Lieferantenkonditionen
Arcandor lichtet Rabatt-Dschungel

Neuer Name, neuer Schwung: Der kürzlich in Arcandor umbenannte Karstadt-Quelle-Konzern sieht Raum für weitere Verbesserungen und somit zur Erhöhung der Gewinne. Der Schlüssel hierzu liegt in diesem Fall in Verträgen mit den Lieferanten – durch eine einheitliche Linie sollen Millionen eingespart werden.

DÜSSELDORF. Mit einem neuen Lieferanten-Management senkt der Essener Karstadt-Quelle-Konzern, der seit kurzem unter „Arcandor“ firmiert, derzeit drastisch seine Einkaufskosten. Wie Einkaufsvorstand Helmut Merkel dem Handelsblatt sagte, sorgt seit Anfang des Jahres eine Online-Datenbank für konzernweite Transparenz in Sachen Lieferkonditionen – und das offenbar mit durchschlagendem Erfolg. „Das konzernweite Abgleichen von Lieferantenkonditionen bringt in seiner Gesamtwirkung Einsparungen in dreistelliger Millionenhöhe“, hat Konzernvorstand Merkel errechnet.

Für den operativ immer noch schwachen Konzern ist dies eine hohe Hausnummer. Zum Vergleich: Im vergangenen Jahr verdiente Karstadt-Quelle vor Steuern gerade einmal 450 Mill. Euro – und dies allein durch den Verkauf stiller (Immobilien-) Reserven. Im Jahr zuvor wies das Handelshaus sogar ein Vorsteuerverlust von 213 Mill. Euro aus.

Sieben Jahre nach der Fusion von Karstadt und Quelle hebt der Essener Konzern damit zum ersten Mal Synergien in beachtlicher Höhe. Denn das so genannte „Kern-Konditionen-Management (KKM)“ macht die ausgehandelten Lieferantenverträge aller Konzerngesellschaften auch für Schwesterunternehmen sichtbar. Als externen Dienstleister haben sich die Essener dazu den Spezialisten Gicom aus Overath bei Köln ins Haus geholt.

Die Verträge zwischen den Lieferanten und den beschaffenden Unternehmen seien inzwischen gespickt mit Lieferkonditionen, Zahlungsbedingungen, Rabattregelungen, terminlichen Vereinbarungen und Rückvergütungen, berichtet Gicom-Geschäftsführer Hans-Jakob Reuter. In großen Unternehmen wie etwa Warenhauskonzernen komme es dabei nicht selten vor, dass die Einkäufer verschiedener Sparten – ohne davon zu wissen – mit dem gleichen Lieferanten Verträge mit unterschiedlichen Konditionen abschlössen.

Das Dickicht von Sonderkonditionen und Rückvergütungen (siehe Kasten) wird traditionell auf Seiten der Lieferanten gepflegt. Schließlich verhindert es, dass Handelsfirmen die eigenen Einkaufspreise untereinander vergleichen können – und das, obwohl die ursprünglichen Listenpreise meist marktbekannt sind.

Mit der seit Januar verfügbaren Online-Datenbank dreht der Essener Konzern nun den Spieß um: Rabatte und Vergütungen, die ein Hersteller etwa Arcandors Kinderausstatter Baby-Walz einräumt, können seither leicht auch von Einkäufern bei Quelle zum Gegenstand der Verhandlungen gemacht werden.

Das war nicht immer so. Als die Handelskonzerne Karstadt und Quelle 1999 fusionierten, vereinbarte der Vorstand unter Walter Deuss eine dezentrale Führung der heute 60 operativen Einzelfirmen – über die Versender Madeleine und Peter Hahn bis hin zu den Karstadt-Warenhäusern. Dabei orderten die Konzerntöchter schon damals 40 Prozent ihrer zusammen 4,5 Millionen Artikel bei gemeinsamen Lieferanten.

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