Lebensmittel-Mogelpackungen: Das Geschäft mit dem Heimatgefühl

Lebensmittel-Mogelpackungen
Das Geschäft mit dem Heimatgefühl

„Unser Norden“-Kaffee aus der Ferne, bayerischer Leberkäse aus belgischem Fleisch: Weil die Kaufbereitschaft für Waren aus der Gegend gigantisch ist, täuschen Hersteller vermeintliche Nähe vor. Die Masche zieht.
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DüsseldorfZu Köln gehört ohne Frage das Kölsch. Aber die Cola? Seit es die erste Kölner Cola „coelna“ gibt, anscheinend auch. Georg Pünder, einer der drei Gesellschafter erklärt: „Wir kriegen sehr positives Feedback. Die Kölner identifizieren sich  mit dem Getränk.“ Dabei hat der Ursprung des Erfrischungsgetränks eigentlich nichts mit der Stadt gemeinsam. Abgefüllt wird es gar außerhalb der Stadtgrenzen.

Doch die Masche wirkt: Ein Stadt- oder Regionalbezug auf dem Etikett macht das Produkt gleich viel attraktiver für die Verbraucher. Denn regionale Produkte sind nach der Bio-Welle der nächste große Lebensmitteltrend. Regionale Anbieter von Obst, Gemüse und anderen Lebensmitteln erleben nach den Lebensmittelskandalen der vergangenen Jahre einen Boom. Der Schweizer Lebensmittelkonzern Nestlé schätzt, dass mehr als ein Drittel der Deutschen bereits regelmäßig Produkte aus der Region kaufen.

Konkrete Zahlen zur wachsenden Nachfrage gibt es jedoch nicht. Da der Begriff „regional“ von jedem Lebensmittelhersteller anders definiert wird, gibt es keine zuverlässigen Erhebungen zum Umsatz. Je nachdem, wie man eine Region definiert, fällt die Antwort darauf, was ein Regionalprodukt ist anders aus. „Der Markt boomt“, heißt es im Ernährungsministerium von Ministerin Ilse Aigner (CSU). Auch der Bauernverband und der Einzelhandelsverband HDE stimmen zu.        

Das zeigt sich ab morgen auch auf der 87. „Internationalen Grünen Woche“ in Berlin (bis 27. Januar), der Ausstellung der Ernährungs- und Landwirtschaft. Regionalmarken nehmen dort viel Raum ein. Denn Produkte, die aus der eigenen Region kommen, stehen bei vielen Verbrauchern sogar höher im Kurs als Bio-Ware.

Aber woher kommt die starke Nachfrage nach Lebensmitteln aus der unmittelbaren Heimatregion? Laut einer Studie des Marktforschungsunternehmens Gruppe Nymphenburg aus dem Jahr 2012 verbinden Verbraucher mit Regionalmarken Frische, eine hohe Qualität und das gute Gefühl, etwas für die Produzenten der Region zu tun. „Regionalmarken werden von Verbrauchern sehr positiv empfunden, weil sie Nähe und Vertrautes bedeuten – gerade in den undurchsichtigen Bezugssystemen der Globalisierung“, sagt Eckhard Gabersek, Leiter der Studie. 

Kommentare zu "Das Geschäft mit dem Heimatgefühl"

Alle Kommentare
  • Die erste Kölner Cola war Afri-Cola.
    Aus dem Hause Bluna. Aber sind wir nicht alle ein bisschen Bluna ?

  • solange die Verbraucher glauben, dass es Erdbeeren, Spargel, Tomaten und Paprika im Winter aus der Region gibt, ist er selbst schuld. Und wer glaubt, dass Kaffee, Tee, Kakao, Apfelsinen und Reis in Deutschland wachsen, der glaubt auch noch ans Christkind ...

  • Ja, es gibt unglaublich viele die dem Arzt blind vertrauen! Im Bekanntenkreis hat das schon mindestens drei Personen unter die Erde gebracht. Die Leute gehen sackweise mit Medikamenten nach Hause und wenn ihnen ein Arzt nichts verschreibt, dann wechseln sie ihn sogar.

    Die Mehrheit glaubt doch noch immer, daß Medikamente zum Heilen produziert werden (noch nie war die Pharmalobby so erfolgreich wie heute! Ich sage nur: Influenza, Vogelgrippe, Schweinegrippe, Psychopharmaka)

    Daß Bankangestellte Berater und keine Verkäufer wären (sie werben sogar mit den dreistesten Lügen, WEIL es niemand erkennt). Daß die Asylanten- und Überfremdungslobby etwas mit Humanität zu tun hat. Und daß der Schrei nach besserer "Bildung", oder mehr Psychobetreuung, nichts mit Lobbyismus der Sozialwirtschaft zu tun hat.

    Wenn ich mir die zu Weihnachten immer mehr penetrantere Dummschwätzpropaganda der Spendenmafia ansehe, dann kann ich auch da, nirgendwo, erkennen, daß ein nennenswerter Anteil auch nur irgendwas kapieren würde!

