Leisure Cargo
Air Berlin stoppt Verkauf der Frachttochter

Mit dem Verkauf von Leisure Cargo wollte Air Berlin seine Bilanzstruktur verbessern. Doch weil das Cargogeschäft eingebrochen sind, fallen die Angebote für die Frachttocher extrem niedrig aus. Darum hat das Management den Verkauf vorerst gestoppt - und will nun gebrauchte Flugzeuge loswerden.

FRANKFURT. Die zweitgrößte deutsche Fluggesellschaft Air Berlin hat den geplanten Verkauf der Logistiktochter Leisure Cargo vorerst gestoppt. „Es gab Gespräche mit drei bis vier Interessenten, nachdem jedoch das Cargogeschäft eingebrochen ist, waren die Angebote zu utopisch niedrig, um darauf einzugehen“, sagte Ulf Hüttmeyer, der Finanzchef von Air Berlin, gestern bei der Vorlage der Halbjahreszahlen: „Das ist erst einmal auf Eis gelegt.“

Leisure Cargo ist auf die Vermarktung von Frachtkapazitäten in Ferienfliegern spezialisiert und hat zuletzt rund 60 Mio. Euro umgesetzt. Der Verkauf von Unternehmenswerten gehört zum fest eingeplanten Werkzeugkasten des Air-Berlin-Management, um die Bilanzstruktur zu verbessern. Der Konzern ist nach einer rasanten Übernahmetour relativ hoch verschuldet, dieser Berg soll nun abgetragen werden.

Komplett abgeschrieben hat die Air-Berlin-Spitze den Verkauf der Cargo-Tochter aber nicht. „Die Situation im Cargo-Geschäft scheint sich wieder etwas aufzuhellen. Wir haben da überhaupt keinen Druck“, sagte Hüttmeyer. Sollte ein gutes Angebot reinkommen, werde man das selbstverständlich prüfen.

Auch vom Verkauf gebrauchter Flugzeuge erhofft sich der Finanzchef in den kommenden Monaten weitere Entlastung. Der Markt ziehe wieder an, vor allem in Asien. „Es gibt hier durchaus Interesse“, so Hüttmeyer.

Im Gegensatz zur Situation am Jahresanfang ist Air Berlin auf diese Maßnahmen allerdings nicht mehr partout angewiesen. Die Gesellschaft hat in den zurückliegenden Monaten mehrere Kapitalmaßnahmen durchgeführt, zuletzt in der vergangenen Woche. Dadurch hat sich die Nettoverschuldung – also die Finanzschulden abzüglich der liquiden Mittel – von minus 762 Mio. auf minus 638 Mio. Euro verbessert.

Dennoch liefern die Zahlen des ersten Halbjahres ein gemischtes Bild. Der Verlust hat sich in den ersten sechs Monaten gegenüber dem Vorjahreszeitraum von 51 Mio. auf 81 Mio. Euro erhöht. Auch der operative Verlust stieg von 55 Mio. auf 69 Mio. Euro. Allerdings zeigten sich Analysten mit dieser Entwicklung angesichts des dramatischen Einbruchs in der Luftfahrtbranche zufrieden.

Zudem konnte Air Berlin zumindest im zweiten Quartal ein positives Ergebnis (Ebit) von 17 Mio. Euro einfliegen. Das wiederum geht vor allem auf eine radikale Reduzierung des Angebots zurück. So hat die Fluggesellschaft die Kennzahl der angebotenen Sitzplatzkilometer alleine im zweiten Quartal um zehn Prozent gekappt, mehr als die meisten europäischen Rivalen. „Air Berlin hat es im zweiten Quartal geschafft, den Durchschnittspreis pro Ticket um zwölf Prozent zu steigern“, zeigte sich Stefan Kick von der Berenberg-Bank überrascht.

Auch kann Air Berlin wieder mehr Geld aus dem operativen Geschäft holen. Der operative Cash-Flow stieg von 27,9 Mio. auf 84,3 Mio. Euro. Noch verbraucht das Unternehmen allerdings mehr Geld als es einnimmt: Der freie Mittelzufluss nach Sachinvestitionen blieb mit minus 24,8 Mio. Euro negativ.

Jens Koenen leitet das Büro Unternehmen & Märkte in Frankfurt.
Jens Koenen
Handelsblatt / Leiter Büro Frankfurt
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