Lebensmittel-Lieferdienste
Wenn Aldi zweimal klingelt

Der deutsche Discounter Aldi liefert nun auch bis an die Haustüre – zumindest in Großbritannien. Hierzulande gibt es den Lieferdienst noch nicht. Es könnte aber der Startschuss für eine Offensive sein.
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DüsseldorfMit günstigen Preisen und wenigen Produkten, die meist direkt aus dem Karton statt aus dem Regal verkauft wurden – so startete Aldi einst die große Erfolgsgeschichte der Discounter. Doch mittlerweile reicht den meisten Kunden der günstige Preis alleine nicht mehr – sie verlangen nach mehr Service. In Großbritannien hat Aldi nun ein Experiment gestartet, das den Einkauf revolutionieren soll. Der Discounter liefert seine Produkte jetzt bis an die Haustüre der britischen Kunden.

Nach Informationen der Lebensmittel-Zeitung soll in Großbritannien in diesen Tagen ein neuer Online-Shop von Aldi an den Start gehen. Dass die Online-Offensive des Discounters ausgerechnet auf der Insel startet, ist kein Zufall: Großbritannien ist für den Praxistest ein ideales Terrain. Die Briten gelten als besonders onlineaffin und sind den Deutschen beim Lebensmittelkauf im Netz um Jahre voraus. Im Wettstreit mit dem britischen Platzhirschen Tesco hätte Aldi zudem ein zusätzliches Argument auf seiner Seite.

Läuft die Offensive wie geplant, könnte Großbritannien erst der Anfang sein: In Branchenkreisen heißt es, dass der Discounter seine Lebensmittel auch in Spanien und Portugal Lebensmittel online verkaufen will. In Australien betreibt Aldi bereits seit gut zwei Jahren einen Online-Shop für Spirituosen.

Nur auf dem deutschen Heimatmarkt werden die Aldi-Kunden wohl weiterhin an der Supermarktkasse anstehen müssen: Aldi Süd teilte auf Handelsblatt-Anfrage mit, dass in Deutschland zur Zeit kein Online-Handel geplant sei. Um einen einwandfreien Lieferdienst zu niedrigen Kosten zu garantieren, seien die Herausforderungen derzeit zu groß, betont eine Unternehmenssprecherin. Aldi Nord wollte sich aus strategischen Gründen nicht äußern

In Deutschland wächst der Onlinehandel mit Lebensmitteln zwar rasant, ist bisher aber immer noch eine Nische. Der Anteil der verkauften Lebensmittel im Netz ist nach Schätzung der Prüfungs- und Beratungsgesellschaft EY mit 0,8 Prozent noch relativ gering. Doch innerhalb eines Jahres hat er sich nahezu verdreifacht. Bis zum Jahr 2020, so rechnet EY, könnte der Marktanteil sogar auf zehn Prozent ansteigen.

Anders als bei anderen Branchen sind es nicht nur die technikaffinen, jungen Käufer, die sich die Lebensmittel bevorzugt nach Hause liefern lassen. Besonders Familien mit Kindern, Doppelverdiener, die wenig Zeit haben, und ältere Leute, die nicht mehr so mobil sind, kaufen online ein. Sie schätzen den Komfort, den Einkauf von der Couch aus zu bestellen und sich die Kiste Wasser in den vierten Stock bringen zu lassen. Und sie haben keine Lust ihre Freizeit im Supermarkt verstreichen zu lassen. Immerhin verbringen die Deutschen im Schnitt sieben Tage pro Jahr in den Einkaufsläden, so zeigen es Studien.

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