Lenovo
Bedächtige Eroberer

Als der chinesische Computerbauer Lenovo vor zweieinhalb Jahren ankündigte, die PC-Sparte des US-Konzerns IBM zu kaufen, war die Besorgnis groß. Umgehend gab es Spekulationen, die Chinesen könnten nun westliche Firmen reihenweise übernehmen. Inzwischen ist klar, dass alle Ängste völlig überzogen waren.

MÜNCHEN. Ein Aufschrei ging durch die westliche Welt, als der chinesische Computerbauer Lenovo vor zweieinhalb Jahren ankündigte, für 1,25 Milliarden Dollar die PC-Sparte des US-Konzerns IBM zu kaufen. Es war die erste Akquisition dieser Größenordnung durch ein Unternehmen der Volksrepublik.

Umgehend gab es Spekulationen, die Chinesen könnten nun westliche Firmen reihenweise übernehmen und künftig wichtige Branchen dominieren. Denn durch die Übernahme wurde Lenovo auf einen Schlag drittgrößter PC-Anbieter der Welt. Amerikanische Behörden befürchteten sogar, die Asiaten könnten IBM-Fabriken zur Industriespionage nutzen.

Inzwischen ist klar, dass alle Ängste völlig überzogen waren. Von einer bedrohlichen chinesischen Einkaufstour kann keine Rede sein. Und von einer Spitzenposition in der IT-Industrie schon gar nicht.

Denn fest steht: Auch Lenovo kocht nur mit Wasser und liegt nach wie vor weit zurück hinter den zwei weltweit führenden amerikanischen PC-Herstellern Hewlett-Packard und Dell. So kommt Lenovo mit vier Milliarden Dollar Umsatz nur auf etwa ein Viertel der Einnahmen von Dell. Und was die Spionage angeht: Die Chinesen haben inzwischen ihr Hauptquartier in die USA verlegt, und ein Amerikaner steht an Lenovos Spitze.

Dennoch lohnt es sich, die Entwicklung des Unternehmens zu beobachten. Denn was nicht ist, kann noch werden. So ist es durchaus wahrscheinlich, dass Lenovo in den nächsten Jahren eine deutlich größere Rolle im PC-Geschäft spielen wird als heute. Das liegt vor allem daran, dass das Unternehmen eine eher langfristige Strategie fährt. Das heißt: Es gibt keine übereilten, unbedachten Schritte, jeder Markteintritt wird sorgsam vorbereitet. So hat sich Lenovo zwei Jahre Zeit gelassen, um in diesen Tagen in Deutschland und bald auch in anderen europäischen Ländern ins Privatkundengeschäft einzusteigen.

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