Lebensmittel-Einzelhandel
Apotheker verpassen den Boom

Deutschlands Apotheker überlassen lukrative neue Märkte offenbar kampflos dem Lebensmittel-Einzelhandel. Zu diesem Ergebnis kommt eine Studie der Bad Homburger Management-Beratung Dölle. Das Versäumnis nutzen Supermärkte gewinnbringend aus – allen voran Marktführer Edeka, der die Gesundheitswelle als lukratives Geschäftsfeld erkannt hat.

DÜSSELDORF „Über 250 Lebensmittel mit Zusatznutzen wie probiotische Milchgetränke, Energy Drinks und bestimmte Wasser werden angeboten“, sagt Firmenchef Volker Dölle. „Nur in der Apotheke sind sie nicht zu finden.“

Allein die größte Regionalgesellschaft Minden-Hannover beschäftigt 200 Ernährungsberater, die die Kundschaft beim Einkauf unterstützen. Die vom Fresenius-Institut geschulten Fachkräfte bieten ihren Service in der Nähe der Obst- und Gemüsetheke. „In unseren Märkten kommt das prima an“, sagt eine Edeka-Sprecherin.

Wettbewerber in den USA gehen noch einen Schritt weiter. Der Handelsriese Wal-Mart lässt seine Kunden von jungen Ärzten beraten, die auch Medikamente verkaufen und auf Wunsch Injektionen setzen.

Vor allem die betuchten über Fünfzigjährigen peilen die Lebensmittelhändler mit probiotischen Milchdrinks, Gesundheitsberatungen und cholesterinsenkenden Nahrungszusätzen an. Schon heute stellt die Gruppe der „Best Ager“ und „Silver Ager“ in Deutschland eine Käuferschicht von 30 Millionen Verbrauchern; 2015 werden es 35 Millionen sein – 40 Prozent der Bevölkerung.

„In Sachen Functional Food, also Lebensmittel mit gesundheitsfördernden Zusatzstoffen, ist Deutschland noch ein Entwicklungsland“, sagt GfK-Marktforscher Steven Brechelmacher. Während hierzulande nur wenige Topmarken mit einzelnen Zusatzmerkmalen wie „probiotisch“ oder „cholesterinsenkend“ das Sortiment bestimmen, finden Kunden in Japan und den USA längst mit Kalzium oder Selen angereicherte Lebensmittel in den Regalen. „Doch auch in Deutschland entwickelt sich der Markt dynamisch“, berichtet Brechelmacher. „Bei uns gibt es noch ein Riesenpotenzial.“ Und das überlassen die Apotheken den Supermärkten.

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