Leicht verbessert
Medikamentengroßhandel verdient wieder mehr Geld

Die Ertragslage im Pharmagroßhandel in Deutschland hat sich leicht verbessert. Darauf deuten die jüngsten Geschäftszahlen von Pharmahändlern wie Anzag, Noweda und Sanacorp hin. Trotz wirtschaftlicher Unsicherheit rechnen die großen Anbieter mit Umsatzwachstum und stabiler Ergebnisentwicklung.
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FRANKFURT. Nach einem Gewinneinbruch im vergangenen Jahr konnte die Andreae Zahn-Noris AG (Anzag) im Ende August abgelaufenen Geschäftjahr 2008/09 ihren Konzerngewinn auf 13,9 Mio. Euro fast verdoppeln. Für das neue Geschäftsjahr hofft der Vorstandsvorsitzende Thomas Trümper trotz unsicherer wirtschaftlicher Aussichten auf ein leichtes Umsatzwachstum von vier auf 4,1 Mrd. Euro und eine stabile Ergebnisentwicklung.

Direktvertrieb verliert Anteile

Positiv stimmt Trümper unter anderem, dass der Anteil des Direktvertriebs zurückgeht. Das sind die Medikamentenverkäufe, die die Pharmaunternehmen unter Umgehung des Großhandels direkt mit den Apotheken abwickeln. Das ist eine Folge der jüngst in Kraft getretenen 15. Novelle des Arzneimittelgesetzes, wonach die Hersteller immer über den Großhandel gehen müssen, wenn sie die Apotheker bedienen.

Weil jetzt rund 900 neue Produkte aus dem Direktvertrieb auch über den Großhandel ausgeliefert werden, sank der Direktvertriebsanteil von 18,3 Prozent im September auf 15,9 Prozent im Oktober. Trümper geht von einer weiteren Absenkung aus, sieht den Direktvertrieb aber dennoch mittelfristig über der Marke von zehn Prozent.

Die Margen des Pharmagroßhandels , der mehr als 22 Mrd. Euro Umsatz erzielt, haben in den vergangenen Jahren durch staatliche Eingriffe, Verdrängungswettbewerb und sinkende Medikamentenpreise gelitten, denn der Großhandel wird prozentual vom Herstellerabgabepreis entlohnt. So ist Anzag nach Trümpers Ansicht von einem zufriedenstellendem Ertragsniveau noch entfernt: "Ich meine, dass ein Handelsunternehmen eine Umsatzrendite nach Steuern von mindestens einem Prozent haben muss", so Trümper. Anzag kommt im Geschäftsjahr 2009 in Deutschland auf eine Umsatzrendite nach Steuern von 0,42 Prozent. Der genossenschaftliche Konkurrent Noweda erzielte zuletzt 0,53 Prozent und Sanacorp in den ersten neun Monaten dieses Jahres 0,45 Prozent Rendite.

Der Markt ist oligopolistisch strukturiert. Marktführer ist der zum Merckle-Imperium gehörende Phoenix Pharmahandel, gefolgt von Anzag, Sanacorp und der zum Celesio-Konzern zählenden Gehe-Gruppe. Sanacorp und Noweda haben im vergangenen Jahr die beiden unabhängigen Pharmagroßhändler Von der Linde sowie Kapferer aufgekauft, die fünf großen Anbieter kontrollieren jetzt knapp 92 Prozent des Marktes. Noweda wuchs auch dank des Kapferer-Zukaufs im Geschäftsjahr 2008/09 um satte 30 Prozent auf einen Umsatz von 3,2 Mrd. Euro.

Weitere Zukäufe geplant

Das Auslandsgeschäft mit Aktivitäten in Kroatien, Rumänien und Litauen spielt bei Anzag mit rund sieben Prozent Anteil am Umsatz und Gewinn (Ebit) nur eine untergeordnete Rolle. Trümper will aber das Unternehmen bei passender Gelegenheit durch weitere Zukäufe in Osteuropa verstärken. Bei der erstmals konsolidierten litauischen Tochter musste Anzag wegen der Wirtschaftskrise 5,7 Mio. Euro abschreiben.

In Deutschland blieb der Anzag-Handel mit einem Zuwachs von 0,9 Prozent unter dem Marktwachstum von 2,8 Prozent, was Trümper mit der Ertragssicherung begründete. Anzag will der Hauptversammlung wie im Vorjahr eine Dividende von 1,10 Euro vorschlagen. Die käme auch den Anteilseignern wie Sanacorp, Noweda und Phoenix zugute.

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