Langfinger-Studie
Diebe machen im Einzelhandel fette Beute

Ladendiebe, unehrliche Mitarbeiter, kleptomanische Lieferanten: In Deutschland wird geklaut. Dem Handel geht jährlich Ware für fast vier Milliarden Euro verloren. In Drogerien ist ein Produkt besonders begehrt.
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DüsseldorfHier einen Lippenstift in der Handtasche versenkt, da ein paar Rasierklingen in den Schirm rutschen lassen und noch Batterien im Kinderwagen versteckt: Im deutschen Einzelhandel sind im vergangenen Jahr Waren im Wert von 3,9 Milliarden Euro verschwunden – über 1 Prozent des Gesamtumsatzes.

Rechnet man noch die Kosten dazu, die durch teure High-Tech-Überwachung und Detektive dazu kommen, entgehen dem Handel rund 1,3 Prozent seines Umsatzes. In Summe also jährlich rund 5,2 Milliarden Euro. Das ist das Ergebnis einer am Mittwoch veröffentlichten Studie des Handelsforschungsinstituts EHI in Köln. Für die Studie wurden 104 Unternehmen mit insgesamt fast 18.000 Verkaufsstellen befragt, die einen Gesamtumsatz von gut 69 Milliarden Euro erwirtschaftet haben.

Immerhin wurde im Jahresvergleich 2013 nicht mehr geklaut als 2012; die Differenzen (zu Einkaufspreisen bewertet) sind aber mit 0,64 Prozent vom Nettoumsatz „unverändert hoch geblieben“, wie das EHI betont. Am heftigsten trifft es Drogeriemärkte, die mit viel kleinteiliger Kosmetik, Parfums, Batterien und CDs im Regal ein traditionell diebstahlanfälliges Sortiment haben. Ihnen gehen durch Langfinger rund 0,78 Prozent des Nettoumsatzes verloren. Beliebte Beute sind elektrische Zahnbürsten und die dazugehörigen Aufsätze, heißt es auf Nachfrage bei der Drogerie Rossmann.

Aber auch im Lebensmittel- und Textilhandel wandern hochwertige Spirituosen, Delikatessen oder Dessous unbezahlt an der Ladenkasse vorbei: Der Warenschwund liegt hier bei 0,59 Prozent. Nicht wirklich besser ergeht es der Baumarkt-Branche, die im vergangen Jahr mit 0,57 Prozent leicht erhöhte Differenzen registriert hat. Nur im Möbelhaus will keiner so richtig klauen; hier liegen die Differenzen nur bei 0,32 Prozent des Nettoumsatzes. Wer schleppt schon einen Einbauschrank oder eine Couch unbemerkt am Kassierer vorbei.

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  • In ein paar Jahren wird jeder größere Laden ein Hochsicherheitsbereich sein mit der Zukunftstechnologie RFID, das sind hauchdünne und biegsame Funkchips die jedem Artikel direkt nach der Produktion auf die Verpackung geschweißt oder geklebt werden, mit allen relevanten Daten des Produktes. Das heißt jedes Produkt wird im Kassenbereich automatisch per Funk gescannt und löst einen Rechnungs- und Bezahlvorgang im Bereich von ca. drei Metern aus. Verlässt ein Produkt unbezahlt den Verkaufsraum kommt es zu einem Alarm und Türen könnten sich automatisch verschießen bzw. sich nicht mehr öffnen lassen bis ein Code diesen Zustand wieder aufhebt. An den Hintertüren des Verkaufsraum sind natürlich ebenfalls Sensoren die jedes unautorisierte Verbringen von Artikeln durch das Personal registrieren. Im Bereich für die Lieferanten und an jeder Personalaußentür natürlich ebenfalls. Gescannt und automatisch bezahlt wird direkt elektronisch in dem man im ehemaligen Kassenbereich langsam mit dem Einkaufswagen vorbeifährt und am Schluss nur mit einem Stck. Hardware (Karte, Smartphone etc.) und einer PIN oder Passwort bestätigt. Mindestens eine Kasse mit Bargeld wird es aber auch weiterhin geben.
    Klauen so gut wie unmöglich, es sei denn man findet eine Möglichkeit den Funkchip zu isolieren bzw. seiner Funktion zu berauben. - Das mitführen einer mobilen Mikrowelle wäre vielleicht eine Idee, für Kunden allerdings nicht praktikabel. Die Diebe müssen sich dann was einfallen lassen oder es sein Lassen.

  • Danke für den Tipp!

  • Meine Schwester arbeitet bei Apollo und regt sich immer darüber auf, das sie von der Geschäftführung verpflichtet wird, die Sonnenbrillen so an den Eingang zu stellen, das jeder der möchte - die einfach mitnehmen kann.
    Gleichtzeitig fehlt natürlich das Personal, die zu bewachen.

    So kann man natürlich auch Umsatz generieren...

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