Lidl
Die Methoden des Geheimnis-Krämers

Lidl ist noch aggressiver und mindestens so verschwiegen wie der große Konkurrent Aldi. Die Chancen des Erfolgsmodells scheinen grenzenlos.

Das Telefongespräch beginnt mit einer sekundenlangen Pause. Dann sagt der Mann: "Sie sind wahrscheinlich der erste Journalist, der mich an den Apparat bekommt. Auskünfte aber erhalten Sie von mir trotzdem keine."

Der Mann heißt René Lindholm. Er ist der Chef von Lidl in Schweden. Und nur einer unerfahrenen Telefonistin ist es zu verdanken, dass man jetzt wenigstens weiß, wie seine Stimme klingt.

Dabei würde man sich mit Lindholm und anderen hochrangigen Lidl-Managern gerne einmal ausführlich unterhalten: über den kurz bevorstehenden Start des deutschen Discount-Riesen in Schweden im Speziellen und die Strategie des Unternehmens im Allgemeinen. Doch auch in der Neckarsulmer Firmenzentrale werden alle Wünsche nach Informationen abgewiesen: "Bitte haben Sie dafür Verständnis, aber Lidl diskutiert aus grundsätzlichen Erwägungen interne Entscheidungen und Fakten nicht mit der Öffentlichkeit." "Gar keine?" "Gar keine."

Die Frage, was Lidl eigentlich ausmacht, muss also ohne Mithilfe des Unternehmens beantwortet werden. Wer sich auf Spurensuche bei Kunden, Konkurrenten, Lieferanten und Mitarbeitern begibt, kommt zu dem Ergebnis: Die Schwarz-Gruppe, zu der Lidl gehört, ist fast so erfolgreich wie der große Rivale Aldi, noch aggressiver und mindestens so verschwiegen. Und sie wächst in einem Tempo, als gäbe es keine Wirtschaftskrise.

Die Fährte des Geheimnis-Krämers führt nach Baden-Württemberg, wo der Unternehmer Dieter Schwarz, 63, zu Hause ist. Öffentliche Auftritte meidet er, Pressekonferenzen gibt es nicht. Nicht einmal, wenn er viel Geld spendet, wie etwa der Universität Mannheim für eine Stiftungsgastprofessur in "Internationalem Handelsmanagement". Schwarz, Vater zweier Töchter, ergrautes, volles Haar, der mit einem geschätzten Vermögen von drei Milliarden Euro zu den reichsten Deutschen zählt, lebt völlig zurückgezogen in Heilbronn. Ein langjähriger Lidl-Angestellter, der dem Boss früher als Lehrling persönlich die EDV-Auszüge brachte, sagt: "Der würde Ihnen in einem Supermarkt garantiert nicht auffallen. Korrekt. Bescheiden. Zurückhaltend."

In aller Stille machte Schwarz binnen 30 Jahren aus dem mittelständischen Obstgroßhandel seines Vaters eine Unternehmensgruppe, die heute in mehr als einem Dutzend europäischer Länder mit 75 000 Mitarbeitern rund 4 000 Geschäfte betreibt; die allermeisten davon als Lidl-Discounter, aber auch gut 400 unter den Vertriebslinien "Kaufland", "Concord" und "Handelshof". Hier zu Lande haben die Neckarsulmer 2002 im Schnitt an jedem dritten Tag eine neue Filiale eröffnet. Auch für 2003 rechnet Herbert Kuhn vom Frankfurter Handelsmarktforschungsinstitut Eurodata "mit einem ähnlich rasanten Expansionstempo".

Seite 1:

Die Methoden des Geheimnis-Krämers

Seite 2:

Seite 3:

Seite 4:

Seite 5:

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%