Logistik
Finanzkrise erreicht Deutsche Post

Die Logistikbranche ist voll in den Sog der Finanzkrise geraten. Nun hat auch die Deutsche Post ihre Prognose gesenkt und erwartet in diesem Jahr eine halbe Milliarde Euro weniger Gewinn. Damit reiht sich die Post in den Kreis der großen Konzerne wie Fedex, UPS oder TNT ein, die alle wegen des einbrechenden Luftfrachtgeschäfts mit Eilsendungen stark unter Druck geraten sind.

AXEL GRANZOW | DÜSSELDORF

Die Logistikbranche ist voll in den Sog der Finanzkrise geraten. Nun hat auch die Deutsche Post ihre Prognose gesenkt und erwartet in diesem Jahr eine halbe Milliarde Euro weniger Gewinn. Damit reiht sich die Post in den Kreis der großen Konzerne wie Fedex, UPS oder TNT ein, die alle wegen des einbrechenden Luftfrachtgeschäfts mit Eilsendungen (Express) stark unter Druck geraten sind. Logistik- und Postkonzerne gelten als Frühindikatoren für die Entwicklung der Konjunktur, da ihr Wachstum eng mit der Entwicklung des Welthandels, des Gütertransports und der Stimmung der Verbraucher verknüpft ist.

Die Deutsche Post erwartet nun für das laufende Jahr nur noch ein operatives Ergebnis von 2,4 Mrd. Euro. Das sind etwa zehn Prozent weniger als 2007. Nach der Einigung mit der Deutschen Bank über den Verkauf der Postbank hatte die Post im Frühherbst die Postbank aus der Jahresprognose herausgenommen und das Ziel bereits von 4,1 auf 2,9 Mrd. Euro korrigiert. Das Ergebnis der durch die Finanzkrise stark belasteten Postbank hätte das Ergebnis noch stärker nach unten gezogen. Für 2009 rechnet der Logistiker weiter mit einem Ergebnisanstieg, die bisherige Prognose von 3,4 Mrd. Euro wurde jedoch zurückgezogen.

"Das dritte Quartal war sicherlich nicht einfach, und wir gehen davon aus, dass auch in naher Zukunft das gesamtwirtschaftliche Umfeld weiterhin schwierig bleiben wird", sagte Finanzvorstand John Allan in einer Telefonkonferenz. Da die Wachstumsaussichten alles andere als berechenbar seien, sei auch die Post bei ihrem Ausblick "vorsichtig".

"Wir legen nun den Fokus ganz klar auf Kosten", sagte Allan. Dies könne auch zu einem Personalabbau führen, sagte er, ohne Details zu nennen. Allerdings kündigte Allan an, dass die Aktionäre in diesem Jahr eine Dividende auf Vorjahresniveau erhalten sollen.

Die Post-Aktie reagierte an der Börse mit einem Kursrutsch, obwohl die Kurskorrektur für Analysten keine Überraschung war. Für Markus Hesse von Sal. Oppenheim kommt die Prognosesenkung kurz nach den schwachen Aussagen von Kühne & Nagel zum Logistikgeschäft und der Gewinnwarnung des niederländischen Postkonzerns TNT nicht unerwartet. Für das dritte Quartal verzeichnet TNT einen Ergebniseinbruch um 32 Prozent auf 113 Mio. Euro. Die Verschlechterung im Expressgeschäft sei abzusehen gewesen, meinte Hesse. Das Umfeld sei global schwierig, nicht mehr nur in den USA, wo die Post mit DHL Express seit Jahren Verluste schreibt und nun noch stärker unter Druck gerät. Die Deutsche Post bleibe aber dennoch das größte Logistik-Unternehmen der Welt, und das Geschäftsmodell sei intakt, meinte NordLB-Analystin Martina Noss. Derzeit neige der Markt dazu, alles infrage zu stellen, und die Anleger verkauften Aktien von Unternehmen mit Gewinnwarnungen massiv.

Post-Finanzchef Allan begründete die reduzierte Prognose vor allem mit den starken Abweichungen im Geschäft mit Eilsendungen (Express). Dieser Bereich sei am stärksten von der Verschlechterung des Marktumfelds in den USA betroffen. Viele Kunden steigen auf die billigeren, aber langsameren Transporte auf der Straße und zur See um. Allan räumte ein, dass es auch in anderen Regionen zu Rückgängen gekommen sei, die aber durch Kostensenkungsmaßnahmen abgemildert worden seien. Allein in der Express-Sparte, die besonders unter dem abnehmenden Geschäft in den USA leidet, sank das operative Ergebnis (Ebit) im dritten Quartal um rund 30 Mio. Euro.

Für die Restrukturierung des US-Expressgeschäfts will die Post nach früheren Angaben zwei Mrd. Dollar aufbringen, um die Verluste einzugrenzen. Hier will der Vorstand am 10. November erklären, wie er die Sanierung forcieren will.

Klar ist, dass sich die Verhandlungen mit UPS über eine Übernahme des DHL-Luftfrachtvolumens innerhalb der USA hinziehen. UPS erklärte bereits, dass sich Größe und Umfang des Vertrags in Anbetracht der wirtschaftlichen Entwicklung noch ändern könnten. Der Vertrag sollte über zehn Jahre laufen und ein Volumen von einer Mrd. Dollar jährlich haben. Ausweiten will die Post auch den Rückzug aus der Paketzustellung in den USA.

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