Liberalisierung
Längere Öffnungszeiten bringen keine Jobs

Der gesetzliche Ladenschluss bröckelt. Die meisten Bundesländer – darunter Nordrhein-Westfalen, Niedersachsen und Berlin – wollen die Öffnungszeiten an Wochentagen freigeben. Karstadt und Kaufhof schmieden bereits Pläne fürs Einkaufen bis in die Nacht – obwohl die Erfahrungen während der WM enttäuschend waren. Eine GfK-Untersuchung macht dem Handel Hoffnung.

DÜSSELDORF. Mehr Umsatz durch weniger Ladenschluss: So lautet die Formel, die der Handelskonzern Metro verkündet. „Wir gehen generell davon aus, dass sich der Effekt positiv auf die Umsatzentwicklung auswirkt“, sagt Metro-Sprecher Jürgen Homeyer. Nicht zuletzt deshalb wird bei der Tochter Kaufhof erwogen, die Warenhäuser länger geöffnet zu halten. Konkurrent Karstadt macht bereits Nägel mit Köpfen und will spätestens ab kommendem Jahr, vermutlich aber schon im Weihnachtsgeschäft seine Läden bis 22 Uhr offen halten.

Wie eine Untersuchung der Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) ergeben hat, könnte Metro-Sprecher Homeyer mit seiner positiven Prognose durchaus Recht behalten: Als während der Fußballweltmeisterschaft die Läden in den zwölf Austragungsstädten auch am Sonntag geöffnet hatten, untersuchte die GfK den Effekt bei ihrer regelmäßigen Haushaltsuntersuchung. Das Ergebnis: Die betroffenen Haushalte gaben während der WM etwa 3 Prozent mehr für Lebensmittel und Kosmetikartikel aus als der Rest der Republik. GfK-Experte Wolfgang Twardawa führt das auf die spontane Kauflust der Kunden zurück – sie hätten die Sonntage genutzt, um „aus der Gelegenheit heraus“ kleine Einkäufe zu machen. Der Effekt sei daher bei „Waren des alltäglichen Bedarfs“ zu spüren gewesen, weniger aber bei anderen Gütern wie Kleidung und Küchengeräten. Seine Resümee: „Durch die Beschränkung fällt der ein oder andere Konsum platt.“

Doch trotz des kleines Zuwachses blieben die Umsätze vieler Geschäfte während der WM hinter den Erwartungen zurück. Am Fronleichnam-Feiertag am 15. Juni öffneten viele Geschäfte trotz der WM nicht, sogar große Ketten wie Hennes & Mauritz in Köln ließen ihre Läden geschlossen. Auch an den Sonntagen blieben viele Modegeschäfte, Kaufhäuser und Parfümerien leer; einige schlossen früher als geplant.

Keine neuen Arbeitsplätze

Die Dienstleistungsgesellschaft Verdi fühlt sich bestätigt: Die Umsätze würden nicht wachsen, sich aber auf andere Zeiten verschieben, sagt Sprecher Günter Isemeyer. Für die Beschäftigen im Einzelhandel bedeute dies: Mehr Arbeit am späten Abend und am Wochenende, aber keine neuen Arbeitsplätze.

Die Ladenschluss-Liberalisierung im März 2003 hat tatsächlich keine Trendwende auf dem Arbeitsmarkt bewirken können. Für die Samstage wurde der Ladenschluss von 16 auf 20 Uhr verschoben. Wie aus einer Statistik des Hauptverbandes des Deutschen Einzelhandels (HDE) hervor geht, schrumpfte die Zahl der Beschäftigten trotz der neuen Freiheit dennoch leicht: Waren 2002 noch 2,81 Millionen Menschen im Einzelhandel beschäftigt, sank ihre Zahl im Jahr 2003 auf 2,75 Millionen und im Jahr 2004 und 2,72 Millionen.

Hinzu kommt: Jeder zweite Beschäftige arbeitet auf Teilzeit. „Wir haben da eine riesige Personalreserve“, sagt HDE-Sprecher Heribert Jöres. Würden die Geschäfte tatsächlich mehr Arbeitskräfte benötigen, würden vor allem die eigenen Mitarbeiter stärker eingespannt. Neue Arbeitsplätze, vermutet auch Jöres, würde eine Ladenschluss-Liberalisierung nicht bringen.

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