Lage im Güterverkehr spitzt sich zu
GDL droht mit Dauerstreik

Der Tarifkonflikt zwischen Deutscher Bahn und der Gewerkschaft der Lokomotivführer (GDL) spitzt sich zu. Während die GDL gestern mit massiven Streiks weite Teile des Schienenverkehrs lahmlegte, erhob die Bahn eine Millionenklage gegen die Gewerkschaft.

ek/str BERLIN/DÜSSELDORF. Zugleich stützte der Bahn-Aufsichtsrat den Kurs von Vorstandschef Hartmut Mehdorn und erteilte einem eigenen Tarifvertrag für die GDL eine Absage. Teile der Wirtschaft bekamen die Auswirkungen der Streiks deutlich zu spüren. Der Aufsichtsrat erklärte nach einer Sondersitzung, man stehe hinter der Position des Bahn-Vorstands, nicht auf die Forderung der GDL nach Auflösung der Tarifeinheit einzugehen, „auch wenn diese unentwegt weiterstreiken sollte“. Aus Aufsichtsratskreisen hieß es außerdem, Überlegungen aus der Politik, die Lokführer in eine eigene Servicegesellschaft auszugliedern, seien vom Tisch. Dieses Modell war auch von der GDL befürwortet worden, weil sie sich außerhalb des Tarifgefüges des Konzerns eigene, höhere Lohnabschlüsse versprochen hatte.

Seit Donnerstagmorgen um zwei Uhr bestreikt die GDL erstmals zeitgleich den Güterverkehr, den Personenfern- und den Nahverkehr. In den letzten Wochen ist erstmals allein der Güterverkehr bestreikt worden, nachdem zuvor ausschließlich der Nah- und der Regionalverkehr betroffen waren. An dem Arbeitskampf beteiligten sich gestern nach Angaben der GDL bundesweit 3 070 Lokführer. Der Streik soll am Samstagmorgen um zwei Uhr enden.

Die GDL fordert für ihre Mitglieder einen eigenständigen Tarifvertrag und Gehaltserhöhungen bis zu 31 Prozent. Hinsichtlich der Gehaltsforderung hatte die Gewerkschaft zuletzt immer wieder Kompromissbereitschaft signalisiert. Die Forderung nach einem eigenen Tarifvertrag ist dagegen aus GDL-Sicht nicht verhandelbar. Der Bahn-Vorstand lehnt die Forderung rigoros ab.

Experte: Lokführer-Streikkasse reicht bis Februar

Die Streikkasse der GDL reicht offenbar bis Februar. Realistisch sei eine Summe von 15 Mill. Euro, sagte Hagen Lesch vom Institut der deutschen Wirtschaft der „Bild“-Zeitung. „Treten pro Tag rund 3 000 Lokführer in den Ausstand, reicht die Streikkasse theoretisch zwölf Wochen.

Die Fronten verhärteten sich gestern weiter. Die Bahn verlangt von der GDL Schadensersatz in Höhe von fünf Mill. Euro. Der Ausgleich wird für den Lokführerstreik am 10. Juli gefordert. Dieser Ausstand war von den Arbeitsgerichten in Mainz und Düsseldorf für rechtswidrig erklärt worden, weil wegen noch nicht gekündigter Tarifbestandteile für die Gewerkschaft Friedenspflicht bestanden hätte. Der Bahn-Vorstand gab sich kämpferisch. „Wir können diesen Druck lange durchhalten“, sagte Personenverkehrs-Vorstand Karl-Friedrich Rausch. „Wenn die GDL glaubt, dass sie uns zur bedingungslosen Kapitulation zwingen könnte, dann wird das nicht gelingen.“ GDL-Vize Claus Weselsky sagte, die Streiks liefen hervorragend. Er schloss unbefristete Streiks nicht aus, sollte die Bahn bis Montag kein verbessertes Angebot vorlegen.

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