Logistik der Zukunft
Eine Lieferkette steuert sich selbst

Per Roboterfahrzeug sollen die Waren in Zukunft automatisch zum Kunden gelangen. Dafür schauen sich Forscher Tricks von der Tierwelt ab. In einem Versuchslager haben die ersten Praxistests schon Erfolg gezeigt.
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KölnSie holen ihre Fuhren eigenständig ab, fahren unfallfrei und finden immer den schnellsten Weg zum Ziel. Mit 50 fahrerlosen Transportshuttles erforschen Wissenschaftler des Dortmunder Fraunhofer-Instituts für Materialfluss und Logistik Konzepte für den Warentransport der Zukunft. In einer 1.000 Quadratmeter großen Lagerhalle sollen die orangefarbenen Roboterfahrzeuge künftig alle Aufgaben von der Auslagerung im Regal bis zur Anlieferung an einer Kommissionierstation in Eigenregie übernehmen. Eine Software koordiniert die Transporter und lenkt die Waren vollständig automatisiert an ihren Bestimmungsort. Dabei orientieren sich die Forscher an der Tierwelt: Sie nutzen die Prinzipien der Schwarmintelligenz.

Der Aufbau im Versuchslager ist ein Baustein eines großangelegten Forschungsprojekts: Unter dem Namen "Smarti" suchen die Fraunhofer-Experten mit Unternehmen in der gesamten Lieferkette nach Möglichkeiten, automatisierte Materialflüsse zu etablieren. 8,4 Millionen Euro haben die Partner investiert. Das Fernziel: Die komplette Lieferkette vom Produzenten bis zum Kunden soll sich selbst steuern können.

Erste Schritte auf dem Weg dahin sind gemacht: "Unternehmen setzen zunehmend auf automatisierte Prozesse, um Einsparpotenziale zu heben", sagt Oliver Kreienbrink, Partner bei der auf das Lieferketten-Management spezialisierten Unternehmensberatung Kerkhoff Consulting.

Auch Lösungen aus dem Smarti-Projekt haben sich bereits in der Unternehmenspraxis etabliert ?- und sorgen etwa dafür, dass der Weg der Hundefutter-Marke Frolic aus dem Lager ins Supermarktregal effizienter wird. Dabei helfen die Paletten des Verleihers Chep. Diese sind mit RFID-Chips ausgestattet, auf denen gespeichert ist, welcher Transportweg geplant ist und welche Ladung die Palette trägt.

Außerdem lässt sich mit den Chips bestimmen, wo sich eine Palette befindet. Für Spediteure ist das ein Vorteil. Sinkt der Palettenschwund und verringern sich die Verwaltungskosten, kann ein mittelständisches Transportunternehmen nach Einschätzung von Experten rund 250.000 Euro pro Jahr sparen.

"Von selbststeuernden Materialflüssen erhoffen wir uns schnellere Prozesse im Warenausgang, im Zentrallager und in der Filiale", sagt Holger Spehr, zuständiger Manager bei Frolic-Hersteller Mars. Über eine gemeinsame Datenplattform können sowohl Mars als auch Chep stets Informationen über den Status der Lieferungen und über den Standort der Paletten abrufen.

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