Liquidität gewonnen und Schuldenabbau vorangetrieben
EnBW versilbert größte Auslandsbeteiligung

Die Energie Baden-Württemberg (EnBW) hat sich von ihrer größten Auslandsbeteiligung an dem spanischen Versorger Hidrocantabrico getrennt. Die portugiesische Electricidade de Portugal (EDP) will ihre Hidrocantabrico-Beteiligung im Zuge der Liberalisierung auf dem iberischen Strommarkt für 1,195 Milliarden Euro auf 95,7 von 40 Prozent aufstocken.

HB STUTTGART. Der EnBW fließen durch den Verkauf des 34,6-Prozent-Anteils an die EDP allein 649 Millionen Euro zu, wie die Vertragspartner am Donnerstag mitteilten. Überdies reduziert der finanzschwache Konzern seine Schulden um weitere rund 650 Millionen Euro. Ein nennenswerter Buchgewinn ergebe sich dadurch aber nicht, räumte ein Sprecher ein. Beteiligungsvorstand Pierre Lederer begründete den Verkauf mit mangelnden Synergieeffekten durch das an sich erfolgreiche Engagement. EnBW habe einen „angemessenen Preis“ für den Anteil erzielt.

Neben der EnBW-Beteiligung übernimmt die EdP auch die 17,6 Prozent an der Hidroelectrica del Cantabrico, die bisher bei der spanischen Sparkasse Cajastur lagen, und den 4,1-Prozent-Anteil der spanischen Caser-Gruppe. Cajastur erhält im Gegenzug Aktien der EDP und wird mit 5,4 bis 5,8 Prozent ihr größter privater Aktionär. Caser und Cajastur behalten jeweils 3,1 Prozent als strategische Beteiligung an Hidrocantabrico. Zur Finanzierung der Übernahme will EDP ihr Kapital um rund 1,2 Milliarden Euro aufstocken. Die Portugiesen hatten seit längerem Interesse an Hidrocantabrico gezeigt, um nach Spanien zu expandieren, mussten damit aber bis zur Abschaffung einer Stimmrechtsbegrenzung bei spanischen Versorgern warten.

Noch im Winter hatte EnBW Angaben aus Unternehmenskreisen zurückgewiesen, wonach sie sich von dem Hidrocantabrico-Anteil trennen wolle. Der Konzern war 2002 - auch auf Druck seines Großaktionärs Electricite de France EdF) - in Spanien eingestiegen. EnBW und EdP teilten sich die operative Kontrolle bei Hidrocantabrico.

EnBW-Vorstandschef Utz Claassen bezeichnete den Verkauf nun als „Meilenstein der EnBW-Konsolidierung“. Damit erreiche der Konzern den erst für 2006 geplanten Schuldenabbau um rund zwei Milliarden Euro schon in diesem Jahr. Die Eigenkapitalquote werde sich damit bis zum Jahresende auf knapp zehn (2003: 6,1) Prozent verbessern. Die EnBW sei mit der gewonnenen Liquidität wieder strategisch handlungsfähig.

Lederer begründete den Verkauf auch mit dem Kapitalbedarf für den Ersatz der EnBW-Atomkraftwerke, die in den kommenden Jahren abgeschaltet werden. „Für die EnBW ist dieser Schritt eine Erweiterung (...) der strategischen Position, denn er setzt Kräfte frei für neue Aktivitäten andernorts. Dies ist auch von Bedeutung für die mittelfristig in Baden-Württemberg anstehenden Investitionen in Netze und neue Kraftwerke“, erklärte er.

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