Langfristig möglicher Marktführer
Rewe peilt eigene Apotheken an

Deutschlands Apothekern droht noch in diesem Jahr ein gewaltiger Konkurrenzdruck durch neue Ketten. Nach den Drogeriemarktbetreibern Schlecker, dm und Rossmann rüstet sich jetzt auch der Kölner Lebensmittelhändler Rewe, um in den Verkauf von Medikamenten einzusteigen.

KÖLN. „Wir stehen mitten in den Startlöchern“, sagte Konzernvorstand Josef Sanktjohanser dem Handelsblatt. Die Rewe Group verfügt mit 42 Mrd. Euro Umsatz und 260 000 Mitarbeitern weltweit und 3 000 Supermärkten allein in Deutschland über genügend Finanz- und Vertriebskraft, um das bisher von 21 000 selbstständigen Apotheken dominierte Geschäft vollkommen aufzurollen.

Durch die jüngste Übernahme der Extra-Märkte von der Metro vergrößert sich das Verkaufsstellennetz der Gruppe um zehn Prozent. Rewe könnte sich langfristig zum Marktführer im 23 Mrd. Euro schweren Einzelhandel mit Medikamenten aufschwingen, wenn die Gruppe tatsächlich mit voller Kraft in das Geschäft einsteigt.

Die Kölner Rewe-Zentrale prüft gegenwärtig mehrere Optionen für das Apothekengeschäft. Am wahrscheinlichsten sei die Schaffung einer neuen Marke, sagte Sanktjohanser. Nach Informationen aus der Branche gab es bereits Gespräche zwischen Rewe und dem Schweizer Pharmahändler Zur Rose AG über eine mögliche Kooperation. Die zweite Option für Rewe: Der Kölner Konzern könnte die bereits jetzt als Mieter in den Rewe- und Toom-Supermärkten untergebrachten Apotheken auf die Marke „Rewe“ umflaggen. Die bislang selbstständigen Apotheker würden damit zu Lizenznehmern.

Die Kölner könnten durch ihren Coup auch die Doc-Morris-Kette in den Hintergrund drängen, die derzeit bereits 100 Standorte in Deutschland mit Franchisenehmern betreibt.

Anders als die Drogeriemarktketten dm und Schlecker, die seit kurzem auf rechtlich wackeligem Boden als Annahmestellen für ausländische Versandapotheken operieren, wartet Rewe gegenwärtig allerdings noch auf eine eindeutige Rechtsgrundlage. Die erwarten viele Branchenbeobachter aber schon in diesem Jahr. Denn noch 2008 wird der Europäische Gerichtshof (EuGH) vermutlich das sogenannte Fremdbesitzverbot kippen. Es verhindert in Deutschland bislang, dass Kapitalgesellschaften Eigentümer von Apotheken werden können. Zudem hat die EU-Kommission vor wenigen Tagen ein Vertragsverletzungsverfahren gegen die Bundesrepublik eingeleitet, weil sie deutschen Apothekern nicht mehr als vier Filialen gestattet. Auch dieses Mehrbesitzverbot schützt die Arzneimittelverkäufer traditionell vor allzu hartem Wettbewerb – und schirmt den Markt vor in- und ausländischen Ketten ab.

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