Landwirte klagen
„Die Preissituation ist desaströs“

Die Lage für Landwirte ist angespannt: Sie klagen über den trockenen Sommer, den Mindestlohn und niedrige Preise. Beim EU-Sondertreffen der Agrarminister müsse es Hilfe geben, fordert der Bauerpräsident.
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BerlinDer trockene Sommer, der Mindestlohn und der Preisverfall setzen die deutschen Bauern unter Druck. „Die Lage ist mehr als angespannt“, sagte Bauernpräsident Joachim Rukwied am Dienstag in Berlin. Die Getreideernte sei im Vergleich zum Rekordjahr 2014 wegen der Trockenheit um rund elf Prozent eingebrochen. Während sich Verbraucher nach einem bereits deutlichen Rückgang über weiter stabile Preise freuen können, schlägt Rukwied Alarm: Durch den russischen Import-Stopp als Reaktion auf westliche Sanktionen müssten die Produkte jetzt hierzulande verkauft werden und drückten Preise auch für Obst, Fleisch und Gemüse. Die gute Vorjahresernte erhöhe das Angebot zusätzlich. Beim EU-Sondertreffen der Agrarminister im September müsse es daher Hilfe geben, forderte Rukwied. Er schlug die Stundung von Steuerschulden und staatliche Bürgschaften für Kredite vor.

Die Preiseinbrüche im Vergleich zum Vorjahr hätten die Landwirte bis zu einem Drittel ihres Einkommens gekostet. Höhere Lohnkosten, höhere Kosten für Bewässerung und geringere Ernten führten nun zu einer angespannten Lage, die nicht über höhere Erlöse abgefangen werden könne. „Die Preissituation ist desaströs“, sagte Rukwied. Er verwies auch auf den Mindestlohn, der gerade Obst- und Gemüsebauern treffe, die auf Erntehelfer angewiesen seien.

Rukwied setzt daher auf EU-Beschlüsse: „Wir haben das Sicherheitsnetz für die Agrarmärkte tiefer gehängt, aber jetzt ist der Zeitpunkt gekommen, wo es greifen muss“, forderte er. Mit einem schnellen Ende des russischen Import-Stopps im Zuge der Ukraine-Krise rechnet nicht. Er schlug unter anderem eine staatlich geförderte Export-Offensive vor. Zudem könne es Hilfen wie etwa Zuschüsse zur Unfallversicherung geben. Russland ist neben der Schweiz und den USA der wichtigste Exportmarkt für deutsche Agrarprodukte außerhalb der EU. Allerdings bleiben 85 Prozent im Inland oder EU-Staaten..Schon kleinste Unterschiede in der Bodengüte und der Wasserversorgung machten sich deutlich in den Erträgen bemerkbar, erklärte Rukwied. Im äußersten Süden Baden-Württembergs und Bayerns sowie in Schleswig-Holstein hätten die Bauern „eine ordentliche Ernte einfahren können“, sagte Rukwied. Im übrigen Land sei die Ernte wegen der starken Trockenheit „deutlich unterdurchschnittlich“ ausgefallen. In manchen Regionen Deutschlands müssten die Landwirte „40 bis 50 Prozent Einbußen hinnehmen“. Immerhin könnten sich die Getreidebauern über eine sehr gut Qualität freuen, räumte der Bauernpräsident ein.

Die Trockenheit im Frühjahr hinterließ laut Rukwied vor allem beim Winterweizen Spuren, aber auch beim Roggen und bei der Sommergeste: Der Winterweizen liegt mit durchschnittlich 7,6 Tonnen pro Hektar zwölf Prozent unter dem Vorjahr, Wintergerste mit 7,3 Tonnen pro Hektar knapp sechs Prozent unter dem Vorjahr. Der Anbau der Sommergerste erhöhte sich zwar um mehr als sieben Prozent, die Erntemenge liegt aber fast fünf Prozent unter dem Vorjahresergebnis. Auch die Roggenernte schrumpfte um 15 Prozent.

Unter der anhaltenden August-Trockenheit leiden laut DBV nun Mais und Zuckerrüben. Hier sowie beim Grünland und beim Futteranbau gebe es schon "irreparable Schäden". Die Versorgung von Kühen und Rindern bereite den betroffenen Tierhaltern "große Sorge", sie müssten wegen regelrecht verbrannter Weiden und fehlendem Graswuchs Futter dazukaufen und zu früh an ihre Wintervorräte gehen.

Bei der Apfelernte erwarten die Bauern demnach ein Minus von 21 Prozent, auch die Kirschernte sei im Schnitt um fünf Prozent niedriger ausgefallen. Hingegen werde die Birnenernte um zwei Prozent höher ausfallen als 2014.

Auch die Kartoffelernte werde wegen der Hitze und Trockenheit geringer ausfallen als im Vorjahr, obwohl die Äcker vielfach beregnet worden seien, teilte der Bauernverband weiter mit. Nach den sehr niedrigen Preisen wegen der Rekordernte 2014 habe der Preis für Frühkartoffeln in der nun abgelaufenen Saison deutlich höher gelegen.

Agentur
Reuters 
Thomson Reuters Deutschland GmbH / Nachrichtenagentur
Agentur
afp 
AFP news agency (Agence France-Presse) / Nachrichtenagentur

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