Logbuch 9. Tag
Marines sind die Fäuste eines Kriegsschiffes

Ohne ihre Marines wäre das portugiesische Kriegsschiff "Vasco da Gama" nicht einsatzfähig. Denn im Kampf gegen die Piraten im Golf von Aden kommt den "Fuzileiros" eine Schlüsselrolle zu.
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Das Bild der Helmkamera wackelt. Eine schwarze Hand greift an Deck, hält sich fest. Ein Ruck, dann ist der Marine in voller Kampfausrüstung an Bord. Die Maschinenpistole schwenkt kurz ins Bild. Blick nach vorn: Mehrere Männer stehen am Bug der Dhau. Freund oder Feind?

„Die ersten Minuten sind immer die schwierigsten – denn da ist der erste Mann ganz auf sich allein gestellt“, wird Korporal Fernando Lages später, als alles vorbei ist, auf dem Oberdeck der „NRP Vasco da Gama“ sagen.

Die schwarzen Uniformen, die Masken und Helme haben Lages und seine neun Kameraden da längst wieder ausgezogen. Stunden zuvor waren sie an Bord einer somalischen Dhau gegangen. Routinekontrolle.

Doch auch wenn die Kameraden nur wenige Meter entfernt in einem Schlauchboot warten und ein Scharfschütze auf der „Vasco da Gama“ Feuerschutz gibt, bleibt die Situation angespannt. „Wenn man an Bord eines fremden Schiffes klettert, spürt man das Adrenalin“, sagt Lages. Er spricht ganz ruhig, mit leiser Stimme. „Das Herz schlägt bis zum Hals“, sagt er dann plötzlich, lächelt kurz und schlägt sich mit der Faust auf die Brust. „Mit Angst hat das nicht unbedingt etwas zu tun, es ist eher eine natürliche Aufregung.“

Seit fünf Jahren ist Lages ein Fuzileiro, ein Marineinfanterist mit der Spezialisierung auf Enteraktionen. In der Zeit, in der die „Vasco da Gama“ nun auf See ist, kamen Lages und seine Kameraden zweimal zum Einsatz – die Fehlalarme nicht mitgerechnet. Ihr Logo: Taz, der tasmanische Teufel aus der Zeickentrickserie Looney Tunes. Ohne ihre „Teufel“ wäre die „Vasco da Gama“ gar nicht einsatzfähig.

„Die Fuzileiros sind so etwas wie die Faust, die Hand dieses Schiffes“, sagt Korvettenkapitän João Piedade. Die Soldaten unterstehen seinem Kommando. Ohne die Marine-Infanteristen könnte die Fregatte kaum verdächtige Schiffe im Golf von Aden überprüfen. „Das wäre für die eigentliche Besatzung des Schiffes zu gefährlich“, sagt Piedade. Denn nicht immer gehen Einsätze so glimpflich aus wie heute. Die verdächtige Dhau hatte nur Fisch an Bord. Die Ölfässer – mit denen Piraten auf hoher See gerne ihre Beiboote betanken – waren leer. Ein, zwei  Fischer winken den Marines hinterher, als sich diese auf den Weg zurück machen.

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Tote und Verletzte bei einem Feuergefecht auf See

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