Firmenwagen
BMW schaltet im Leasingmarkt auf Angriff

Nach der Übernahme der Leasing-Sparte der ING Bank will die BMW-Tochter Alphabet zum zweitgrößten Player auf dem europäischen Markt aufsteigen. Die hohe Finanz-Bonität gibt dem Geschäft Rückenwind.
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MünchenDer BMW-Konzern setzt sich hohe Ziele im Markt für Firmenflotten. Nach der Übernahme des Leasinggeschäfts der ING Bank will die Konzerntochter Alphabet eine Spitzenposition in Europa einnehmen. „Innerhalb der kommenden fünf Jahre wollen wir in Europa die Nummer zwei werden“, sagt Alphabet-Chef Norbert van den Eijnden im Interview mit dem Handelsblatt. Derzeit sind Alphabet und ING nach eigenen Berechnungen die Nummer fünf. Klarer Marktführer ist die niederländische Leaseplan.

637 Millionen Euro haben die Münchener im Juli in die Hand genommen, um das Leasinggeschäft der ING-Bank zu kaufen. Damit sind Leasingverträge in Höhe von 3,5 Milliarden Euro auf BMW übergegangen. Das kann man als Zeitenwende verstehen: Denn während die Bonität der europäischen Geschäftsbanken im Zuge der Schuldenkrise leidet, verbessert BMW sein Rating kontinuierlich. Die Bonität ist für die Refinanzierung des Leasinggeschäfts aber entscheidend. Moody’s stufte BMW im Juli herauf, S&P erhöhte im September seinen Ausblick für den Autobauer. „Die Finanzkraft von BMW ist eine wichtige Stütze für Alphabet“, sagt van den Eijnden.

Für BMW ist der Zugriff auf die Firmenflotten von strategischer Bedeutung: Mehr als die Hälfte aller in Europa zugelassenen BMWs sind Geschäftsfahrzeuge. Seit einiger Zeit betont Konzernchef Norbert Reithofer, dass der Autohersteller zu einem „führenden Anbieter von Mobilitätsdienstleistungen“ werden wolle. Dazu gehört auch der Aufbau eines europaweiten Car-Sharing-Anbieters, der im Sommer gestartet ist. Über Car-Sharing und Firmenflotten soll zudem das für 2013 geplante Elektroauto „i3“ in den Markt gebracht werden.

Alphabet und ING haben jetzt 460.000 Verträge im sogenannten Operational Leasing für Firmenkunden. Bei diesem Geschäftsmodell kauft der Kunde nur noch die Laufleistung seiner Dienstwagen – wenn der Preis stimmt. Finanzierung, Reparatur, Versicherung und Wiederverkauf übernimmt der Dienstleister. Das ist auch für andere Hersteller ein lohnender Markt. Erst gestern verkündete Volkswagen ein Plus von 25 Prozent im Geschäft mit Flotten für seine Großkunden.

„Größe ist in diesem Geschäft wichtig, um die Kosten im Griff zu behalten“, sagt van den Eijnden. Denn immer mehr Großkunden verlangen eine europaweite Abdeckung von ihren Leasinganbietern. Langfristig geht der Niederländer davon aus, dass in Europa nur noch vier bis fünf große Anbieter auf dem Markt für Firmenflotten übrig bleiben. Deutschland bleibt dabei besonders attraktiv: Im Gegensatz zu Großbritannien oder den Niederlanden haben die meisten Firmen ihre Dienstwagenflotten noch nicht komplett ausgelagert.

Doch es hat nicht nur Vorteile für Anbieter wie Alphabet, zu einem Hersteller zu gehören. „Die Mutterhäuser wollen vor allem ihre eigenen Autos in die Flotten drücken“, sagt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer von der Universität Duisburg-Essen. Zudem wachse die Gefahr, dass über niedrige Leasingraten Restwertrisiken in den Bilanzen anwachsen. BMW ist gebrannt: Im Geschäftsjahr 2008 mussten die Münchener fast zwei Milliarden Euro auf Kreditausfälle und Restwertrisiken abschreiben.

„Wir haben keine Vorgaben, wie hoch der Anteil von Konzernfahrzeugen in unserer Flotte sein muss“, beteuert van den Eijnden, der nach dem Kauf von ING nur noch zu einem Viertel BMW unter Vertrag hat. „Wir sind Flottenmanager, keine Autoverkäufer. Das würden unsere Kunden auch nicht akzeptieren.“

Van den Eijnden setzt vielmehr auf einen Wandel in Richtung mehr Flexibilität bei Firmenwagen. „Alphacity“ heißt das neueste Angebot. Dabei organisiert Alphabet über Smartphones ein firmeninternes Car-Sharing für seine Kunden. „Die Nutzung eines Fahrzeugs wird wichtiger als der Besitz“, sagt van den Eijnden. „Das wird zunächst bei jüngeren Kunden und in Ballungsräumen einschlagen.“

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  • Wenn die Karren schon keiner mehr kaufen kann, dann muss man sich was einfallen lassen und sie verleihen. Leasing ist eben Auto auf Pump ohne Gegenwert. Die Produktionsquote muss unter allen Umständen bewahrt werden. Sonst würden sich die Milliardäre bei BMW wieder Kurzarbeit vom Steuerzahler bezahlen lassen. Und das alles für geschönte Zahlen bei der Arge und für die FDJ-Agitationsnudel in Groß-Berlin. Kurzarbeit, wenn das Geschäft schlecht geht und Milliarden einstecken, wenn die Linie läuft. An eine Rückzahlung des Kurzarbeitergeldes nicht zu denken!!!

  • bad bank mit angeschlossener autokonstruktions- und endmontageabteilung

  • Ich bin fassungslos, daß das System so lange funktioniert. Das "gefeierte" Leasing ist nur noch möglich (Wissen Sie wie Geld "geschöpft" wird...?), weil man die Leasingbanken von BMW, Daimler und VW 2008 gestützt hat. Die Wolkenkucksheim-Restwerte hätten die Glaspalasthändler der sogenannten Premiummarken, die seit Jahrzehnten eh'nichts mehr verdienen, ganz klar zum Einsturz gebracht. Krethi und Phleti (der typ. Vers.Vertreter z.B.) können ihren 7ner wieder für 900 EUR/mtl. leasen (eigentl. müsste er bei realistischem Restwert 2.500,--EURO/mtl. kosten)- denn mehr können sie einfach nicht bezahlen, denn sie geben von den 5 tsd/netto/mtl. eh schon 6 tsd aus. Das Restwertrisiko wird im Krisenfall (also wenn Nachschuldner für die GW Restwerte ausfallen- z.B. Osteuropa) vom Steuerzahler (systemrelevant- ich lach' mich tot...) übernommen. Ich meine - wir sind uns sicher einig- fast keiner von den S-Kl./Cayenne/ 7ner Fahrern hat die Alternative das neue Auto mit einem Scheck zu bezahlen...
    Und ich spreche von Deutschland ! Wissen Sie, wieviel sich BMW das US Geschäft jedes Jahr kosten lässt....
    Ich sehne mich nach den Zeiten zurück, als ein Versicherungsvertreter einen älteren Opel Kadett und der Handwerker einen klapprigen R4 Kastenwagen hatte.........Die waren natürlich (bar !) bezahlt.

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