Trends
Vorsicht Falle beim Autoleasing

Bei Unternehmen ist Leasen statt kaufen längst ein Trend. Aber auch immer mehr Privatleute leihen sich ihr Auto gegen Gebühr – und zahlen meist kräftig drauf. Denn kaum jemand versteht das Fachchinesisch der Branche und durchschaut die Konditionen. Ein Überblick über die Fallstricke.

FRANKFURT. Im vergangenen Jahr betrug das Volumen im PKW-Leasing rund 24 Mrd. Euro, den Löwenanteil leasten Firmen. Privatleute leasen zwar immer häufiger, allerdings meistens zu schlechten Vertragskonditionen. Das ist nach Meinung von Fachleuten Absicht: "Je mehr Intransparenz desto besser, das ist die Devise der Branche", sagt Udo Dewein, Leasingexperte beim Beratungsunternehmen Lease Control. Nur wenige finden sich im Dickicht der Bedingungen bei Kilometerverträgen, Teil-Amortisations-Abkommen und Full-Service-Angeboten zurecht, mit dem die rund 2 000 Leasingunternehmen in Deutschland um Kunden buhlen. "Manche Angebote können unübersichtlich erscheinen, aber das liegt auch daran, dass sich Kunden ein Angebot maßschneidern lassen können genau für ihre Bedürfnisse", sagt dagegen Martin Vosseler, stellvertretender Geschäftsführer des Bundesverbandes Deutscher Leasing-Unternehmen (BDL).

Weiterer Knackpunkt für Kunden: "Auch über Rabatte schweigt sich die Branche aus", moniert Leasing-Experte Dewein. Das fange schon beim Autokauf an. "Alle Leasingunternehmen kaufen immer bei denselben Autohändlern und schlagen über die schiere Masse der georderten Fahrzeuge saftige Rabatte raus. Doch ob und wie weit die Kunden etwas davon haben, weiß niemand." Ein paar Extra-Euro verdienen sich die Leasingunternehmen auch mit Tankkarten: Dem Kunden berechnen sie eine Bearbeitungsgebühr dafür, dass sie die Karten abrechnen und verwalten. "Aber von den Mineralölkonzernen kriegen die Unternehmen auch noch einmal Provision, nur davon erzählen sie auch nichts", kritisiert Dewein. Aber oft gäben sie die Rabatte über günstigere Preise an die Kunden weiter, sagt der BDL.

Auch durch die Wahl des richtigen Vertrags und die genaue Kontrolle der Konditionen können Kunden Kosten sparen. Zum Beispiel beim Kilometervertrag: Der Kunde leiht das Auto in der Regel für drei Jahre aus und vereinbart eine feste Kilometerzahl, die er in dieser Zeit fahren darf. Meist sind das 120 000 Kilometer. Danach gibt der Kunde das Auto wieder ab. Das Restwertrisiko liegt damit bei der Leasinggesellschaft. Sie muss entscheiden, ob sie den Wagen weiter verleiht oder verkauft. Doch was sich so einfach anhört, macht bei der Rückgabe oft Probleme: "Viele Firmen versuchen sich da an einer nachträglichen Vertragsoptimierung", spottet Dewein. Zum Lachen ist das nicht. Gestritten wird vor allem um kleinere Schäden, wie Beulen, Kratzer oder Haarrisse in der Windschutzscheibe. Der Kunde pocht auf Verschleiß, der Verleiher auf Minderung des Wagenwerts durch Beschädigung. "Am besten vorher genau festlegen und sich vom Vertragspartner Beispielfotos zeigen lassen", rät Dewein.

Probleme gibt es oft auch bei der Kilometerleistung. Teuer wird vor allem der Unterschied zwischen Freibetrag und Freigrenze. Sie greifen, wenn der Kunde mehr Kilometer fährt als vereinbart. Meist gibt es eine Kulanzregel für Mehrkilometer - einen Freibetrag. Bei einer Fahrleistung von 120 000 Kilometern dürfte ein Kunde beispielsweise 5 000 Kilometer zusätzlich fahren, ohne nachzuzahlen. Fährt er 5 700 Kilometer, muss er bei dem vereinbarten Freibetrag nur die 700 Kilometer Differenz begleichen. Bei der Freigrenze kommen ihn die Überkilometer teuer zu stehen: Er müsste für 5 700 Kilometer nachzahlen.

Fährt der Leasingnehmer weniger als vereinbart, erstattet ihm der Verleiher in der Regel die eingesparten Kilometer - jedoch meist maximal 10 000. Zudem zahlt das Unternehmen deutlich weniger als es vom Kunden für zu viel gefahrene Kilometer verlangt. "Völlig normal", kontert der stellvertretende BDL-Geschäftsführer Vosseler. Schließlich minderten Mehrkilometer den Wagenwert stärker als ihn weniger gefahrene erhöhten. "Das zeigen auch die Statistiken unabhängiger Gutachter wie DAT", sagt Vosseler.

Vollends undurchschaubar für Kunden wird es laut Leasingexperte Dewein bei der Teil-Amortisation, auch Restwertvertrag genannt. Kunden würde oft suggeriert, sie könnten das Auto danach zu diesem Preis kaufen. Weit gefehlt: "Denn ob und zu welchen Konditionen, bestimmt der Verleiher", moniert Dewein. Das liegt aber nicht nur an den Leasinggesellschaften. Denn sie müssen laut Gesetz am Ende der Laufzeit prüfen, ob der im Vertrag aufgeführte Restwert mit dem aktuellen Marktwert übereinstimmt. Das ist Pech für den Kunden: Liegt der Marktwert unter dem errechneten Restwert, darf die Leasinggesellschaft den Kunden zwingen, das Auto zum vertraglich festgelegten Wert zu kaufen. Das gilt auch, wenn das Auto auf dem Markt weniger Wert ist, weil zum Beispiel der Spritpreis gestiegen ist, neue Umweltstandards existieren oder die Kreditkrise Konsumenten zum Verzicht auf ein neues Auto treibt.

Liegt der Marktwert über dem Restwert, bestimmt wiederum die Leasinggesellschaft, was mit dem Fahrzeug geschieht. Im Zweifelsfall verkauft sie es gewinnbringend am Markt, so Dewein. "Der Dumme ist der Kunde, da er vorher schon höhere Raten gezahlt hat als bei einem Kilometervertrag, in der Erwartung das Auto später günstig zu kaufen", warnt er. Doch die Rechnung gehe nicht auf.

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