Leasingmarkt
"Die Branche wird sich konsolidieren"

Große Konzerne machen den Leasingdiensten Konkurrenz. Wie er die Lage sieht und warum die Kunden nicht an E-Autos interessiert sind, erklärt Lionel Wolff, Geschäftsführer von Arval, der Leasingtochter der BNP Paribas.
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Herr Wolff, nach dem heftigen Einbruch inmitten der Finanzkrise ist der Fahrzeug-Leasingmarkt zuletzt wieder gewachsen - ist das Gröbste überstanden?

Das Gröbste, ja. Die Restwerte haben sich zuletzt stabilisiert, wenngleich wir vom Vorkrisenniveau noch ein gutes Stück entfernt sind, insbesondere bei den großen Fahrzeugen. Man muss aber fairerweise dazu sagen, dass das Vorkrisenniveau recht hoch war.

Was sind die Lehren aus der Krise?

Der deutsche Markt ist sehr komplex, viel komplexer als andere europäische Märkte. Wir haben hier sehr starke Autohersteller, die sehr stark mit den Restwerten gespielt haben und noch immer spielen. Wer das tut, geht aber ein großes Risiko ein. Wir können und wollen das nicht. Ich gebe Ihnen ein Beispiel: Inmitten der Krise haben wir in einem Monat bis zu 1800 Euro an einem Fahrzeug verloren.

Wie wird sich die Leasingbranche verändern?

Es ist derzeit sehr viel in Bewegung; und es deutet einiges daraufhin, dass sich die Branche konsolidieren wird.

Welche Rolle spielt Arval dabei?

Wir haben Ende vergangenen Jahres Commerz Real Autoleasing gekauft. Wir hoffen, dass wir in den kommenden Wochen die Genehmigung von der Finanzaufsicht Bafin für diese Transaktion bekommen.

Sind weitere Zukäufe geplant?

Nein, vorerst nicht. Wichtig ist zuallererst, dass wir den Kauf der Commerz Real Autoleasing bestmöglich abschließen.

Nach der Krise ist meist vor der Krise - was sind die großen Unsicherheitsfaktoren für die Zukunft?

Möglicherweise die Refinanzierung. Man kann davon ausgehen, dass das Zinsniveau schon bald steigen wird und Kredite spürbar teurer werden. So gesehen ist es nicht das Schlechteste, eine Bank im Rücken zu haben, so wie wir mit BNP Paribas.

Sie sprachen zuvor die starken deutschen Autokonzerne an. Die machen Ihnen mit ihren Leasingangeboten das Leben schwer ...

Wir wollen nicht in den Preiskampf gehen. Das ist nicht unsere Strategie, das können wir auch nicht leisten. Unsere Stärke ist der Service, das Mobilitätsmanagement für unsere Kunden. Das klappt auch sehr gut. Letztlich, das muss man sagen, spielen die großen Autohersteller Leasing als Absatzinstrument für ihre Fahrzeuge aus. In diesem Markt sehen wir uns mit den Herstellern nicht im Wettbewerb.

Hat sich das Kundenverhalten in der Krise verändert? Sparen die Deutschen beim Dienstwagen?

Ein bisschen vielleicht (lacht). Deutschland ist sehr speziell, was das Thema Dienstwagen betrifft, daran hat die Krise grundlegend auch nichts verändert. Ein BMW oder Daimler ist hierzulande ein ganz normales Dienstfahrzeug, Standard sozusagen. In anderen Ländern dagegen gelten diese Fahrzeuge als Privileg der Top-Manager.

Die Deutschen sind kein bisschen bescheidener geworden?

Naja, so einfach ist das auch nicht. In vielen Fällen ist der Dienstwagen fester Bestandteil des Arbeitsvertrages. Der Arbeitgeber wird sich gut überlegen, ob er bei den Dienstwagen seiner Angestellten spart. Bei den sogenannten Serviceflotten ist das etwas anderes. Da geht der Trend schon dahin, sich günstigere Fahrzeuge anzuschaffen.

Wie stehen Ihre Kunden dem Thema Elektromobilität gegenüber?

Ich glaube, es ist noch zu früh, etwas dazu zu sagen. Natürlich ist das Thema Kraftstoffverbrauch und der verbundene hohe Anteil an den Gesamtkosten (TCO - Total Cost of Ownership) ein ganz wichtiges für unsere Kunden. Noch wissen wir aber nicht, ob und wann sich die E-Autos durchsetzen werden. Um auch auf diesem Gebiet frühzeitig Erfahrung zu sammeln, werden wir zusammen mit unseren Kunden entsprechende Tests durchführen.

Christian Panster
Christian Panster
Handelsblatt Online / Ressortleiter Finanzen

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