
zu stellen. Denn Voraussetzung für die Vergabe der Bürgschaft ist es, dass Schlecker nach einer Sanierung in der Lage sein wird, die Kredite für die Transfergesellschaft zurückzuzahlen.

Das von Baden-Württemberg in Auftrag gegebene Gutachten kommt zum Ergebnis, dass eine Rückzahlung der Kredite über Erträge aus dem laufenden Schlecker-Geschäft „mit hohen Unsicherheiten
verbunden“ sei. Eine Rückzahlung könnte dann gelingen, wenn Schlecker seine Gesellschaften in Spanien und Frankreich verkaufe.

Die endgültige Entscheidung über die Gründung der Transfergesellschaft fällt aber erst am Mittwoch. Dann will die grün-rote Regierung in Baden-Württemberg beschließen, ob sie mit einer Bürgschaft
von rund 70 Millionen Euro in Vorleistung geht und damit den Weg für die Transfergesellschaft ebnet, die über sechs Monate die betroffenen Schlecker-Mitarbeiter auffangen soll. Nach Ansicht Bodes
lässt das Gutachten den Schluss zu, dass gegebenenfalls auch ein um die Hälfte reduziertes Darlehen ausreichen könnte, um eine Finanzierung der seit Wochen diskutierten Transfergesellschaften
sicherzustellen.

Die Zeit drängt: Sollten die Gespräche bis Mittwoch nicht abgeschlossen sein, sollen noch an diesem Tag die Kündigungen an die rund 11.000 betroffenen Mitarbeiter von Schlecker verschickt werden. Sie wären dann ab der kommenden Woche arbeitslos.

Kommentare zu " Länder entscheiden: Für Schlecker beginnen die Tage der Wahrheit"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

  • Zu Zeiten der 1. Finanzkrise wurden vor allem die Autobauer Opel Werk Bochum durch die Politik bzw. mit Steuergeld gerettet, obwohl damals schon klar war, dass langfristig keine Perspektive für das Werk besteht. Heute bewahrheitet sich das und lässt den Schluss zu, dass es nicht richtig ist, Schlecker zu stützen. Weder wirtschaftlich noch moralisch ist das vertretbar. Den Mitarbeitern wird mit einer Transfergesellschaft nicht wirklich geholfen. Soweit ich informiert bin, sind vor allem die Schlecker Mitarbeiter schlechter qualifiziert als die anderer Einzelhändler. Wenn also überhaupt Steuergeld ausgegeben wird, dann bitte um die MitarbeiterInnen zu qualifizieren Umschulung etc. Bei Schlecker selbst sollt die Beschlagnahme möglichst schnell auf das Privatvermögen ausgedehnt werden, damit das nicht im Ausland landet und endlich mal so ein Ausbeuter bluten muss.

  • Was gibt es da zu diskutieren?
    Auch wenn es sich für die betroffenen Mitarbeiter schlecht anhört und die Arbeitslosikeit droht.
    Ständig wird nach dem mündigen Verbraucher gerufen.
    Gerade die Insolvenz von Schlecker stellt ein besonders gelungenes Beispiel über Fehlbarkeit und Ignoranz eines Unternehmenslenkers und die Macht der Verbraucher dar. Der Verbaucher hat ganz gezielt und bewußt vermieden die verfehlte Strategie von Schlecker zu fördern. Der Verbraucher lehnte es ab in unübersichtlichen, überfrachteten, überteuerten kleinen Läden mit einer menschenverachtenden Personalpolitik einzukaufen. Und dies völlig zurecht.
    Es wird deshalb in den Dingen des persönlichen Lebens nicht weniger eingekauft, sondern es ist einfach zu hoffen dass die überlebenden Unternehmen etwas verantwortlicher und zukunftsorientierter mit Personal und Kunde umgehen.
    Der Staat soll sich einfach raushalten. Fiat und Opel Fabriken werden die nächsten sein. Jährlich 1 Mio. zuviel gebaute Autos in Europa werden zwangsläufig zu Werkschließungen führen. Besser es überleben die Top Marken anstatt mit falschen Subventionen die Rohrkrepierer durchzufüttern und den guten Marken die Märkte zu zerstören.
    Die Zeiten immer höher immer schneller in Europa sind vorbei. Zukünftig werden nur noch Unternehmen leben können welche es verstehen mit der "Zeit zu gehen" oder eben mit der zeit zu gehen. Wer sich am Markt nicht Kundenorientiert aufstellt hat trotz Subventionen keine Überlebenschance.

  • Die Kunden haben mit den Füssen abgestimmt:
    Weg mit Schlecker, so schnell wie möglich!
    Wer noch bei Schlecker gearbeitet hat ist eine Komplizin dieses Mobbingunternehmens und auch nicht besser als die Schleckerfamilie. Also, Mitleid Herr BW-SPD-Finanzminister Schmid können Sie sich sparen.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%