Logistik
Krise legt im Duisburger Hafen an

Die Wirtschaftskrise hat nun auch die deutschen Binnenhäfen erreicht. Krisenszenarien liegen bei den Hafengesellschaften in der Schublade, Kurzarbeit und Entlassungen drohen. Die Betreiber müssen sparen, weil immer weniger Güter verschifft werden.

DUISBURG. Die Wirtschaftskrise hat nun auch in den Binnenhäfen angelegt. Krisenszenarien liegen bei den Hafengesellschaften in der Schublade, Kurzarbeit und Entlassungen drohen. "Natürlich können auch wir Kurzarbeit grundsätzlich nicht ausschließen", sagte Erich Staake, Vorstandschef der Duisburger Hafen AG dem Handelsblatt. Die Entscheidung darüber hänge vom weiteren Verlauf der Konjunktur ab. Im laufenden Jahr erwartet Staake für den größten Binnenhafen Europas ein Minus bei den Umschlagszahlen im zweistelligen Prozentbereich, Umsatz und Ergebnis dürften sinken. Verluste werde der Hafen jedoch nicht erwirtschaften. Ein Kostenprogramm und vor allem eine "Vorwärtsstrategie", der Ausbau zur Logistikdrehscheibe des Ruhrgebiets für Bahn, Schiff und Lkw, soll die Talfahrt in Grenzen halten.

Die Hafengruppe, die den Umsatz zuletzt vor allem aufgrund der Übernahme des Verpackungslogistikers VTS um 55 auf rund 127 Mio. Euro gesteigert hat, beschäftigt 550 Mitarbeiter, davon 280 bei VTS. Hinzu kommen 150 Leiharbeiter, deren Arbeitsplätze wie in anderen Häfen und Branchen zuerst von Einsparungen bedroht sein dürften. 2007 weist das öffentliche Unternehmen, das zu gleichen Teilen dem Land Nordrhein-Westfalen, der Kommune Duisburg und dem Bund gehört, einen operativen Gewinn (Ebit) von 15 Mio. Euro aus. Die "sehr guten Zahlen" für 2008 will Staake erst Anfang April präsentieren. Andere Binnenhäfen meldeten bereits Umsatzeinbrüche.

Seit Herbst geht der Güterumschlag auch in Duisburg zurück. Das gilt laut Staake insbesondere für die Sparten Automobil, Chemie und vor allem Stahl. In den ersten beiden Monaten dieses Jahres seien etwa 40 Prozent weniger Stahl umgeschlagen worden als im gleichen Zeitraum des Vorjahres. "Wenn Nachbar Thyssen einen Hochofen stilllegt, ist dies ein ganz harter Schlag für uns", sagte Staake. Der Umschlag mit Importkohle für die Kraftwerke der Region läuft dagegen weiter gut. Hier sollen die Kapazitäten sogar noch ausgebaut werden.

Unter dem Strich blieb der Gesamtumschlag mit 54,5 Mio. Tonnen im Jahr 2008 leicht unter dem Vorjahresniveau. Ein zweistelliges Plus im Containerverkehr hat die Rückgänge bei Kohle und Stahl noch einmal kompensiert. Doch nun bricht auch der Containerverkehr ein: In den ersten beiden Monaten sei der Containerumschlag mit zweistelligen Raten gesunken, sagte Staake. Der Einbruch liegt aber mit rund 15 Prozent noch unter dem in den Seehäfen, wo er um 20 Prozent und mehr eingebrochen ist. Staake begründete dies mit einem gesunden Branchenmix.

Der Branchenprimus will auch 2009 wieder besser abschneiden als die Konkurrenten. "Gerade jetzt gilt es, sich auf Stärken zu besinnen, die Attraktivität des Standorts auszubauen, Maßnahmen zur Effizienzsteigerung zu ergreifen und Kooperationen zu intensivieren", sagte Staake. Duisport will in den nächsten drei Jahren an den geplanten Investitionen von 150 Mio. Euro in den Ausbau des Standorts zur Logistikdrehscheibe des Ruhrgebiets festhalten. Staake kommt zugute, dass er nicht nur Hafenumschlag anbietet, sondern auch Immobilien vermarktet, zusätzliche Serviceangebote macht und Bahnunternehmer ist. Duisburg habe sich zu einem bedeutenden Service-Center im Hinterland, besonders der Seehäfen in Belgien und den Niederlanden, entwickelt, das für einen schnelleren Containerumschlag sorge, sagte Frank Straube, Logistikprofessor an der TU Berlin. Zudem werte Duisburg mit Zusatzdiensten, wie zum Beispiel Verpackungsleistungen, sein Angebot auf.

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