Längjähriger Karstadt-Chef Walter Deuss glaubt nicht für Lage verantwortlich zu sein
Karstadt-Betriebsrat greift den Bundeskanzler an

Der Karstadt-Betriebsrat Wolfgang Pokriefke will keine Hilfe von der Politik. Bundeskanzler Schröder sollte sich lieber an die eigene Nase fassen und seine Fehler korrigieren. Auch für Wirtschaftsminister Wolfgang Clement hagelte es Kritik.

HB ESSEN. Karstadt-Betriebsratschef Wolfgang Pokriefke hat sich gegen ein Eingreifen der Politik bei der bevorstehenden Sanierung des angeschlagenen Warenhauskonzerns ausgesprochen. „Wir sind kein Holzmann-Fall und brauchen keine Begleitung durch die Bundesregierung“, sagte er. Zu der Kritik von Bundeskanzler Gerhard Schröder (SPD) am Karstadt-Management meinte Pokriefke: „Der Herr Bundeskanzler sollte sich lieber an die eigene Nase fassen und seine Fehler korrigieren“.

Der Vorsitzende des Gesamtbetriebsrats der Karstadt Warenhaus AG, der auch im Aufsichtsrat des Unternehmens sitzt, forderte statt einer „direkten Einmischung der Politik“ einen Umschwung bei der Praxis der Ausweisung von immer neuen Gewerbeflächen auf der grünen Wiese. „Es muss darum gehen, die Innenstädte als Standorte für Warenhäuser wieder attraktiver zu machen“, sagte Pokriefke. „Die Menschen wollen Karstadt“, meinte er. Der Betriebsrat wehrt sich dagegen, 77 kleinere Warenhaus-Filialen auszugliedern und zu verkaufen. Der „Bild“-Zeitung sagte er: „Wir werden innerhalb eines Jahres beweisen, dass die Filialen auf jeden Fall schwarze Zahlen schreiben können.“

Über eine Strategie für die bevorstehenden Gespräche mit dem Karstadt-Vorstand werde die Tarifkommission zusammen mit der Gewerkschaft ver.di am kommenden Montag in Kassel beraten, kündigte Pokriefke an. Das Zusammentreffen mit den Karstadt-Verantwortlichen sei für den nächsten Tag in Frankfurt vorgesehen. Ziel sei es, noch in diesem Monat zu einem Ergebnis zu kommen.

Das deutsche Handwerk hat in scharfer Form gegen Hilfsangebote der rot-grünen Bundesregierung an den angeschlagenen Warenhauskonzern protestiert. Handwerkspräsident Dieter Philipp sagte der „Berliner Zeitung“: „Das Handwerk nimmt mit Empörung zur Kenntnis, welchen Stellenwert die Bundesregierung der angeschlagenen Aktiengesellschaft KarstadtQuelle gibt.“

Ausdrücklich bezog Philipp seine Kritik auf die Ankündigung von Wirtschaftsminister Wolfgang Clement (SPD), wonach die Regierung den Mitarbeitern des Warenhauskonzerns mit allen verfügbaren Instrumenten zur Seite stehe. Der Vorsitzende der Mittelstands-Union, Hans Michelbach, meinte: „Bei den großen Firmen kommt der Kanzler, bei den kleinen Firmen der Gerichtsvollzieher.“

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