Lebensmittelskandal: 4,5 Millionen Fertigessen enthielten Pferd

Lebensmittelskandal
4,5 Millionen Fertigessen enthielten Pferd

Eine französische Firma steht im Verdacht, Etiketten-Schwindel betrieben zu haben und Pferde- als Rindfleisch deklariert zu haben. Das Fleisch soll von einem zyprischen Händler bezogen worden sein. Ein Verwirrspiel.

Düsseldorf/ParisDie französische Regierung hat einen Schuldigen im europaweiten Pferdefleisch-Skandal identifiziert: Die französische Firma Spanghero habe gewusst, dass sie Pferdefleisch als Rindfleisch verkaufte, hieß es am Donnerstag aus Paris. Die Firma Spanghero habe sich eines „Wirtschaftsbetruges“ schuldig gemacht und werde zur Verantwortung gezogen werden, sagte der französische Verbraucherminister Benoît Hamon in Paris. Der Firma wurde mit sofortiger Wirkung die Zulassung zur Fleischverarbeitung entzogen, wie Landwirtschaftsminister Stéphane Le Foll hinzufügte.

„Ich weiß nicht, wer hinter all dem steckt, aber ich kann ihnen versichern, wir sind es nicht“, sagte allerdings Spanghero-Chef Barthelemy Aguerre, am Freitag dem Sender Europe 1.

Spanghero hatte das Fleisch aus Rumänien über einen zyprischen Zwischenhändler bezogen und damit die französische Firma Comigel in Metz beliefert, die europaweit zahlreiche Fertigprodukte wie Tiefkühl-Lasagne verkauft. Auch in Deutschland hatten Handelsketten wie Rewe und Edeka nach Angaben des nordrhein-westfälischen Verbraucherschutzministers Johannes Remmel zwischen fünf und 50 Prozent Pferdefleisch in Produkten nachgewiesen.

Die Ergebnisse stammten aus eigenen Tests der Unternehmen, amtliche Tests lägen noch nicht vor, so Remmel am Freitagmorgen im Deutschlandfunk.

Supermarktketten in Deutschland nahmen möglicherweise falsch deklarierte Produkte teils bereits vergangene Woche aus dem Verkauf, ohne dies zunächst öffentlich mitzuteilen. Remmel plant daher eine Gesetzesinitiative, die Händler auch bei solchen Verdachtsmomenten zu einer Veröffentlichung der Produktrücknahme verpflichtet.

Der niederländische Geschäftsmann Jan Fasen, der über seine auf Zypern gemeldete Handelsfirma Draap Trading das Pferdefleisch an den französischen Betrieb verkaufte, hat eine einschlägige Historie. Medienberichten zufolge ist er im vergangenen Jahr zu neun Monaten Gefängnis verurteilt worden, weil er südamerikanisches Pferdefleisch als deutsches Rindfleisch deklariert hatte und nach Frankreich verkaufte.

Dem Guardian sagte Fasen, er habe alle Lieferungen als Pferdefleisch verkauft und weist im jüngsten Fall alle Schuld von sich. Der Zeitung zufolge bestätigt eine Rechnung, dass Draap Trading eine Lieferung über 18,5 Tonnen Pferdefleisch abgerechnet habe.

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