    Oder das beste Beispiel: die eigenen deutschen Kinder werden zu Fremden im eigenen Land gemacht, sie lernen in der Schule vor lauter "Bereicherung" nichts mehr, während die Bonzenbrut auf Privatschulen geht und das Stimmvieh wählt die Verantwortlichen Verbrecher weiterhin.
    Da kann mir niemand erzählen, daß da auch nur irgendwas erkannt wird!

    Was zunimmt, ist Gemecker und Frust, weil das der rapide Gesellschaftsverfall mit sich bringt, aber mit Erkennen hat das nichts zu tun, sonst würden nicht widersprochslos die Patrioten im Gefängnis sitzen und die Volksverräter völlig unangefochten oben sitzen.

  • stetson
    Meine Meinung! Die politisch geförderte,gezielte Täuschung der Gesellschaft durch ausschließlich gewinnmaximierend denkende Unternehmen regt mich viel mehr auf, als irgendein Kampfeinsatz der Bundewehr in Mali oder sonst wo
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    geht mir auch so..mich interessiert zuerst was
    bei uns abläuft,oder was schon wieder außerhalb
    Deutschlands an Forderungen an uns gestellt werden.
    Dieses gefühlsduselige Regionaltätsdenken,ist auch
    mir beim Kauf zu eigen..Dieser Betrug am Verbraucher
    nur schäbig..Da wird ein Denken gezüchtet,das an dem
    Nachwuchs weitergegeben wird.In allen Lebensbereichen.
    Mein Wunsch,das irgendwann die Moral gegen Gier die
    Oberhand haben wird...aber so verkommen wie ein Teil
    der Menscheit ist,fast chancenlos.

  • Genau deswegen auch keine Nestlé, Kraft, Oetker, CocaColor, RedBull, MacDoof oder BASF im Depot... und vor allem auch keine Anleihen davon zeichnen.

  • ...Wenn sich Verbraucher besser verar...t fühlt selber schuld.

    Ich denke auch das Wiesenhof & Co die KZ-Hühner und Krüppelputen im Käfig auf die Werbe-Etketten bringen sollte, anstatt grinsende Comic-Hühner auf der freien Laufbahn.

    Selbiges gilt natürlich auch für Schweine- und Rindermast, damit die Konsumtrottel GENAU wissen was sie essen !

    Per Gesetz !

  • Nirgendwo bricht sich die gewissenlose Bereitschaft von Unternehmen den Verbraucher nach besten Kräften zu verarschen und auszunehmen besser Bahn als in der Lebensmittelbranche. Kein Wunder dass wir alle krank vor Allergien und Umweltgiften sind. Die Verpackung und die darauf stehenden Angaben sind ja nur die Spitze des Eisberges

  • ""Weil die Kaufbereitschaft für Waren aus der Gegend gigantisch ist, täuschen Hersteller vermeintliche Nähe vor. Die Masche zieht.""

    Na klar zieht die Masche. Noch!

    Solange es noch ein Grundvertrauen der menschen gibt, kann man sie noch veräppeln und ihnen den letzten Blödsinn verkaufen.

    Aber dieses Vertrauen verschwindet zusehend. Giibt es noch jemanden der einem Arzt ohne Wenn und Aber vertraut? Wer traut dem Anwalt wenn er sagt: "Klar gewinnen wir den Fall!"
    Wer vertraut dem Politiker wenn er sagt: "Ich kümmere mich um die Menschen um Deutschland!"

    Selbt das Urvertrauen in Polizei und Justiz schwindet immer mehr.

    Warum?

    Weil wir zu lange und zu oft verar....t wurden.

    Genau so ergeht es mit den ÖKOprodukten etc etc.

    Wann wird die Industrie die Politik etc erkenn dass Vertrauen nur sehr langsam verdient wird, aber sehr schnell zerstört wird. Ohne vertrauen gehen ganze Volkswirtschaften baden.

  • Der Verbraucher wird dermaßen verklappst, das man sich fragt wozu es eigentlich ein Verbraucherministerium bedarf.

    Selbiges ist nicht in der Lage per Gesetz eine einfachste Lebensmittelampel zu erlassen, um zu verhindern das sich die Kiddis die ganze chemische Drecksscheiße reinkippen und sich die Fettwulste anfuttern, die später von der Krankenkasse wieder entfernt werden sollen.

    Dieses Lebensmittelsystem finde ich mittlerweile dermaßen krank, das man sich nur noch an den Kopf fassen kann.

    Auf der anderen Seite kommt sofort: das Umweltzonensystem....das ist wichtig und bringt ja auch so viel...

    das Verbraucherministerium sollte sich Lobby-Ministerium nennen; dann wird der Bürger wenigstens nicht verkplappst und weiß woran er ist

  • Meine Meinung! Die politisch geförderte,gezielte Täuschung der Gesellschaft durch ausschließlich gewinnmaximierend denkende Unternehmen regt mich viel mehr auf, als irgendein Kampfeinsatz der Bundewehr in Mali oder sonst wo.

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