Logistik
Bahn bietet Post in der Luft und zur See Paroli

Nach Übernahme des US-Logistikkonzerns Bax Global will die deutsche Bahn das weltweite Luft- und Seefrachtgeschäft weiter ausbauen. Die Bahn hatte Bax im vergangenen Jahr für 1,1 Mrd. US-Dollar (920 Mill. Euro) gekauft.

BERLIN. Die Deutsche Bahn will das weltweite Luft- und Seefrachtgeschäft nach der Übernahme des US-Logistikkonzerns Bax Global ausbauen und dem weltweiten Marktführer Deutsche Post/DHL Paroli bieten. „Wir peilen künftig ein deutlich schnelleres Wachstum als der Markt an“, sagte Thomas Lieb, Vorstand der Bahn-Logistiktochter, Schenker.

Die Logistik-Märkte, insbesondere in Asien, florierten im Zuge der Globalisierung. In den vergangenen Jahren sei Schenker in der Luft- und Seefracht doppelt so schnell gewachsen wie der Markt. Was Lieb nicht sagt: Dies konnte nur gelingen, indem das Unternehmen der Konkurrenz Marktanteile abjagte.

Nach der milliardenschweren Übernahme des britischen Logistikers Exel ist DHL Global Forwarding der Marktführer in der Luft- und Seefracht. Auf Platz zwei in der Luftfracht hat sich nun Schenker mit Bax vorgearbeitet. In der Seefracht rangieren Schenker und Bax auf Platz drei hinter Kühne & Nagel und DHL sowie vor Panalpina.

Deutsche Bahn Logistik-Vorstand Norbert Bensel wiegelt aber ab: Im wachsenden Logistik-Markt sei Platz für Post und Bahn. Die Post wiederum sieht die neue Konkurrenz gelassen: „Wir unterschätzen keinen Konkurrenten und beobachten die Entwicklung genau“, sagte ein Sprecher.

In der Branche gilt als offenes Geheimnis, dass der Bund als Eigentümer das Erfolgsmodell Post kopiert, um auch die Bahn als weltweiten Logistiker an die Börse zu bringen. Interessenkonflikte sollen dabei vermieden werden, weshalb in den Aufsichtsräten von Post und Bahn bereits für klare Verhältnisse gesorgt worden ist. Hierunter fällt etwa, dass Stahlunternehmer Jürgen Großmann auf der Hauptversammlung der Post sein Aufsichtsrat-Mandat niedergelegt hat – er sitzt auch im Aufsichtsrat des neuen Post-Konkurrenten Bahn.

Die Integration der Bax in den Schenker-Konzern sei auf einem guten Weg, sagte Bensel. Es gebe kaum Überlappungen. Beide Unternehmen ergänzten sich operativ nahezu perfekt. Bax bringt vor allem in der Luftfracht das Asien- und US-Geschäft inklusive des US-Stückgut-Netzes am Boden ein. Alle Zeichen stehen auf Ausbau: In Südkorea und Singapur werden im Sommer für 50 Mill. Euro neue Verteilanlagen eröffnet. Ab Juni werden die Luftfrachtdrehkreuze Hahn in Deutschland und Toledo in den USA mit regelmäßigen Direktflügen verbunden. Ein Abbau von Arbeitsplätzen ist nicht geplant. „Wir wollen alle Mitarbeiter halten“, sagte Bensel. Gleiches gelte für die Marke Bax, jedenfalls zunächst.

Die Bahn hatte Bax im vergangenen Jahr für 1,1 Mrd. US-Dollar (920 Mill. Euro) gekauft. Der Preis sei auf den ersten Blick recht hoch, meinte der Hamburger Logistik-Experte Horst Manner-Romberg, doch scheine er sich für die Bahn auszuzahlen. Mit Schenker und Bax entstehe ein neuer, internationaler Transport- und Logistikkonzern.

Erstmals legte die Bahn Zahlen für das neue Unternehmen vor: Danach kommt Schenker mit Bax auf einen Umsatz von 11,2 Mrd. Euro. Davon entfallen auf Schenker knapp 80 Prozent. Das operative Ergebnis (Ebit) beläuft sich auf 335 Mill. Euro, wozu Bax 21 Prozent beiträgt. Beschäftigt werden knapp 54  000 Mitarbeiter, davon arbeiten 22 Prozent bei Bax.

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