Lebensmittelbranche
Oetker verlangt mehr Ehrlichkeit

Die Werbung für Lebensmittel suggeriere eine idyllische Produktion, die letztlich Verbraucher verwirre, sagt Richard Oetker im Schein diverser Lebensmittelskandale. Geschadet haben diese dem Konzern in 2012 aber nicht.
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Bielefeld/DüsseldorfDie jüngsten Lebensmittelskandale führen bei Nahrungsmittelherstellern wie Oetker zu einem Umdenken. Auch wenn Oetker von keinem der Skandale betroffen gewesen sei, spüre der Konzern eine „zunehmende Verunsicherung bei unseren Verbrauchern“, sagte Oetker-Chef Richard Oetker am Dienstag in Bielefeld. Oetker sei nun daran gelegen, schwarzen Schafen das Handwerk zu legen und dazu beizutragen, „dass die Verbraucher die Komplexität der industriellen Nahrungsmittelherstellung verstehen“. Dies habe dann auch mit einer „Ent-Romantisierung“ der „idyllischen Darstellung der Lebensmittelherstellung zu tun, die auch wir durch unsere Werbung in den Köpfen der Verbraucher erzeugt haben“.

Zuletzt hatte der Pferdefleisch-Skandal die Branche erschüttert - Pferdefleisch war dabei in anders gekennzeichneten Lebensmitteln entdeckt worden. Unter anderem war auch der Lebensmittel-Weltmarktführer und Oetker-Konkurrent Nestle betroffen. Der Schweizer Konzern hatte zwei gekühlte Teigwarengerichte in Italien und Spanien und ein Tiefkühl-Lasagne-Produkt in Frankreich aus dem Verkauf genommen.

Aber auch die Bundesrepublik war betroffen: In zahlreichen Supermarktketten mussten verdächtige Produkte aus den Regalen entfernt werden. In der vergangenen Woche war zudem bekannt geworden, dass undeklariertes Pferdefleisch aus den Niederlanden nach Deutschland gelangt war. Die niederländische Lebensmittelaufsicht hatte rund 50.000 Tonnen Rindfleisch zurückgerufen, weil es Pferdefleisch enthalten könnte.

„Industrielle Lebensmittelherstellung ist ein komplexes System“, unterstrich Oetker. Bei vielen Verbrauchern gebe es noch die Vorstellung, Lebensmittel kämen vom Bauernhof. Oetker verlange von Lieferanten Zertifikate, um die Herkunft der Waren zu kontrollieren. Krimineller Energie seien die Hersteller aber letztlich hilflos ausgeliefert. Unter Skandalen leide dann die ganze Branche - die Verbraucher differenzierten in der Regel nicht, welches Unternehmen und welche Produkte betroffen seien und welche nicht.

Trotz gestiegener Rohstoffpreise ist Oetker zuversichtlich für das laufende Jahr, sagte der Unternehmenschef. Ob Pizza, Pudding oder Desserts: Noch in 2011 hatte das Familienunternehmen kaum zulegen können – das ist jetzt anders. So ist der Umsatz um 7,2 Prozent gestiegen und hat mit 2,09 Milliarden Euro erstmals die Marke von zwei Milliarden Euro geknackt. Besonders im Ausland wuchs der Umsatz, nämlich um 10,1 Prozent auf 1,4 Milliarden Euro. Wohl ein guter Grund dafür, dass der Konzern sein Auslandsgeschäft stärker ausbauen will. Die Zahl der Beschäftigten kletterte auf knapp 10.000.

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