Logistik-Branche
Logistik: Vom Überflieger zum lahmen Vogel

Die erfolgsverwöhnte Logistik-Branche sieht schwierigen Zeiten entgegen. Das satte Umsatzplus der vergangenen zwei Jahre ist Geschichte, nun müssen die Logistiker ihre in der Boomphase intensiv ausgebauten Kapazitäten wieder zurückfahren. Besonders hart betroffen ist die internationale Seefracht.
  • 0

KÖLN. Die Rudolph Logistik Gruppe aus Baunatal im Landkreis Kassel spürt die Auswirkungen der Wirtschaftskrise besonders stark: Die Hälfte seines Umsatzes erwirtschaftet das Unternehmen mit der krisengebeutelten Automobilbranche, an vier seiner 26 Standorte musste der Mittelständler bereits Kurzarbeit einführen, klagt Geschäftsführer Torsten Rudolph.

Die Krise hat die Branche kalt erwischt. In den vergangenen Jahren waren Logistiker erfolgsverwöhnt, das Umsatzplus betrug acht Prozent im Jahr 2007 und fünf Prozent in 2008. Die Branche kannte nur eine Richtung: nach oben. Sie profitierte vom Outsourcing-Trend und von der weltweit guten Konjunktur. Doch jetzt gehen die Konjunkturprobleme an der Branche nicht spurlos vorüber: 2009 wird der Umsatz um sieben Prozent einbrechen, prognostiziert die Fraunhofer Arbeitsgruppe für Technologien der Logistik-Dienstleistungswirtschaft.

Die umgeschlagenen Mengen werden demnach um fünf Prozent zurückgehen und die Preise für Logistikdienstleistungen um zwei Prozent fallen. "Das Boomjahr 2008 hatte viele Unternehmen dazu verführt, intensiv Kapazitäten auszubauen", sagt Evi Hartmann, Logistik-Professorin an der Universität Erlangen-Nürnberg. "Als sich dann herausstellte, dass der Boom nicht von Dauer ist, mussten die Unternehmen schnell wieder Kapazitäten abbauen, um Kosten einzusparen."

Auch Unternehmer Rudolph muss seine Kosten senken, um die rückläufigen Einnahmen zu kompensieren. Die Transportfahrzeuge für die Automobilindustrie sind bei Rudolph im Vergleich zum starken Oktober 2008 nur zu 75 Prozent ausgelastet. "Entsprechend sind unsere Einnahmen zurückgegangen."

Sparen muss die gesamte Logistikbranche, denn ihre umgeschlagenen Mengen gehen um durchschnittlich fünf Prozent zurück. Der Transport leidet dabei stärker unter dem Rückgang als andere Logistikdienstleistungen wie Lagermanagement oder die Kontraktlogistik. Das geht aus einer Fraunhofer-Berechnung hervor. Wobei die Schwankungen je nach Branche der Logistikkunden sehr unterschiedlich ausfallen: Während die Produktion in der Metallindustrie und im Maschinenbau um ein Fünftel eingebrochen ist, blieb die Auslastungen in der Lebensmittelindustrie konstant. Wer also Logistikdienstleistungen für diese Branche übernimmt, leidet weniger stark unter der Krise als Logistiker, die für die Metallindustrie arbeiten.

Die Krise trifft die internationale Seefracht besonders hart. Weil Ex- und Importe weltweit stark abgenommen haben und Unternehmen Investitionen verschieben, wird das Transportvolumen in der Seefracht laut Prognosen des DIW um etwa zwölf Prozent zurückgehen. Damit leidet die Seefracht überdurchschnittlich. Einige Logistikunternehmen haben ihre Frachter deshalb bereits zu Lagern umfunktioniert. Auch die internationale Luftfracht leidet überdurchschnittlich stark unter dem schrumpfenden globalen Handel. Hier prognostiziert das DIW einen Rückgang um acht Prozent.

Seite 1:

Logistik: Vom Überflieger zum lahmen Vogel

Seite 2:

Kommentare zu " Logistik-Branche: Logistik: Vom Überflieger zum lahmen Vogel"

Alle Kommentare

Dieser Beitrag kann nicht mehr kommentiert werden. Sie können wochentags von 8 bis 18 Uhr kommentieren, wenn Sie angemeldeter Handelsblatt-Online-Leser sind. Die Inhalte sind bis zu sieben Tage nach Erscheinen kommentierbar.

Serviceangebote
Zur Startseite
-0%1%2%3%4%5%6%7%8%9%10%11%12%13%14%15%16%17%18%19%20%21%22%23%24%25%26%27%28%29%30%31%32%33%34%35%36%37%38%39%40%41%42%43%44%45%46%47%48%49%50%51%52%53%54%55%56%57%58%59%60%61%62%63%64%65%66%67%68%69%70%71%72%73%74%75%76%77%78%79%80%81%82%83%84%85%86%87%88%89%90%91%92%93%94%95%96%97%98%99%100%