Lebensmittelkonzern: Schwere Anschuldigungen gegen Nestlé

Lebensmittelkonzern
Wem Nestlé das Wasser abgräbt

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Schwere Anschuldigungen gegen Nestlé

Die EU, allen voran der zuständige EU-Kommissar Michel Barnier, will den Rahmen für Privatisierungen im Bereich der Wasserversorgung erweitern. In der gesamten EU sollen einheitliche Regeln zur Vergabe von Konzessionen für Dienstleistungen geschaffen werden. Ziel sind der Kommission zufolge Wettbewerb und Chancengleichheit zwischen Unternehmen.

Im Klartext heißt das: Die Wasserversorgung soll demnächst weltweit ausgeschrieben werden, jeder kann sich beteiligen. Kritiker fürchten, dass ein privater Versorger vor allem auf Rendite und nicht auf die Qualität des Wassers achten würde und zudem die Preise stark steigen könnten. Seit einiger Zeit läuft im Internet eine Unterschriftenaktion, bereits mehr als eine Million Gegner der neuen Regelung haben unterschrieben.

Auch der Name von Nestlé fällt in der Diskussion des Öfteren, denn die Schweizer haben sich bereits in anderen Ländern umfangreich Wasserrechte erkauft. Kritiker werfen dem Unternehmen vor, dabei die Grundwasservorkommen etwa in Pakistan so stark auszubeuten, dass der Grundwasserspiegel sinkt und die Bevölkerung keinen Zugang mehr zu frischem Wasser hat. Auch in den USA haben Anwohner gegen Abfüllwerke von Nestlé geklagt, weil der Grundwasserspiegel gesunken ist.

Am Mittwoch veröffentlichte das Unternehmen nun ein Statement auf seiner Homepage – offenbar reagierte der Konzern damit auf die erhitzten Gemüter in Deutschland. „Nestlé ist nicht in der öffentlichen Wasserversorgung tätig und hat auch nicht die Absicht, die Geschäftstätigkeiten auf leitungsgebundene Wasserversorgung auszuweiten“, heißt es darin.

Natürlich würde der Lebensmittelkonzern nicht die Rolle des Versorgers übernehmen, das tut er in anderen Ländern auch nicht. Wohl aber zapft das Unternehmen dort Wasser direkt von der Quelle ab, reinigt es, reichert es mit Mineralstoffen an, verpackt und verkauft es für ein Vielfaches des Ursprungspreises. Allein diese Aussicht bringt Kritiker gegen den Konzern auf. Sie fürchten einen größeren Einfluss des Konzerns auf die Trinkwasserversorgung auch in Deutschland.

Doch EU-Kommissar Barnier wiegelt ab. Es bestehe kein Zwang zur Privatisierung. „Der Richtlinienvorschlag beeinträchtigt in keiner Weise die Autonomie der Gebietskörperschaften bei der Organisation der Wasserversorgung“, teilte Barnier mit.

Der Markt für abgefülltes Trinkwasser jedenfalls ist riesig: Laut aktuellen Zahlen des Verbandes deutscher Mineralbrunnen tranken die Deutschen 2012 10,3 Milliarden Liter abgefülltes Mineral- und Heilwasser. Das sind 1,7 Prozent mehr als im Vorjahr. Nicht enthalten ist in dieser Zahl jedoch das so genannte Tafelwasser, wie es Nestlé oder Coca Cola unter dem Namen Bonaqua verkauft. Dieses Wasser stammt nicht etwa aus natürlichen Quellen, sondern ist mit Mineralien versetztes Leitungswasser.

Nestlé macht keinen Hehl daraus, was es vom bedingungslosen „Recht auf Wasser“ hält. Das Unternehmen sei der Auffassung, dass – bei über den persönlichen Grundbedarf hinausgehenden Mengen – Anreize bestehen sollten, sorgsam mit der Ressource Wasser umzugehen. Angemessene Preise, die die Knappheit und den Wert von Wasser wiederspiegeln, könnten hierzu beitragen, heißt es in dem Statement. „Wenn etwas kein Wert gegeben wird, tendieren die Menschen dazu, es zu verschwenden“, sagt Konzernchef Paul Bulcke.

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Dana Heide ist Korrespondentin in Berlin.
Dana Heide
Handelsblatt / Korrespondentin

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  • Liebe Kommentar-Redaktion

    Wo hört die Nettiquette-Toleranz auf - und wo beginnt die Zensur??
    Bei derart Zorn-Erregenden Themen muss es ja wohl auch erlaubt sein KLARTEXT zu schreiben! - So lange Niemand persönlich angegriffen wird und die Kritik/Zorn sich gegen die beteiligten Akteure des zu Grunde liegenden Sachverhalts richtet.

  • und solange man nicht alles sieht, sieht man auch nur die Teilwahrheit.
    Und vielleicht kommt man so zum Schluss, dass nicht immer nur böse Mächte am wirken sind.

  • Vergeltsgott, hanshenseler, das meinte ich.
    Deutschland liegt deswegen faktisch nicht darnieder, nur der gemeine Deutsche aus Angst vorm bösen Kapitalisten.
    Schluss, man darf im Schriftverkehr nie ironisch sein, könnte falsch verstanden werden.

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