Mezzanine-Programme: Wie Mittelständler der Eigenkapital-Falle entrinnen

Mezzanine-Programme
Wie Mittelständler der Eigenkapital-Falle entrinnen

Mit dem Auslaufen der Programme werden viele Mittelständler Probleme mit dem Ablösen der Mezzanine-Finanzierungen haben. Dennoch kann mit der richtigen Lösung eine Insolvenz vermieden werden.
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BerlinDer Zahltag naht. Gut 700 Mittelständler haben vor der Finanzkrise mit Standard-Mezzanine-Programmen in Höhe von rund fünf Milliarden Euro ihre Eigenkapitaldecke aufgepolstert, um ihr Rating zu verbessern. Ab Mai dieses Jahres laufen die Programme aus, das Kapital muss wie bei einem endfälligen Darlehen zurückgezahlt werden – was einige Firmen vor existenzielle Probleme stellen wird.

Ansehensverlust an den Märkten

Vor der Finanzkrise galt die Mischfinanzierung aus Eigen- und Fremdkapital als attraktiv. Problem: Seither haben diese Verbriefungen viel an Ansehen an den Kapitalmärkten verloren, was nun Anschlussfinanzierungen erschwert. „Den Markt für Standard-Mezzanine gibt es praktisch nicht mehr“, sagt Martin Conrad, Mitglied der Geschäftsleitung der Wirtschaftsprüfungsgesellschaft PKF Fasselt Schlage. Damit ist der Zünder für weitere Insolvenzen scharf: Nach einer Umfrage der EBS Business School und IKB Deutsche Industriebank unter gut 200 Firmen mit Mezzanine-Kapital können zwei Drittel die Rückzahlung nicht aufbringen – wobei vier Fünftel Schwierigkeiten auf sich zukommen sehen, sollte eine Anschlussfinanzierung scheitern.

„Ein Drittel der Mezzanine-Geber erwartet einen Forderungsverzicht“, sagt Volkhard Emmrich, Chef der Beratung Dr. Wieselhuber & Partner. Er rät Mittelständlern in Not: „Droht nachweislich die Insolvenz, ist es möglich, 30 Prozent des Mezzanine-Kapitals sofort abzulösen.“ Ein Deal, der den Geldgebern einen Totalverlust erspart und den Nehmern die drückende Last der kompletten Rückzahlung. Bei einigen Programmen böte sich auch die Möglichkeit, die Ablösung um bis zu fünf Jahre zu strecken. Emmerich: „Funktioniert das alles nicht, hilft notleidenden Firmen nur ein Insolvenzplanverfahren, um die Forderung loszuwerden.“

Wackelkandidaten mit noch nicht bedrohlicher Bonität haben mehr Optionen: „Einige Firmen werden temporäre Minderheitsgesellschafter suchen, andere Refinanzierungskredite aufnehmen oder ein Individual-Mezzanine abschließen“, sagt Conrad. Letztere sind mit Zinsen ab zehn Prozent oft jedoch teurer als ein Bankkredit. Generell stellten Geldgeber heute deutlich höhere Anforderungen an die Transparenz der Unternehmen. Conrad rät Firmen, ihre Stärken und Wachstumsstrategien klar zu kommunizieren und mit Zahlen zu untermauern, also ihr Controlling und Managementreporting in Schuss zu bringen.

Hilfreich sind Instrumente, die die Eigenkapitalquote stärken: Factoring, Leasing, Asset-Backed-Lending oder neue Instrumente der Einkaufsfinanzierung. Dann könnte es mit Individual-Mezzanine klappen. „Bei solider Basis und einem Rating von mindestens BB ist das machbar“, sagt Arno Fuchs, Chef der FCF Fox Corporate Finance. Finanzierungswünsche von unter fünf Millionen Euro gelten dabei für Geldgeber oft als unattraktiv. Arno Fuchs verweist auf eine oft verkannte Option: „Es gibt etliche vermögende Privatleute, die an Direktengagements bei Mittelständlern zur Stärkung des Eigenkapitals interessiert sind.“


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