Letzter Halt Nortrup
Der Transrapid kehrt zurück

Der letzte Prototyp des Transrapids kehrt in die Heimat seines Erfinders zurück. Ein Osnabrücker Fleischunternehmen will den Zug aufstellen. Der Urgroßvater des Geschäftsführers patentierte 1934 die Schwebetechnik.
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NortrupAusrangiert, aber als Konferenzraum und Museumsstück zugänglich: Dass der Transrapid eines Tages ausgerechnet in seinem Heimatort Nortrup bei Osnabrück ein solches Ende finden würde, hat sich Magnetzug-Erfinder Hermann Kemper sicher nie vorstellen können. Nach der endgültigen Absage an die Transrapid-Technik in Deutschland und dem Aus für die Teststrecke im Emsland haben Kempers Nachfahren den letzten in Deutschland gebauten Transrapid gekauft. Wie der Fleischwarenhersteller Kemper am Montag mitteilte, soll der Zug als Schulungs- und Konferenzraum genutzt und in einem Firmenmuseum der Öffentlichkeit zugänglich gemacht werden.

„Der Transrapid kehrt an den Ort zurück, wo mein Urgroßvater vor rund 80 Jahren das zu Grunde liegende Patent erfunden hat: eine funktionierende Schaltung für das Schweben nach dem Prinzip der elektromagnetischen Anziehung“, sagte Kemper-Geschäftsführer Wolfgang Kühnl. „Wir freuen uns sehr, dass wir den Zuschlag erhalten haben.“ Bei einem vom Verwertungsunternehmen des Bundes (VEBEG) organisierten Bieterwettstreit gab Kemper mit etwas mehr als 200.000 Euro das höchste Gebot ab. Eigentlich war der Transrapid 09 für die später verworfene Transrapidstrecke zum Münchner Flughafen gebaut worden.

„Meine Familie fühlt sich dem Transrapid selbstverständlich sehr verbunden“, so Kühnl. „Er ist ein großartiges Beispiel dafür, dass Erfindergeist und Innovationsfähigkeit nicht nur in den kreativen Ballungszentren dieser Welt zu finden sind, sondern überall dort, wo ehrgeizige und neugierige Menschen leben.“

Schon um 1910 hatte der technikbegeisterte Gymnasiast Hermann Kemper die zündende Idee. Das Rattern und Quietschen des Bummelzugs, mit dem er zur Schule nach Quakenbrück fuhr, nervte den Sohn eines Fleischfabrikanten schrecklich. Es musste etwas Besseres geben für die Fortbewegung auf Schienen. Kemper wusste zu diesem Zeitpunkt nicht, dass er ein ganzes Forscherleben in seine Idee investieren würde. 1934 meldete er beim Reichspatentamt die Erfindung seiner „Schwebebahn mit räderlosen Fahrzeugen, die an eisernen Fahrschienen mittels magnetischer Felder schwebend entlang geführt wird“ an.

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