Lizenzgebühren
Easyjet einigt sich mit Gründer

Zumindest ein vertracktes Problem hat die neue Easyjet-Chefin Carolyn McCall jetzt gelöst: Sie hat den lang andauernden Streit mit dem Gründer und Großaktionär Stelios Haji-Ioannou beigelegt, der die Billigfluggesellschaft zu lähmen drohte und bereits McCalls Vorgänger zermürbt hatte.
  • 0

LONDON. Im Fokus der Verhandlungen stand die Frage: Wie viel muss das Unternehmen zahlen, um den Namen „Easyjet“ zu behalten, der Haji-Ioannou gehört? 0,25 Prozent des Umsatzes werden fällig, gab die Airline gestern bekannt. In den ersten beiden Jahren sind es 3,9 und 4,95 Mio. Pfund.

Bislang musste Easyjet keine Lizenzgebühren zahlen, solange sich das Unternehmen an folgende Regel hielt: Zusätzliche Einnahmen, die sich nicht aus dem Verkauf von Flugtickets ergeben, durften nicht mehr als 25 Prozent des Gesamtumsatzes ausmachen. Haji-Ioannou wollte verhindern, dass die Airline expandiert und ihm Konkurrenz macht. Er hatte unter der Marke „Easy“ eine Busgesellschaft und eine Hotelkette gegründet.

Im Frühjahr hat Haji-Ioannou gegen Easyjet geklagt. Er war der Meinung, dass etwa Gebühren für das Aufgeben von Gepäck Zusatzeinnahmen sind und die Umsatzgrenze von 25 Prozent daher überschritten war. Mit der gestern verkündeten außergerichtlichen Einigung sind die beiden Parteien dem Urteil jedoch zuvorgekommen.

Durch die Lizenzgebühren erkauft sich Easyjet mehr Freiheit und kann in neue Geschäftsfelder wie die Autovermietung expandieren. Im Gegenzug gibt Haji-Ioannou sein Recht ab, sich selbst zum Easyjet-Verwaltungsratschef zu machen sowie zwei Vertreter seiner Holding Easygroup in das Gremium zu entsenden. Zusammen mit seinen Geschwistern verfügt der 43-Jährige über 38 Prozent der Easyjet-Aktien.

Für beide Seiten sei es jetzt klarer, was erlaubt sei, sagte Easyjet-Chefin McCall gestern. Seit drei Monaten steht sie an der Spitze der zweitgrößten Billigfluggesellschaft.

Der Easyjet-Gründer hatte einen Streit über die Expansionsstrategie angezettelt. So forderte er das Management auf, das Wachstum einzuschränken und Dividenden zu zahlen. Später kam der Streit über die Nutzung der Marke hinzu. Zuletzt drohte Haji-Ioannou: Easyjet werde sich umbenennen müssen, wenn die Airline ihre Unpünktlichkeit nicht in den Griff bekomme. Aus dem Umfeld des Unternehmens verlautete, Haji-Ioannou habe mit den Störfeuern nur ein Ziel verfolgt: Er wolle mit der 1995 gegründeten Firma endlich Geld verdienen.

Das Problem, dass Easyjet-Flüge weniger pünktlich sind als die der Konkurrenz, hat die Airline allerdings noch nicht gelöst. McCall stellt sich zudem auf weitere Diskussionen mit Haji-Ioannou über die Easyjet-Strategie ein: „Der Markenstreit und das Wachstum, das sind zwei verschiedene Themen.“

Kommentare zu " Lizenzgebühren: Easyjet einigt sich mit Gründer"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%