Lidl: Heftiger Führungsstreit – Seidel muss gehen

Lidl-Chef Sven Seidel muss gehen
Heftiger Führungsstreit bei Lidl

Nach einem Streit tauscht Lidl den Chef aus. Sven Seidel dankt ab, Jesper Hojer tritt die Nachfolge an. Der Wechsel kommt ungelegen. Deutschlands größter Handelskonzern steht vor großen Herausforderungen.
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BerlinEine Neuordnung an der Spitze von Deutschlands größtem Handelsunternehmen hat ein prominentes Opfer gefunden: Lidl-Chef Sven Seidel hat mit sofortiger Wirkung das Unternehmen verlassen. Sein Nachfolger wird Jesper Hojer, der zuvor als Vorstand den internationalen Einkauf leitete. Wie die Schwarz-Gruppe, zu der sowohl Lidl als auch das Schwesterunternehmen Kaufland gehören, mitteilte, gab es „unterschiedliche strategische Geschäftsauffassungen“ zwischen dem 43-jährigen Seidel und dem Schwarz-Chef Klaus Gehrig.

Die Schwarz-Gruppe wird künftig von einem fünfköpfigen Leitungsgremium geführt, das gemeinsam über strategische Fragen entscheidet. Neben Gehrig und dem neuen Lidl-Chef Hojer sind in diesem Gremium Kaufland-Chef Patrick Kaudewitz, Andreas Strähle (Finanzen, Controlling, Personal) und Gerd Chrzanowski (IT, Produktion, Immobilien).

Die Schwarz-Gruppe wird in diesem Jahr erstmals die Umsatzgrenze von 90 Milliarden Euro überschreiten und hat zugleich mit dem geplanten US-Einstieg von Lidl und der Australien-Expansion von Kaufland in nächster Zeit große Projekte zu schultern. Deshalb hielt es Gehrig offenbar für notwendig, die zentrale Führung der beiden Handelsorganisationen zu stärken.

„Wir wissen, dass wir verschiedene Dinge, die wir früher richtigerweise separat gemacht haben, heute zusammenfassen müssen“, sagte Gehrig im Interview mit der Zeitung Heilbronner Stimme. Die neue Vorstandsvorsitzenden-Runde werde strategische Themen kollegial besprechen. Letztlich so Gehrig, herrsche dort jedoch keine Demokratie: „Am Ende muss einer entscheiden.“

Obwohl: Seidel hatte seit seinem Amtsantritt bei Lidl vor knapp drei Jahren die Umsätze und auch das Ansehen bei den Kunden gesteigert. Auch die Modernisierung der Läden hatte er massiv vorangetrieben und damit die Konkurrenten Aldi Süd und Aldi Nord unter Druck gesetzt. Außerdem hatte sich Seidel zum Ziel gesetzt nach zahlreichen Skandalen in der Vergangenheit die Führungsstrukturen des Händlers professioneller zu gestalten.

Doch in jüngster Zeit gab es zunehmend Auseinandersetzungen zwischen ihm und Gehrig, wie es in Unternehmenskreisen heißt. Seidel war kein klassischer Händler, sondern hatte vor seiner Zeit bei Lidl mehrere Jahre bei dem Beratungsunternehmen Porsche Consulting gearbeitet. Offenbar war er mit zahlreichen Ideen zur Veränderung nicht so vorangekommen, wie er es sich vorgestellt hatte.

Ein Streitpunkt war auch die Frage, wie offensiv sich Lidl dem Onlinehandel stellt. Seidel hatte mit Lidl Express ein Konzept entwickelt, das die Bestellung im Netz mit der Abholung in Filialen kombiniert. Eigentlich sollte dieser Dienst bereits im vergangenen Dezember starten. Es hatte aber immer wieder Verzögerungen gegeben, weil es Differenzen gab.

Der neue Lidl-Chef Hojer ist ein klassisches Eigengewächs des Händlers. Der 38-Jährige arbeitet seit zehn Jahren in verschiedenen leitenden Funktionen bei Lidl. Vor seiner Amtszeit als Einkaufsvorstand war er Geschäftsleitungsvorsitzender bei Lidl Belgien.

Noch offen ist, wie die Zukunft an der Spitze der Schwarz-Holding langfristig aussehen wird. Gehrig ist bereits 68 Jahre alt, hat aber noch keinen Nachfolger benannt.

Florian Kolf
Florian Kolf
Handelsblatt / Teamleiter Handel und Konsum

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  • Sehr geehrter Herr Hoffmann,

    Das was Sie machen, hat nichts mit "Mühe geben" zu tun. Sie wollen Ihre Meinung und Gesinnung breittreten. Fast nie tragen Sie irgendetwas sachliches zum Thema bei. Immer der gleiche Mumpitz: Trump, Putin und AfD sind toll, alle anderen sind doof, ganz besonders die olle Merkel.

    > Ich gebe mir den ganzen Tag große Mühe, jeden, aber
    > auch wirklich jeden Artikel zu kommentieren"

    Nein. Sie plakatieren, weil Sie und ihre Gesinnungsgenossen der Meinung sind, man muß den Leuten nur oft genug sagen, was sie denken sollen, dann denken die auch irgendwann so. Sie kommen nicht im geringsten auf die Idee, das ihr unsachliches Propaganda-Gequatsche die Leute nerven könnte. Die Menschen haben schlicht und ergreifendes besseres zu tun, als sich Ihren Mumpitz stundenlang durchzulesen.

    > Ja, ich bin ein Fan von Trump und Putin, das sind wenigstens noch
    > zwei echte Kerle mit eigener Meinung

    Nicht relevant. Die Zeiten sind vorbei, Diktatoren und Lügner werden heutzutage nicht mehr bewundert. Ich wünsche Ihnen viel Glück beim Auswandern nach Russland.

    > Nein, ich bin nicht arbeitslos und habe deshalb soviel Zeit Kommentare
    > zu schreiben, ich bin arbeitssuchend!

    Beim Lesen Ihrer Kommentare bekommt man durchaus mehr, als nur eine Ahnung, warum Sie keine Arbeit finden können.

    > Ja, ich bin ein Anhänger der AFD, denn nur diese Partei kann unser Reich noch retten!

    Spätestens mit letzterer Ausssage haben Sie sich endgültig als Nazi geoutet und disqualifiziert und liefern damit den besten Grund gegen die AfD.

  • Beitrag von der Redaktion gelöscht. Bitte bleiben Sie sachlich.

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