Logistik
Boom trotz Fachkräftemangel

Die Logistikbranche wächst: Etwa 50.000 Stellen wollen die Transporteure in diesem Jahr schaffen. Auch die Gehälter sollen um mehr als drei Prozent steigen. Ein Problem ist aber der Fachkräftemangel.
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HamburgDeutschlands Logistikkonzerne werfen den Jobmotor an. Nach einer Branchenbefragung der Bundesvereinigung Logistik (BVL), die dem Handelsblatt exklusiv vorliegt, wollen die Transporteure im laufenden Jahr zusätzlich 50000 Stellen schaffen. Die Branche, die landesweit 2,8 Millionen Menschen beschäftigt, befindet sich nach dem Einbruch 2008 wieder auf dem Wachstumspfad. Von den 207 befragten Unternehmen sagten 90 Prozent, das Geschäft entwickele sich positiv.

Auf die Beschäftigungszahlen der arbeitsintensiven Branche hat dies direkte Auswirkungen. So kündigte die Deutsche Bahn schon vor wenigen Wochen an, bis 2013 rund 10000 zusätzliche Stellen zu schaffen. Verglichen mit den früheren Planungen, ergibt sich sogar ein Plus von fast 15000 Vollzeit-Arbeitsplätzen, wie Konzernunterlagen zeigen. Seit der Bahnreform 1994 waren die Beschäftigtenzahlen des Staatsunternehmens kontinuierlich gesunken.

Auch Deutschlands größte familiengeführte Spedition, Dachser, will die Belegschaft ausbauen. In der Sparte Luft- und Seefracht, wo heute 2768 Beschäftigte arbeiten, sollen es in fünf Jahren 5000 sein.

Mehr als die Hälfte der vom BVL befragten Unternehmen hat Probleme, offene Stellen zu besetzen. Nach Berichten von Personalberatern erhielten Logistikfirmen noch vor wenigen Jahren 100 bis 150 Bewerbungen auf eine Stelle. Heute gingen zum Teil weniger als zehn Bewerbungen ein, selbst in der Ebene des unteren und mittleren Managements. Gut 50 Prozent der befragten Firmen wollen daher in den nächsten zwölf Monaten die Gehälter um mehr als drei Prozent anheben.

Dennoch beklagen 57 Prozent der Befragten das Fehlen von IT-Fachleuten, Ingenieuren und Betriebswirten. Aber auch Mitarbeiter mit nicht-akademischer Ausbildung sind Mangelware: 17 Prozent der Unternehmen sind auf der Suche nach Fachkräften mit kaufmännischer Ausbildung, elf Prozent benötigen Unterstützung in der physischen Logistik, etwa als Lagerist oder Lkw-Fahrer, von denen derzeit in Deutschland rund 20000 fehlen.


Kommentare zu " Logistik: Boom trotz Fachkräftemangel"

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  • Weniger als 10 Bewerber auf eine Stelle? Da besteht die Gefahr, Dass Arbeitgeber zugeständnisse machen müssen! Das kann sich kaum eine Firma leisten. Grenze auf für Fachkräfte!!!

  • Ja, leider muß man auch mal die Konsequenzen ziehen.
    Hab den Bewerbungsmarathon vor etwa 10Jahren gehabt und war schon kurz davor nach Australien auszuwandern (dort gibt es im übrigen momentan einen wirklichen Ingenieurmangel!). Hat dann gerade noch geklappt, aber wirklich viele meiner Kommilitonen sind dann auch nach den ersten Jahren im Beruf ausgewandert und werden entgegen allen (auch falschen?) Statistiken, die angeführt werden auch sicher nicht zurückkehren.
    Meine Erfahrungen beziehen sich auf die Studiengänge E-Technik/Informatik. Meine Kommilitonen/ich haben an einer TU im süddeutschen Raum studiert und mit dem jeweiligen Diplom abgeschlossen.
    Typische Auswanderziele sind: Australien, Neuseeland, USA oder etwas näher die Schweiz und Norwegen. Jobs im mittleren Osten waren meist nicht von so langer Dauer (andere Kultur, man will dort nicht mit einer jungen Familie wirklich wohnen).
    Vor drei Jahren ist sogar ein damals 50-jähriger Kollege mit Familie nach Australien ausgewandert. Der hat sein Job-Interview für den neuen Job per Telefon gemacht (die Anreise ist halt teuer und etwas langwierig…) und hat auch auf diesem Wege eine Zusage bekommen.
    Man stelle sich so etwas mal in Deutschland vor - eine Personalabteilung, die einem 50-jährigen Ingenieur fernmündlich eine Zusage gibt! Das entsprechende Visum hatte er sich allerdings schon vorher selbst organisiert.
    Die Welt ist weit größer als Deutschland/Europa - zum Glück!

  • Die Bundesregierung hat wieder einmal ihre überragende Kompetenz bewiesen. Fachkräftemangel, pah so ein Blödsinn. Ich bin Informatiker, Bachelor mit 1,7. Vor einigen Monaten lass ich in einer Fachzeitschrift, dass das Einstiegsgehalt Informatik bei 65000 Euro liegt und nun, vor einigen Tagen hatte ich nach 50 Bewerbungen ein Vorstellungsgespräch, dort erfuhr ich, dass das Einstiegsgehalt bei 35000 Euro liegt. Ganz großes Kino, danke Bundesregierung. Das ist zu wenig, wie weit über die Hälfte meiner Kommilitonen werde ich ins Ausland abwandern, dort wird noch gerecht entlohnt. Sch. auf das sinkende Schiff Deutschland.

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